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Software SAP sucht den Schulterschluss mit den Kunden

14.01.2010 ·  Der Software-Konzern setzt die angekündigten Preiserhöhungen für die Wartung erst einmal aus. Gleichzeitig werden die Vorstandszuständigkeiten neu sortiert. Deutschland-Chef Volker Merk verlässt das Unternehmen, um - wie es heißt - ein „Sabbatical“ zu nehmen.

Von Bernd Freytag
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Der Software-Hersteller SAP hat nach einem monatelangen, teilweise erbittert geführten Streit mit seinen Kunden wegen höherer Preise für die Software-Wartung überraschend eingelenkt. Die Nutzer sollen nun zwischen der Standard-Wartung und der umfassenderen, aber auch teuren sogenannten Enterprise-Variante frei wählen können. SAP begründete das Entgegenkommen mit den „immer noch schwierigen Finanzsituation vieler Unternehmen“. Das Unternehmen belasse zudem die Preise für die Software-Wartung für das laufende Jahr auf dem Niveau von 2009.

Viele langjährige Kunden, vor allem aus dem deutschen Mittelstand, hatten moniert, die umfangreichere Wartung sei überdimensioniert. Die streitbare deutsche SAP-Nutzervereinigung DSAG lobte die Kehrtwende des Unternehmens: „Mit Freude haben wir die Entscheidung von SAP aufgenommen.“ Generell könnten nun - wie von der DSAG gefordert - alle Kunden jährlich zwischen den Wartungsvarianten wechseln. Für die Basis-Wartung seiner Software berechnet SAP derzeit 18 Prozent der Lizenzgebühren. Diese soll sich nur im Rahmen der Inflation verteuern. Die aufwendigere Variante schlägt zunächst mit 18,36 Prozent zu Buche. Der Preis bleibt in diesem Jahr stabil, soll bis 2016 aber auf 22 Prozent der Lizenzkosten steigen.

Software-Wartung wird immer wichtiger

Wartung und Aktualisierung von Software ist für Häuser wie SAP ein lukratives Geschäft und sichert über mehrere Jahre weitgehend stabile Einnahmen, während der Software-Verkauf stärkeren Schwankungen unterliegt. Die steigende Bedeutung der Wartung wird nicht zuletzt unterstrichen von den vorläufigen Jahreszahlen, die der Konzern am Donnerstag ebenfalls überraschend veröffentlichte. Demnach musste SAP 2009 einen Umsatzrückgang von 9 Prozent auf rund 10,67 Milliarden Euro hinnehmen. Das Geschäft mit neuen Software-Lizenzen brach dabei um 28 Prozent auf ungefähr 2,60 Milliarden Euro ein. Die Zahlen verdeutlichen eindrucksvoll, dass das Wartungsgeschäft und die sogenannten softwarebezogenen Serviceerlöse zulasten des klassischen Lizenzverkaufs immer wichtiger werden.

Mit welchen finanziellen Folgen SAP nach Einführung der neuen Wartungsmodelle zu rechnen hat, sagte Vorstandssprecher Leo Apotheker auf einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz am Donnerstag nicht. SAP setze ein deutliches Signal, wie wichtig dem Unternehmen die Zufriedenheit seiner Kunden sei, sagte er lediglich. Trotz der rückläufigen Erlöse hat SAP nach eigenem Bekunden die Erwartungen für das Geschäftsjahr übertroffen. Der Konzern verweist dabei vor allem auf die währungsbereinigte operative Marge, die zwar um etwa 0,7 Prozentpunkte auf ungefähr 27,5 Prozent gefallen sei, damit die eigene Zielspanne von 25,5 bis 27 Prozent aber übertroffen habe. Ähnlich positiv äußerte sich der Konzern zu den Software-Erlösen und softwarebezogenen Serviceerlösen. Sie sanken zwar um 5 Prozent auf 8,20 Milliarden Euro, hätten aber deutlich über den Markterwartungen gelegen. Nachdem die Zahlen nach Bekanntgabe am frühen Nachmittag an der Börse zunächst für einen Sprung des Aktienkurses geführt hatten, ging der Kursgewinn im weiteren Handelsverlauf auf nur noch gut ein Prozent wieder zurück (Teure SAP-Aktie legt zu).

Um die Kundennähe weiter auszubauen, kündigte der Konzern neue Zuständigkeiten im Vorstand an. Von April an wird John Schwarz, der ehemalige Chef des für rund 5 Milliarden Euro übernommenen französischen Software-Unternehmens Business Objects, die Industrielösungen im Vorstand verantworten. Ziel sei es, die Anforderungen des Marktes schneller in künftige Lösungen für die einzelnen Branchen umsetzen. In die Zuständigkeit des aufstrebenden Vorstands Jim Hageman Snabe fallen künftig Produkt-Design und Entwicklung, um „skalierbare Innovationen zu entwickeln und hervorragende Produkte schneller zur Marktreife zu bringen“, sagte Apotheker. Zur Zukunft des erkrankten Vorstandsmitglieds Ernie Gunst äußerte sich die SAP-Führung nicht.

Überraschung im Vertrieb

Eine überraschende Wendung gibt es derweil in der Mannschaft des Vertriebschefs Bill McDermott. Deutschland-Chef Volker Merk verlässt das Unternehmen, um - wie es heißt - ein „Sabbatical“ zu nehmen. Der neue Deutschland-Chef ist ein alter Bekannter: Michael Kleinemeier führte die Region Deutschland, Österreich und Schweiz schon von 2004 bis 2007 und kehrt nach dem Ausflug zu einem Immobilienunternehmen zu den Walldorfern zurück. SAP ordne Teile der Vorstandsbereiche neu, um den Kundenfokus weiter zu verstärken und Innovationen schneller an den Markt zu bringen, hieß es. Kunden würden von diesen Änderungen profitieren, da SAP künftig schneller und flexibler auf sich verändernde Marktbedingungen reagieren könne.

Quelle: FAZ.NET mit Dow Jones und Bloomberg
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Jahrgang 1967, Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

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