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Sinkende iPhone-Absatzzahlen : Hat Apple seinen Zenit überschritten?

Der Preis ist heiß: Verkauf von Apple-Neuheiten in Hongkong Bild: Reuters

Nach Jahren des Erfolgs beunruhigen Berichte über einen Rückgang der iPhone-Absatzzahlen. Das kommt an der Börse nicht gut an.

          Einige haben es ja schon immer geahnt: Selbst bei Apple scheint das Wachstum endlich zu sein. Im vergangenen Jahr prognostizierten Analysten für 2016 ein Ende des ungebremsten iPhone-Aufschwungs. Erstmals seit der Einführung 2007 soll Apple in diesem Jahr weniger Geräte seines Erfolgsmodells verkaufen. So erwartet die Investmentbank Morgan Stanley ein Absatzminus von 6 Prozent, das entspricht rund 13 Millionen Stück.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In dieses trübe Bild passen neue Schreckensmeldungen aus Japan zum Jahresbeginn. Der Zeitschrift „Nikkei Asian Review“ zufolge wollen die Amerikaner die Produktion der aktuellen iPhone-Modelle im ersten Quartal um 30 Prozent zurückfahren, und zwar im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen. Die hatten vorgesehen, den Ausstoß von iPhone 6s und 6s Plus im Vergleich zum Vorjahresvierteljahr auf einem unveränderten Niveau zu belassen.

          Apple-Zulieferer schwächeln

          Wie immer in solchen Fällen gab Apple selbst keinen Kommentar ab. Umso auskunftsfreudiger zeigten sich Marktbeobachter. Von einer Produktionskürzung, die die Augen öffne, sprach Daniel Ives von der Investmentbank FBR. Die Wall Street hat zwar einen Rückgang im Aktienkurs eingepreist. Den jetzt vermeldeten Umfang nennt man dort aber besorgniserregend. Immer wieder wird die bange Frage gestellt: Hat Apple seinen Zenit überschritten?

          Zumindest mit Blick auf die Börse kann diese Frage mit Ja beantwortet werden, fürs erste jedenfalls. Noch im Juli kostete die Aktie des wertvollsten Unternehmens der Welt mehr als 130 Dollar. Seitdem ging es mit dem Kurs tendenziell beständig bergab. Am Mittwoch pendelten Apple-Papiere knapp über der Marke von 100 Dollar – ein denkbar schlechter Jahresstart. Noch schlechter dran als Apple-Aktionäre sind derzeit Anleger, die auf die Zulieferer des iPhone-Erfinders hoffen. Betroffen waren am Mittwoch besonders japanische Unternehmen wie der Bildschirmhersteller Sharp, Japan Display, Kyocera und Alps Electric. Am tiefsten gingen TDK in die Knie. Der Kurs der Aktie verlor an der Börse in Tokio knapp 4 Prozent.

          Die Aktie der Minebea Co., die die Lichtquellen für die in den Apple-Smartphones verwendeten Flüssigkristallanzeigen liefert, verlor seit Herbst vergangenen Jahres rund ein Drittel an Wert. Auch der Kurs der Aktie des deutschen Chipherstellers Dialog Semiconductor, einer der großen Lieferanten von Halbleiterbausteinen für Apple, gab an der Börse in Frankfurt zeitweise um mehr als 4 Prozent nach. Vor einem halben Jahr kostete ein Anteilsschein mehr als 50 Euro, jetzt beträgt der Preis weniger als 30 Euro.

          iPhone künftig auf Oled-Technologie?

          Im Sommer vergangenen Jahres waren erste Spekulationen rund um eine neue Smartphone-Generation von Apple aufgetaucht. Das hatte die Märkte sofort bewegt. Denn der iPhone-Konzern arbeitet in einer Fabrik im Norden Taiwans an einer neuen Generation von Bildschirmen für die kommenden Handymodelle – schließlich müssen die Amerikaner in Sachen Bildschirmtechnik gegenüber Konkurrenten nachlegen. Während Anbieter wie Samsung, One Plus, Sony oder Geonee auf die sogenannte Oled-Technologie setzen, nutzt Apple diese sehr konstrastreichen Displays bislang nur in seinen kleinen Smartwatches, nicht jedoch in seinen Smartphones.

          Der Einsatz in den massenhaft verkauften iPhones würde umfangreiche Veränderungen in Apples Zulieferkette zur Folge haben. Das Unternehmen wird unter seinen bisherigen Komponentenherstellern auswählen müssen. Für die auf organischen Leuchtdioden basierenden Oled-Bildschirme sind weniger Teile notwendig als für die Flüssigkristall-Displays. Hersteller wie der koreanische Elektronikkonzern LG investieren riesige Beträge in die neue Bildschirmtechnologie. LG hatte im vergangenen Sommer erklärt, über drei Jahre hinweg umgerechnet rund 8 Milliarden Euro in die Entwicklung von Oled-Bildschirmen zu stecken.

          Nur vorübergehende Delle

          Allein diese mittelfristigen Entwicklungen machen es schwierig, die Erfolgsaussichten von Zulieferern zu bewerten. Ein Grund mehr für manchen Anleger, mit Vorsicht an die Branche heranzugehen. Dazu kommen generelle Sorgen, dass die Smartphone-Industrie angesichts einer gewissen Sättigung in den Industrieländern ihre besten Zeiten hinter sich hat. So lässt sich ein taiwanischer Zulieferer mit den Worten zitieren: „Es entspricht der Wahrheit, dass sich das Geschäft verlangsamt.“ Analyst Patrick Moorhead vom Analysehaus Moor Insights & Strategy widersprach dieser Einschätzung: „Apple hat in fast allen Regionen Marktanteile gewonnen. Ich kann keine weltweite Abschwächung ausmachen.“

          Auch die jetzt spekulierte Delle im ersten Quartal dürfte vorübergehender Natur sein, glaubt man dem Gros der Zulieferer. Nikkei zufolge sollen schon im zweiten Quartal die ursprünglichen Absatzpläne wieder erreicht werden. Und wenn im Herbst dann das neue iPhone 7 auf den Markt kommt, werden die Karten ohnehin neu gemischt. Im vergangenen Jahr hatte Apple im Quartal, als die neuen Modelle vorgestellt wurden, mit fast 75 Millionen verkauften Geräten im erweiterten Weihnachtsgeschäft einen Allzeitrekord aufgestellt.

          Quelle: F.A.Z.

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