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Konzernumbau : Siemens verwirrt mit Stellenabbau

Siemens-Zentrale am Wittelsbacher Platz in München Bild: Müller, Andreas

Siemens baut Stellen ab. Vor allem der gigantische bürokratische Apparat soll weg. Doch der Konzern ziert sich mit klaren Aussagen über die genaue Zahl.

          Eine neue Kommunikationsspanne von Siemens um einen weiteren Stellenabbau hat am Freitag für Verwirrung gesorgt. Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser sagte noch am Donnerstagabend vor Investoren in New York, dass wegen des Abbaus von Führungsebenen in der Verwaltung insgesamt 11 600 Stellen betroffen seien. Kaum mit dem Flugzeug in Deutschland gelandet, zeigte sich Kaeser entsetzt über die mediale Reaktion und verschickte einen eiligst erstellten Brandbrief per Mail an die Mitarbeiter, in dem er konterte: „Die Meldungen sind so nicht richtig beziehungsweise falsch ausgelegt“, schreibt er. Der Siemens-Chef bemühte sich um Schadenbegrenzung und versuchte, die knapp 360 000 Konzernmitarbeiter zu beschwichtigen – was an der entstandenen Verwirrung allerdings nichts änderte.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Stunden zuvor hatte Kaeser auf der Investorenkonferenz auf der anderen Seite des Atlantik gesagt, 20 Prozent der Mitarbeiter in Verwaltungs- und Koordinationsfunktionen seien zu viel: 7600 Stellen wegen des Wegfalls der zweiten Führungsebene unterhalb des Vorstandes, genannt Sektoren; 4000 Arbeitsplätze aufgrund einer strafferen weltweiten Vertriebsorganisation. Kaeser verwahrte sich jedoch gegen die Schlussfolgerung, dass diese offensichtlich überflüssig werdenden Stellen gleichzusetzen seien mit einem Abbau. Er habe ausdrücklich davon gesprochen, dass die betroffenen Mitarbeiter „vorzugsweise in weiten Teilen anderweitig eingesetzt werden könnten“. Wo und wie sagte Kaeser allerdings nicht, womit Unklarheit besteht; in einer Angelegenheit, die derzeit viel Unruhe im Konzern auslöst.

          Damit ist genau das passiert, was Kaeser ein zweites Mal verhindern wollte. Ende September 2013 gab Siemens nämlich den Abbau von insgesamt 15.000 Arbeitsplätzen im Zuge des inzwischen weitgehend umgesetzten Sparprogramms „Siemens 2014“  bekannt. Die Zahl der betroffenen Stellen - davon 5000 im Inland - war im Grunde bekannt, wurde damals aber erstmals offiziell als Summe lanciert. Der Gesamtbetriebsrat und die IG Metall einschließlich des mittlerweile aus Altersgründen ausgeschiedenen stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Lothar Adler gingen auf die Barrikaden und beschwerten sich über die fehlende Kommunikation im Vorfeld. Sie fühlten sich übergangen. Die Wellen schlugen hoch und ebbten erst Wochen später wieder ab. Der erste Kommunikationsunfall seit seines Amtsantritts im August 2013 sollte sich nicht mehr wiederholen. „Die Art der Kommunikation hätte man klüger machen sollen“, sagte der Konzernchef dann selbstkritisch.

          Doch nun droht ein Déjà-vu. Die IG Metall zeigte sich am Freitag sichtlich irritiert von Kaesers Botschaften, obwohl sie zusammen mit den Arbeitnehmervertretern eigentlich über die Zahlen im Vorfeld informiert gewesen sein sollen, wie es bei Siemens heißt. Die IG Metall, die bislang von einem größeren Ausmaß eines Stellenabbaus gesprochen hatte, könne die Zahlen nicht interpretieren und nachvollziehen, sagte ein IG-Metall-Sprecher.

          Dass die Absicht vorhanden ist, über Fluktuationen und Umbesetzungen die Zahl des Stellenabbaus möglichst gering zu halten, hat Kaeser schon am 7. Mai gesagt, als er den Konzernumbau angekündigt hatte. Die Erfahrungen zeigen aber, dass es schwer fällt, für alle 11 600 Mitarbeiter einen neuen Arbeitsplatz im Siemens-Konzern zu finden. Inder Regel geschieht dies nur in kleinerem Umfang, zumal Siemens mit dem Programm bis 2016 rund 1 Milliarde Euro einsparen will.

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