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Siemens und Alstom : Warum Europa chinesische Züge fürchtet

„Fuxing“ bedeutet „Wiedergeburt“. Der neue chinesische Hochgeschwindigkeitszug soll bis zu 400 Kilometer pro Stunde schnell sein. Bild: Reuters

Siemens und Alstom bauen ein Bollwerk gegen den Angriff aus Peking. Nach dessen Plan sollen chinesische Züge künftig mit 400 Stundenkilometern den Weltmarkt überrollen.

          An einem Dienstagmorgen im Mai des Jahres 2015 kamen die Manager der Siemens-Zugsparte in München zu einer Krisensitzung zusammen. Wie eine Bombe war im Konzern ein exklusiver Bericht der F.A.Z. eingeschlagen, dessen Nachricht es am Vorabend bis ins ZDF-„heute journal“ geschafft hatte: die Deutsche Bahn wolle künftig ihre Züge und Ersatzteile künftig auch in China kaufen.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          „In drei bis fünf Jahren kann Asien und speziell China eine Schlüsselfunktion im Einkauf von Zügen und Ersatzteilen für die Deutsche Bahn erlangen", hatte Konzern-Einkaufsvorstand Heike Hanagarth in Schanghai im Gespräch mit der F.A.Z. gesagt. Im darauffolgenden Herbst wolle die Bahn voraussichtlich in Chinas Hauptstadt Peking ein Einkaufsbüro eröffnen. „Ziel ist die Zusammenarbeit mit den chinesischen Zugherstellern CSR und CNR“, so Bahn-Vorstand Hanagarth.

          Beim ICE-Hersteller Siemens kam die Nachricht aus dem fernen Schanghai so an, wie es von der Deutschen Bahn beabsichtigt gewesen war: als Warnschuss des mit Abstand größten Kunden, man sei auf die Münchener nicht mehr zwingend angewiesen.

          „Nationaler Champion“ CRRC

          Nervös hatte man sich bei Siemens zu diesem Zeitpunkt schon länger gezeigt angesichts der neuen Konkurrenz aus China. Dort sollten die beiden größten staatlichen Zughersteller fusionieren, um mit vereinter Schlagkraft die Weltmärkte zu erobern. Als die F.A.Z. von den Plänen berichtet und getitelt hatte, die Chinesen lehrten Siemens das „Fürchten“, reagierte der Konzern so wie dargestellt: furchtsam. Man „zittere“ nicht vor dem gigantischen Wettbewerber aus dem Niedriglohnland China, beschwerte sich ein Sprecher gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Wie sehr es in Wahrheit Grund zum Zittern gab, zeigt nun, drei Jahre später, der Zusammenschluss der Bahntechnik-Geschäfte von Siemens und dem französischen TGV-Hersteller Alstom. Das neue fusionierte Unternehmen, über das die Aufseher in München und Paris am Dienstagabend eine Absichtserklärung beschlossen haben und an dem Siemens einen Anteil von 50 Prozent halten soll, ist nichts anderes als ein Verteidigungsmanöver gegen den drohenden Angriff auf Fernost.

          Dort ist in China mit dem fusionierten Zughersteller CRRC einer jener „nationalen Champions“ entstanden, mit denen Chinas Präsident Xi Jinping sein Land von einem Schwellenland mit Billigproduktion im Auftrag westlicher Hersteller zu einer echten Industrienation formen will, deren Produkte auf der ganzen Welt reißenden Absatz finden und der auf Augenhöhe mit Deutschland und den Vereinigten Staaten ist.

          Neue „Fuxing“-Züge

          Aber ist China nicht schon auf Augenhöhe, blickt es möglicherweise schon auf die Deutschen herab? 1318 Kilometer beträgt die Zugstrecke zwischen der Hauptstadt Peking und der Wirtschaftsmetropole Schanghai. Seit vergangener Woche legt sie der Reisende in 4 Stunden und 28 Minuten zurück – mit einer Höchstgeschwindigkeit von 350 Kilometern in der Stunde. Der ICE kommt nur auf eine Höchstgeschwindigkeit von 330 Stundenkilometern, fährt in der Regel aber deutlich langsamer.

          Bisher trugen die chinesischen Hochgeschwindigkeitszüge den Namen „Harmonie“, doch mit der ist es vorbei. Die neuen Züge, die durch das riesige Land schießen, heißen hingegen „Fuxing“, was wortwörtlich für „Wiedergeburt“ steht. Gemeint ist damit der Wiederaufstieg der chinesischen Nation an die Weltspitze.

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