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Silicon Valley : Teenager-Blut für die Alten

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Blutspenden - eine Hoffnung auch gegen das Älterwerden? Bild: Picture-Alliance

Ein Start-up namens Ambrosia hat sich dem Kampf gegen das Älterwerden verschrieben. Die Idee: Ältere Menschen bekommen Bluttransfusionen von jüngeren. Das soll etwa die Konzentrationsfähigkeit verbessern. Hilft das wirklich?

          „Meiner Ansicht nach kann man sich zum Tod auf dreierlei Weise verhalten“, sagte Peter Thiel einmal. „Man kann ihn akzeptieren, man kann ihn leugnen, oder man kann ihn bekämpfen. Ich glaube, unsere Gesellschaft besteht vor allem aus Leuten, die ihn hinnehmen oder leugnen. Ich bekämpfe ihn lieber.“

          Thiel gründete einst das Internet-Bezahlunternehmen Paypal und wurde durch ein frühes Facebook-Engagement steinreich. Im Silicon Valley ist er mit seiner Sichtweise keine einsame Ausnahme. Dort, wo die großen amerikanischen Technologieunternehmen beheimatet sind, sind die Ziele hoch gesteckt: Der Wunsch, die Alterung umzukehren oder wenigsten anzuhalten, ist verbreitet. Hohe Summen fließen in entsprechende Unternehmungen. Die Ansätze sind dabei durchaus verschieden, sie orientieren sich ziemlich eng an jeweils neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

          Eine große Hoffnung verbindet sich mit Blut. Jesse Karmazin beispielsweise setzt darauf. Er hat ein Unternehmen mit dem vielversprechenden Namen Ambrosia gegründet und bietet Menschen, die älter als 35 Jahre sind, Bluttransfusionen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen an - für 8000 Dollar. Hundert Menschen hätten sich schon als Kunden registriert für sein Angebot, sagte er nach einem Bericht des Finanzsenders CNBC  während der gerade stattfindenden Code Conference, einer prominenten jährlichen Zusammenkunft von Vertretern vor allem der Technologiebranche in Kalifornien.

          Mäuse zusammengenäht

          Karmazin geht nicht soweit, seinen Kunden wirklich zu versprechen, dass sie nicht mehr älter werden. Er sieht sich offenkundig als Unternehmer und Forscher zugleich und will vor allem herausfinden, ob das Blut (oder genauer wohl das Blutplasma) junger Menschen bestimmte mit der Alterung einhergehende Symptome einhegen kann - wie etwa ein nachlassendes Erinnerungsvermögen oder ein schwächer werdendes Herz. Das Blut kauft er von sogenannten Blutbanken, die etwa auch Pharmaunternehmen beliefern.

          Mit seinem Angebot knüpft er an Forschungsergebnisse aus den vergangenen Jahren an, die - je nach Perspektive - gruselig oder vielversprechend klingen. Der aus der Schweiz stammende und gegenwärtig an der Universität Stanford arbeitende Neurologe Tony Wyss-Coray ist einer derjenigen, der den Weg geebnet hat dafür.

          In Experimenten nähte er jeweils eine junge mit einer alten Maus operativ derart zusammen, dass hernach Gefäße der beiden Tiere miteinander verwuchsen. Das Blut der jungen Tiere gelangte auf diese Weise über eine längere Zeit, teils mehrere Wochen, in den Kreislauf der älteren Artgenossen. Dann wurden beide Tiere durch eine zweite Operation wieder voneinander getrennt.

          Vergreiste Mäuse mit jugendlicher Gehirnleistung

          Das Ergebnis war erstaunlich. „Irgendwelche Stoffe, die mit dem Blut der jungen Tiere in den Kreislauf der greisen Mäuse flossen, stärkten offenbar deren Muskeln. Sie erneuerten Leber und Bauchspeicheldrüse. Die Knochen waren stabiler geworden, die Herzleistung verbesserte sich“, beschrieb das der Biologe Ulrich Bahnsen unlängst in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Besonders beeindruckend aber war die Wirkung des jungen Bluts im Gehirn. Vergreiste Mäuse lernen nur noch schlecht, auch ihr Gedächtnis wird schwach. Die Hirne von Wyss-Corays Versuchstieren zeigten Leistungen, als wären sie jugendlich.“

          Unklar ist, ob sich das von Mäusen auf Menschen übertragen lässt. Und auch, welche Stoffe im Blut genau die entsprechenden Effekte auslösen. Und eine wichtige Unterscheidung zwischen diesen Experimenten und dem Angebot von Ambrosia-Gründer Karmazin, der selbst Medizin studierte, besteht darin, dass er eben „nur“ Bluttransfusionen anbietet - da werden nicht wie im Falle der Mäuse zwei Lebewesen wirklich über eine lange Zeit miteinander verbunden. Über die Behandlung mit Bluttransfusionen äußerte sich Wyss-Coray, der selbst eine Unternehmung namens Alkahest ins Leben gerufen hat, denn auch vor einiger Zeit kritisch. Gegenüber dem Internetportal „Business Insider“ sagte er zu der Frage, ob das Prozedere wirklich hilft: „Es gibt keine klinische Evidenz.“

          In einer Untersuchung, die Irina Conboy von der University of Berkeley mit Mitteln unter anderem des zu Alphabet (Google) gehörenden Biotech-Unternehmens Calico und des National Institutes of Health im vergangenen Jahr durchgeführt hat, zeigte sich denn auch: Tauscht man bei alten Mäusen das Blut gegen das junger Artgenossen aus, ohne die Organsysteme miteinander zu verbinden, gibt es nur eine stark eingeschränkte Regeneration. Ambrosia-Gründer Karmazin wiederum behandelt eigenem Bekunden jedenfalls schon seit einigen Monaten Kunden mit den Bluttransfusionen in einer Klinik und sagte gegenüber dem „Business Insider“, einige meldeten bereits Fortschritte, zum Beispiel eine erneuerte Konzentrationsfähigkeit.

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