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SNCF Konkurrenz für die Deutsche Bahn

30.10.2009 ·  Die Deutsche Bahn bekommt erstmals ernsthafte Konkurrenz im Fernverkehr. Zwei Unternehmen machen sich bereit, demnächst einen Intercity-Verkehr zu betreiben. Darunter ist der französische Staatskonzern SNCF.

Von Christian Schubert und Konrad Mrusek
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Die Deutsche Bahn bekommt erstmals ernsthafte Konkurrenz im Fernverkehr. Sie hat trotz der Marktöffnung vor über zehn Jahren auf Fernstrecken noch immer einen Marktanteil von 99 Prozent. Zwei Unternehmen machen sich nun bereit, der Bahn Konkurrenz zu machen und demnächst einen Intercity-Verkehr zu betreiben.

Darunter ist der französische Staatskonzern SNCF, mit dem die Bahn bisher im grenzüberschreitenden Verkehr kooperiert, sowie ein kleinerer Anbieter aus Deutschland. Die SNCF bewirbt sich darum, im Rahmen eines mehrjährigen Vertrages von 2011 an zwei längere Strecken von Süd- nach Norddeutschland zu bedienen. Zudem wird schon im August 2010 die Firma Locomore Rail aus Berlin erstmals zwischen Hamburg und Köln fahren. Die Deutsche Bahn hat bisher im Fernverkehr nur zwei Konkurrenten, der größte ist InterConnex, der zum französischen Versorgungskonzern Veolia gehört.

Ein Sprecher der SNCF bestätigte in Paris, dass seine Gesellschaft die Anwartschaft auf mehrere Strecken im Regional- und im Fernverkehr beantragt habe. Wie es in Kreisen der Deutschen Bahn hieß, handele es sich dabei auch um neue Strecken, die die SNCF heute noch nicht befährt. Im Rahmen des Gemeinschaftsunternehmens Aleo mit der Deutschen Bahn ist die französische Staatsbahn derzeit mit ihrem Hochgeschwindigkeitszug TGV auf der Verbindung von Paris über Straßburg nach Stuttgart und München unterwegs. Die Franzosen betonen, dass die Streckenanträge keine Kampfansage an die Deutsche Bahn seien, denn sie bevorzugten weiterhin mit der Deutschen Bahn zu kooperieren. Die SNCF wisse jedoch nicht, ob die Deutsche Bahn mit ihr weiter zusammen arbeiten wolle, wenn das Gemeinschaftsunternehmen Aleo nach der aktuellen Vertragsdauer 2012 auslaufen werde. Für den Fall, dass die Deutsche Bahn auf Konkurrenz setze, sei dann auch die SNCF gerüstet, sagte der SNCF-Sprecher in Paris.

Das gute Recht der SNCF, die Strecken zu beantragen

Seitens der Deutschen Bahn heißt es, dass es das gute Recht der SNCF sei, die Strecken zu beantragen - anders als umgekehrt in Frankreich. Dort würde der Gesetzgeber die Wettbewerbsöffnung mit allen möglichen Ausnahmen bis 2019 hinauszögern. Von diesem Dezember an, dürfen ausländische Gesellschaften in Frankreich zwar grenzüberschreitende Strecken anbieten. Doch die Mitnahme von Fahrgästen, die nur die französischen Teilstrecken benutzen wollen, hänge von der Erlaubnis der SNCF ab, heißt es in Kreisen der Deutschen Bahn. Dies mache das Angebot für jeden neuen Wettbewerber unattraktiv.

Die Locomore Rail GmbH & Co KG will dreimal täglich auf der Strecke Köln-Hamburg fahren. Der Geschäftsführer des 2007 gegründeten Unternehmens, Derek Ladewig, sagte dieser Zeitung, es werde sich um Züge handeln, die komfortabler seien als der Intercity der Bahn. Auch die Preise würden „attraktiv“ sein“, versichert er. Locomore gründete für den Betrieb dieser ersten Strecke eine Gesellschaft, an der ein amerikanischer Partner beteiligt ist, die Railroad Development Corp aus Pittsburgh, die im Güterverkehr tätig ist.

Trotz Marktöffnung bisher wenig Konkurrenz

Die Deutsche Bahn hat trotz Marktöffnung 1994 bisher wenig Konkurrenz. Dies dürfte nach Ansicht von Experten nicht allein daran liegen, dass die Bahn den Wettbewerb behindert, sondern auch an der Tatsache, dass erst 2010 die Liberalisierung im grenzüberschreitenden Personenverkehr kommt. Im Nahverkehr haben private Anbieter einen Anteil von 10 Prozent erreicht, im Güterverkehr sind es immerhin schon 21 Prozent.

Nach Ansicht des Verbandes Mofair, der die drei größten privaten Anbieter im Nahverkehr vertritt, fehlt es nicht an unternehmerischem Elan, sondern die Deutsche Bahn behindere den Wettbewerb. Man klagt über die Bundesnetzagentur, weil diese die Bahn Netz AG nicht stärker zur Marktöffnung zwingt.

Im Koalitionsvertrag haben Union und FDP vereinbart, mehr Konkurrenz auf der Schiene zu schaffen. Dazu soll die Kompetenz der Regulierungsbehörde erweitert werden. Andererseits soll die Infrastruktur und damit Netz AG unabhängiger werden vom Betrieb, sodass die Bahn weniger Einfluss nehmen kann auf die Vergabe von Trassen.

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