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Digitale Exzellenz

Seitenbacher Die Stimme für das Müsli

Willi Pfannenschwarz hat Seitenbacher mit unkonventioneller Radiowerbung zur Marke gemacht. Was mit einer Sorte Müsli begann, sind heute über 250 verschiedene Produkte.

© Seitenbacher Vergrößern Seine Stimme ist bekannt: der Gründer des Unternehmens Seitenbacher spricht seine Radiowerbespots selbst

Willi Pfannenschwarz will „Karle“ sterben lassen. Er sei sich noch nicht sicher, sagt der Gründer von Seitenbacher Naturkost, aber vielleicht nutze sich Karle als Werbefigur im Radio doch langsam ab. „Woischd Karle, du sollschd emol e Seitenbacher Müsli esse. Na hädschd auch net immer die Probleme mit deiner Verdauung.“ Die unkonventionelle Machart und der schwäbische Einschlag der Radiowerbung haben von Anfang an die Hörer polarisiert. Die Bekanntheit der Marke aber wuchs von Spot zu Spot, heute ist „Karle“ Kult. Pfannenschwarz produziert die Stücke nachts im heimischen Kellerstudio selbst, und er bespricht sie auch. Mehr als 300 hat er schon eingespielt. Um Trends schere er sich nicht, versichert Pfannenschwarz. Marktforschung, sagt er, sei „rausgeschmissenes Geld“. Simple Ideen, wie sein alljährlich zu Weihnachten ausgestrahlter Dank an die Kunden, würden mittlerweile von vielen Unternehmen nachgemacht.

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Pfannenschwarz ist Ende fünfzig, sein schütteres schwarzes Haar fällt schulterlang. Er könnte auch Hardrocker sein, und irgendwie ist er auch einer. Willi Pfannenschwarz passt in kein Raster: Gelernter Müller ist er und Musiker, ein gesundheitsbewusster Körneresser und Technikfreak, der noch heute fast alle Anlagen im Unternehmen selbst programmiert. Kaufmann und Philosoph zugleich, freundlich, fast schüchtern, als „argen Eigenbrötler“ bezeichnet er sich selbst. Sein Büro in einem schlichten Zweckbau in der Odenwälder Kleinstadt Buchen gleicht einem freundlichen Loft. Eine Glasfront, eine Chesterfield-Sofaecke, in der Ecke ein alter Tresor, schwarze Büromöbel, grüner Marmorboden, Lautsprecher und viel Technik. Ein übergroßer Flachbildschirm über dem Schreibtisch dient als PC-Monitor. So könnten alle Mitarbeiter bei Besprechungen mitreden, sagt er.

Viel Arbeit führt zum Erfolg

Willi Pfannenschwarz hat ohne Zweifel viele Talente. Manche behaupten sogar, er habe das Müsli in seiner heutigen Form überhaupt erst erfunden. 1980 wollte der Spross einer Müllerdynastie aus dem schwäbischen Waldenbuch nicht mehr nur Weißmehl aus der Mühle seines Vaters an die Bauern der Region verkaufen, sondern Vollkorn und Körnermischungen. Ihm sei damals klargeworden, sagt er, dass viele Zivilisationskrankheiten von falscher Ernährung kämen. So gründete er sein Unternehmen, benannt nach dem Flüsschen Seitenbach in seiner Heimatgemeinde Waldenbuch. Die erste „Spezialmischung“ gebe es noch heute im Sortiment. Er habe sie damals Müsli genannt, in Anlehnung an das Bircher Muesli aus der Schweiz.

Am Anfang war es schwer, räumt Pfannenschwarz ein, die Bauernkundschaft davon zu überzeugen, dass Vollkornmehl eben mehr sei als „Saumehl“. Übers Land sei er gefahren, habe Messen und Märkte besucht, lange um Wiederverkäufer geworben. „Geschafft, geschafft, geschafft“ hätten er und seine Frau, sagt er. Wer Erfolg haben wolle, müsse schon 10000 Stunden in eine Sache investieren. Die Ökobewegung war nach Pfannenschwarz’ Worten nie die Zielgruppe, schließlich hätten „die Studenten aus Freiburg“ damals noch alles selbst gemixt und keine fertigen Müslis gekauft.

Expansion nach Florida

Heute nennt der Seitenbacher-Chef ernährungsbewusste Familien und Menschen über 50 als wichtigste Kundengruppe. Das Sortiment ist auf mehr als 250 Produkte gewachsen, vom Müsli über Brot- und Backmischungen, Suppen, Soßen, Honig, Öle, Fruchtgummis bis hin zu Power-Riegeln und „Muscle Pasta“, die sein Sohn Harry unter dem Namen Harry-P-Fitness im amerikanischen Bundesstaat Florida an Kraftsportler vertreibt, mit dem eigenen Konterfei auf der Verpackung. Auch dort übrigens spricht Vater Pfannenschwarz die Radiospots selbst. „Seitenbacher - easy to eat, hard to spell“, so klingt das dann.

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