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Drei statt fünf Sparten : Siemens plant „Evolution statt Revolution“

  • Aktualisiert am

Siemens-Fahnen vor der Konzernzentrale in München. Bild: Reuters

Die Restrukturierung des Münchner Technologiekonzerns scheint Form anzunehmen. Zwei Sparten stehen dabei offenbar auf der Abschussliste.

          Bei Siemens zeichnen sich Grundzüge der neuen Strategie von Vorstandschef Joe Kaeser ab. Die Zahl der Divisionen im Industriegeschäft solle mit Beginn des neuen Geschäftsjahres am 1. Oktober auf drei von bisher fünf sinken, sagte eine mit den Plänen vertraute Person am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Das sei bereits im Aufsichtsrat besprochen worden.

          Die Sparten sollten höhere Rendite-Vorgaben erhalten als bisher, berichtete das „Manager Magazin“. Siemens wolle die unter dem Arbeitstitel „Vision 2020+“ bekannten Pläne im August vorstellen, sagten zwei Insider. Große Umwälzungen erwarten sie aber nicht: „Das wird eher eine Evolution als eine Revolution“, sagte einer von ihnen.

          Die Ziele, die Vorstandschef Kaeser bei seinem Amtsantritt für das Jahr 2020 ausgegeben hatte, hat Siemens zum großen Teil erreicht. Er hatte die neue Strategie eigentlich schon für das Frühjahr in Aussicht gestellt, wollte dann aber die Einigung über die Zukunft der angeschlagenen Kraftwerkssparte abwarten. Über den dort geplanten Abbau von rund 6000 Stellen hatte sich der Vorstand im Mai mit den Arbeitnehmervertreten grundsätzlich verständigt. Die Details sollen bis Ende September verhandelt werden.

          Ziele klaffen weit auseinander

          Auf einer Investorenkonferenz in New York hatte Kaeser die Frage nach Plänen für eine Vereinfachung der Spartenstruktur mit einem „Ja“ beantwortet, sich aber weiter nicht geäußert. Wie ein Insider sagte, soll das Geschäft mit der Automatisierung in der Prozessindustrie der „Digitalen Fabrik“ zugeschlagen werden, dem Aushängeschild von Siemens, das sich mit der Digitalisierung von Prozessen in der Produktion beschäftigt. Barclays-Analyst James Stettler geht davon aus, dass die mechanischen Antriebe, die zur Automatisierungs-Sparte gehören, verkauft werden sollen.

          Die Sparte „Energy Management“ soll aufgeteilt werden: Die Stromverteilnetze gehen in der Gebäudetechnik auf, die Hochspannungsnetze werden mit der margenschwachen fossilen Kraftwerkstechnik zusammengefasst. „Das wäre ein logischer Schritt“, lobte Stettler.

          Mit der Umstrukturierung seien höhere Margenziele verbunden, berichtete das Magazin. Investoren forderten 13 bis 14 Prozent operative Umsatzrendite, Siemens peilt für das laufende Jahr 11 bis 12 Prozent an. Die Ziele für die einzelnen Sparten für 2020 klaffen dabei weit auseinander: von fünf bis acht Prozent für den Windkraftkonzern Siemens Gamesa bis zu 14 bis 20 Prozent für die Digitale Fabrik.

          „Flottenverbund“, aber „selbstständig“

          Siemens wollte sich zu den Plänen nicht konkret äußern. Man arbeite „mit Ruhe und Sorgfalt an der Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie“, erklärte der Münchner Industriekonzern. Beschlüsse gebe es noch nicht. „Dort, wo Änderungen nötig sind, werden wir handeln. Dabei werden wir immer die Kundennähe, die Wettbewerbs- und die Innovationsfähigkeit im Fokus haben.“

          Neben den fünf Industrie-Divisionen stehen die Finanzsparte SFS, Siemens Gamesa, das Eisenbahngeschäft, das mit der französischen Alstom fusioniert werden soll, und die kürzlich an die Börse gebrachte Medizintechnik-Tochter Siemens Healthineers. Kaeser sieht Siemens als „Flottenverbund“ künftig weitgehend selbstständiger Unternehmen, die flexibler und schneller handeln können als der „große Tanker“ Siemens. Auf einer Investorenkonferenz in New York sagte Kaeser laut „Manager Magazin“, Siemens Gamesa und die künftige Siemens Alstom könnten in fünf Jahren „so gut sein, dass sie alleine überleben“.

          Die fossile Kraftwerkssparte sei offenbar nicht mehr Teil von Kaesers Zukunftsvision, schrieb Analyst Stettler. Auf einen Bericht, wonach das Geschäft mit großen Gasturbinen zum Verkauf stehen, hatte der Siemens-Chef zuletzt ausweichend reagiert.

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