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Sicherheit am Flughafen Mehr sehen, weniger zeigen

02.01.2010 ·  Die Sicherheitsindustrie denkt um. Unternehmen werben, dass ihre neuesten Körperscanner Verstecktes finden, ohne Fluggäste zu entblößen. Was damit gemeint ist, ließ sich bei einer Vorführung am Amsterdamer Flughafen erahnen.

Von Timo Kotowski und Marcus Theurer
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Es dauert wenige Sekunden. Nur einen Augenblick muss der Passagier mit erhobenen Händen in einem Glaskasten ausharren. Dann ist bekannt, was er auf der Haut trägt, ob er nur Hemd und Hose am Leib hat oder sich doch ein flaches Sprengstoffpäckchen an den Körper geklebt hat. Was bislang ein Test ist, soll noch im Januar am Amsterdamer Flughafen Schiphol zur Regel werden. Wer von dort in die Vereinigten Staaten fliegen will, muss dann erst durch die Scankabine.

Als erster europäischer Staat wollen die Niederlande die berührungslose Leibesvisitation vor Amerika-Reisen zur Pflicht machen (Video: Schiphol will Körperscanner für Amerika-Reisende einführen). Der Weg am Durchleuchtungskasten vorbei, den der Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab am ersten Weihnachtstag vor seinem missglückten Anschlag auf einem Flug nach Detroit wählte, soll dann versperrt sein. Hersteller der Scanapparate hoffen auf mehr Käufer für ihre Hightech-Geräte zum Stückpreis von oft mehr als 100 000 Euro. Bislang haben sie außerhalb Amerikas nur wenige Abnehmer gefunden.

Gerüstet für einen neuen Massenmarkt

Die Sicherheitsindustrie zeigt sich gerüstet für einen neuen Massenmarkt. So wirbt der britische Hersteller QinetiQ für seine Spezialkamera SPO-7R, das System sei "intuitiv und einfach zu nutzen, erfordert keine Spezialqualifikation und kann vom vorhandenen Sicherheitspersonal bedient werden". Der kalifornische Konkurrent Rapiscan erklärt: "Nach einer Einführung kann ein WaveScan200-Nutzer versteckte Gegenstände in Echtzeit entdecken und identifizieren, indem er Ereignisanzeigen auf einem Video beobachtet." QinetiQ verweist zudem auf Tests an Flughäfen in Minneapolis und Denver. Mehr als 300 Personen könnten pro Stunde überprüft werden. Bei Rapiscan hat indes die amerikanische Flugsicherheitsbehörde TSA Apparate bestellt.

Nach einer Welle der Empörung auf Scans, die Penisse, Brüste oder Hüftspeck erkennen ließen, geben sich die Hersteller geläutert. Sie listen in ihren Broschüren nicht nur technische Finessen auf, sondern propagieren auch den Schutz der Privatsphäre. Bei Rapiscan heißt es, gespeicherte Aufnahmen zeigten "keine anatomischen Details". QinetiQ versichert, dass das SPO-7R-System weder Bilder speichere noch den Kontrolleuren direkt zeige.

Theoretisch können die Geräte weiterhin Nacktbilder aufzeichnen. Aber die Unternehmen wollen Ängste vor einem Striptease vor dem Start ausräumen. Fortan scheint zu gelten, dass Verstecktes aufgedeckt werden, Intimes aber verborgen bleiben soll. Das Bundesforschungsministerium, das hierzulande die Entwicklung mit 34 Millionen Euro fördert, spricht vom Grundsatz "Mehr sehen, weniger zeigen".

Statt Nacktbildern schematische Figuren

Was damit gemeint ist, ließ sich bei einer Vorführung am Amsterdamer Flughafen erahnen. Wie an mehreren Flughäfen in den Vereinigten Staaten stehen dort Scankabinen vom Typ ProVision, die der amerikanische Hersteller L-3 Communications baut. Statt Nacktbildern zeigen die Kontrollmonitore schematische Figuren. Über Stellen, an denen der Scanner Verdächtiges ausmacht, leuchten farbige Vierecke. Dort müssen Kontrolleure die Person dann abtasten.

L-3, QinetiQ und Rapiscan nutzen für die Suche nach Waffen und Sprengstoffen eine Technik, die Terahertz- oder Millimeterwellen erfasst. Im Spektrum liegen sie zwischen Infrarot- und Radiowellen. Anders als Röntgenstrahlen schaden sie nach bisherigen Erkenntnissen nicht der Gesundheit. Die Scanverfahren basieren auf der Tatsache, dass jeder Körper unterschiedlich stark Wärmestrahlen im Terahertzbereich aussendet und reflektiert. Schweißnasse Haut wirft die Schwingungen anders zurück als eine kühle Metallklinge. So soll sogar zu identifizieren sein, ob eine Flasche in der Jackentasche Fruchtsaft oder einen explosiven Cocktail enthält.

Auch aus Deutschland kommt ein derartiges Scansystem, von der Wiesbadener Firma Smiths Heimann, einer Tochtergesellschaft des britischen Technologiekonzerns Smiths Detection. Seinen patentierten Ganzkörperscanner hat das Unternehmen Eqo getauft, weil er das Echo von Millimeterwellen misst. Außer Metallen könnten so auch am Körper getragene Objekte aus Kunststoff und Keramik aufgespürt werden, verspricht der Hersteller, der nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Sicherheitssysteme vom Gepäckkontrollband bis zum Metalldetektor ist. "Ein Vorfall wie auf dem Flug nach Detroit hätte durch unsere Technik verhindert werden können", sagt Sprecher Colin McSeveny.

Allerdings sieht man beim Modell Eqo noch Verbesserungsbedarf und arbeitet an einer neuen Software. Bisher werden die vom Scanner elektronisch entkleideten Passagiere via Monitor vom Sicherheitspersonal beobachtet. Damit soll es bald vorbei sein. "Die Überprüfung erfolgt dann vollautomatisch, niemand muss mehr hinschauen", kündigt Smiths-Sprecher McSeveny an. Das Programm werde in wenigen Monaten verfügbar sein.

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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