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Siemens : Löscher geht - der Aufsichtsrat muss folgen

Düsterer Himmel über der Siemens-Konzernzentrale am Wittelsbacher Platz in München Bild: dapd

Ja, Peter Löscher hat viel falsch gemacht. Siemens muss kämpfen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Versagt hat aber auch der Aufsichtsrat unter Gerhard Cromme - und sollte ebenfalls ausgetauscht werden. Eine Analyse.

          Mit Siemens wankt eine Ikone der deutschen Industrie. Seit langem zeichnet sich in einem der größten deutschen Konzerne ab, dass es nicht vorangeht und der Anschluss an die Weltmärkte gefährdet ist. Siemens, das ist einst die Visitenkarte für Technologie „Made in Germany“ gewesen: für Industrieanlagen, energiesparende Kraftwerke, Windräder, Züge und Computertomographen. Doch der Konzern leidet unter Schwindsucht. Er hat an Ertrags- und Wettbewerbskraft, vor allem an Innovationsfähigkeit eingebüßt - eigentlich eine Tugend der deutschen Wirtschaft.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Der Erosionsprozess war zu erkennen. Gehandelt aber haben weder der Vorstand unter Vorsitz des Peter Löscher noch der Aufsichtsrat unter seinem Vorsitzenden Gerhard Cromme. Plattitüden sollten strategischen Aktionismus vortäuschen, wenn es etwa darum ging, ein realitätsfremdes Wachstumsziel von dereinst 100 Milliarden Euro Umsatz an die Wand zu malen. Oder „Siemens 2014“: Das unsystematisch aufgebaute Programm kam groß daher, hat aber außer Unruhe und Nervosität im Konzern nichts bewirkt.

          So ist nicht verwunderlich, dass die Ziele von „Siemens 2014“ aufgegeben werden und Löscher geht. Sein Finanzchef Joe Kaeser soll es nun richten - und damit ausgerechnet jemand, der die Misere mit verursacht hat. Kaeser hat dabei immer wieder die Gratwanderung geschafft, Löscher-Getreuer und -Widersacher zugleich zu sein. Dennoch: Er könnte es hinbekommen, Siemens zu altem Glanz zu verhelfen. Er nimmt die Beschäftigten mit, kennt den Konzern aus dem Effeff und genießt unter Investoren eine hohe Reputation.

          Ein neuer Aufsichtsrat muss her

          Die Wahl Kaesers wäre jedoch erst die eine Hälfte der überfälligen Kurskorrektur. Danach ist der Aufsichtsrat mit einer Runderneuerung an der Reihe. Denn Löscher allein für die Missstände verantwortlich zu machen, das verklärt die Umstände.

          Aufsichtsratschef Cromme zauberte Löscher im Jahr 2007 aus dem Hut und hielt bis zum Schluss an ihm fest, bestätigte ihn mitunter gar in wirren Strategien. Das gilt genauso für alle anderen Mitglieder des Aufsichtsrates, einschließlich des IG-Metall-Vorsitzenden und stellvertretenden Aufsichtsratschefs Berthold Huber mitsamt der Kollegen der Arbeitnehmerbank.

          Alle haben sie zugeschaut. Joe Kaeser braucht Jahre, um den schwerfälligen Siemens-Konzern wieder auf Touren zu bringen. Das könnte schneller gehen, würde ein neues und waches Aufsichtsgremium ihn unterstützen.

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