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Veröffentlicht: 11.02.2016, 16:08 Uhr

Management Fördere Frauen – poliere die Bilanz!

Weg vom Herd, rein in die Chefetage: Was sich viele Frauen wünschen, könnte auch gut für die Unternehmen sein. Mehr weibliche Chefs – mehr Erfolg, so suggeriert es die neueste, bislang größte Studie zu dem Thema. Aber stimmt das wirklich?

von
© 20th Century Fox Hat das Bild der weiblichen Chefin geprägt: Meryl Streep in „Der Teufel trägt Prada“.

Sollten Frauen lieber putzen, waschen und auf die Kinder aufpassen oder sollten sie in den Chefetagen der Unternehmen mitmischen? Abseits jeder Gerechtigkeitsdebatte gibt es auch eine rein ökonomische Herangehensweise an diese Frage: Frauen sollten dann in die Führungsetagen, wenn das die Unternehmen erfolgreicher macht. Aber ist das der Fall?

Nadine Bös Folgen:

Ja, sagt eine neue Studie des Peterson Institutes for International Economics in Washington. Die Forscher haben Daten von fast 22.000 Unternehmen aus 91 Ländern auf der ganzen Welt untersucht und sind auf einen sehr prägnanten Zusammenhang gestoßen: Ein um 30 Prozent höherer Frauenanteil in der Chefetage geht mit einem um 15 Prozent höheren Netto-Umsatz einher. Dabei ist es nicht so wichtig, dass es Frauen bis ganz an die Spitze, also bis zur Vorstandsvorsitzenden schaffen. Es reicht schon, wenn ausreichend Frauen Vorstandsmitglieder oder Mitglieder der Chefebene darunter sind.

 
Sind Unternehmen mit weiblichen Chefs erfolgreicher? Die bisher größte Studie zu dem Thema sagt: Ja!

Diese Ergebnisse klingen erst einmal bahnbrechend. Schon häufiger gab es in der Vergangenheit Studien mit einem ähnlichen Tenor, doch noch nie war die Datenbasis so riesig. So stellte McKinsey schon im Jahr 2007 fest, dass eine signifikante Korrelation besteht zwischen einem höheren Frauenanteil in den Führungsteams und einem Anstieg in der Eigenkapitalrendite sowie der Ebit-Marge. Allerdings schaute sich die Unternehmensberatung nur diejenigen 100 Firmen mit der größten Gender-Vielfalt auf der ganzen Welt an und verglich diese mit dem Durchschnitt ihrer Branche.

Viele Schlagzeilen machte später auch eine Studie der Schweizer Bank Credit Suisse aus dem Jahr 2012, die 2360 Unternehmen auf der ganzen Welt einbezog. Das Ergebnis: Unternehmen mit mindestens einer Frau im Vorstand erwirtschaften höhere Renditen. Um zu prüfen, ob das Ergebnis auch nach überstandener Finanzkrise noch Stand hielt, wiederholte die Bank im Jahr 2015 noch einmal ihre Studie, diesmal mit 3000 Unternehmen. Das Ergebnis sprach abermals für mehr Frauen in der Chefetage. Wer mindestens eine Frau im Vorstand hatte, verzeichnete eine deutlich höhere Eigenkapitalrendite: 14,1 Prozent seit 2005, während Unternehmen mit einem rein männlichen Verwaltungsrat einen Wert von 11,2 Prozent auswiesen.

Schließlich konnte eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie 2011 für das Bundesfrauenministerium  auch noch einen positiven Zusammenhang zwischen dem Frauenanteil in Aufsichtsräten und dem Erfolg deutscher Aktiengesellschaften nachweisen - jedenfalls, wenn die Unternehmen im Privatkundengeschäft tätig waren. Von 2002 bis 2010 wurden dafür Daten von 160 börsennotierten Unternehmen analysiert.

Das gute alte Problem von der Henne und dem Ei

Doch an einem Knackpunkt kranken all diese Untersuchungen und das neueste Werk aus Washington macht dabei keine Ausnahme: Sie klären nicht die Frage, ob die Unternehmen besser wirtschaften, weil sie mehr Frauen im Management haben oder ob mehr Frauen in den Führungsetagen derjenigen Unternehmen sitzen, die ohnehin schon besser wirtschaften. Es ist das gute alte Problem von der Henne und dem Ei.

Und die offenen Fragen gehen sogar noch weiter: Selbst wenn es das Geschlecht ist, das zu besserer Performanz der Unternehmen führt - warum ist das so? Bringen die Frauen eine andere, weiblichere Sichtweise in ihre Arbeit ein? Oder ist es ein bestimmter Typus besonders erfolgreicher Unternehmen, die eine sehr offene Kultur pflegen und viele Frauenkarrieren ermöglichen? Die neueste Studie gibt darauf keine Antwort - ebensowenig wie ihre Vorgänger.

Mehr zum Thema

Eine Antwort aus der Welt der Wissenschaft gibt es hingegen auf eine andere Frage: Wenn Unternehmen mit mehr Frauen an der Spitze besser wirtschaften, lässt sich dieser Erfolg mit einer Frauenquote erzwingen? Die Antwort lautet: Nein! Die aktuelle Washingtoner Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Unternehmen mit einer Quote für Frauen im Vorstand nicht besser abschneiden als andere. Auch ältere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen:  Kenneth Ahern und Amy Dittmar zeigten für den Fall Norwegens im Jahr 2011, dass die Frauenquote dort einen signifikant negativen Effekt auf die Börsenkurse der betroffenen Unternehmen hatte. Ähnliche Ergebnisse stellten Renée Adams und Daniel Ferreira für die Vereinigten Staaten fest.

Die Studien stellen auch Vermutungen zu den Gründen an: Wer aufgrund einer Quote schnell jüngere und unerfahrenere Mitarbeiterinnen in Spitzenpositionen befördert, muss damit rechnen, dass sie weniger leisten als die alten Hasen. Ein Ergebnis der neuen Washingtoner Studie scheint das zu bestätigen: Ein positiver Effekt von Frauen auf den Unternehmenserfolg fand sich vor allem in den Betrieben, die auf breiter Ebene und durch alle Hierarchieebenen hindurch Frauenförderung betrieben.

Quelle: FAZ.NET

 

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