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Schweizer Managergehälter : Millionendämmerung

Für eine Minderheit gibt’s Millionengehälter: Auch noch nach dem 3. März? Bild: dpa

Der Verdruss unter Normalverdienern in der Schweiz ist groß. Jetzt stimmen die Eidgenossen per Volksentscheid darüber ab, wie man die Gehälter ihrer Manager begrenzen kann. Die Wirtschaftselite zittert.

          Schon fast sieben Jahre lang tobt ausgerechnet in der Schweiz ein erbitterter Streit über die Deckelung von Managergehältern. Im Oktober 2006 gründete Thomas Minder die „Volksinitiative gegen die Abzockerei“. Der Kleinunternehmer aus Neuhausen am Rheinfall wollte damit dem Treiben der Boni-Jongleure auf den Chefetagen ein Ende setzen. Im Februar 2008 hatte er dann die erforderlichen 100.000 Unterschriften zusammen, um im Land der direkten Demokratie eine Volksabstimmung zu erzwingen. Am 3. März ist es nun so weit. Nach einem zähen Hin und Her im Parlament entscheiden die Schweizer dann, wie es in der Managervergütung weitergehen soll.

          Jürgen  Dunsch

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Wirtschaftselite rund um den Dachverband „Economiesuisse“ zittert, denn die Initiative hat gute Chancen, angenommen zu werden. Der Verdruss unter den normalen Leuten in der Schweiz hat sich über mehrere Jahre aufgestaut. Vorausgegangen war zum Beispiel das großzügige Rentenpaket in dreistelliger Millionenhöhe für den Chef des Elektrokonzerns ABB, Percy Barnevik. Ähnlich verhielt es sich in der Pharmabranche unter Führung des früheren Novartis-Chefs Daniel Vasella und in den Banken. Zweistellige Millionengehälter, überzogene Aktienzuteilung, obskure Antrittsgelder und Verwöhnpakete für den Ruhestand griffen um sich.

          Credit-Suisse-Chef Brady Dougan kassierte 2010 aus einem Bonusprogramm 71 Millionen Franken (etwa 58 Millionen Euro) in bar und in Aktien. Und das bunte Treiben geht weiter. Konkurrent UBS schmälert für 2012 den Bonustopf um gerade einmal sieben Prozent auf 2,5 Milliarden Franken - trotz eines Verlustes in derselben Höhe. Zuletzt sicherte sich Vasella in diesem Jahr ein Paket von 72 Millionen Franken für sechs Jahre nach seinem Abschied von Novartis. Die fadenscheinige Begründung lautete „Konkurrenzverbot“: Vasella durfte für eine gewisse Zeit nirgendwo anders anheuern.

          Die Kluft zieht sich quer durch die Gesellschaft

          Das alles ist Wasser auf die Mühlen von Thomas Minder, dem Inhaber der kleinen Kosmetikfirma Trybol. Die jüngste Meinungsumfrage verheißt dem Mann mit dem durchdringenden Blick eine Mehrheit von 64 Prozent. Die Zusicherung Vasellas, das Geld zu spenden, und der spätere komplette Verzicht auf die Zuwendung konnte am Absahner-Image des Spitzenmanagers nichts ändern - im Gegenteil. „Endlich weg“, hatte schon zuvor selbst das seriöse Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ über Vasella getitelt, der als Vorstandsvorsitzender von Novartis seit der Gründung des Unternehmens 1996 nahezu 400 Millionen Franken in seine eigene Tasche gelenkt haben soll.

          Minder brauche nur den Namen Vasella zu erwähnen, schon habe er das Publikum hinter sich, heißt es über die Auftritte des Kleinunternehmers. Und Regine Sauter, die Leiterin der Handelskammer in Zürich, sagt leicht resigniert, dass selbst Wähler aus dem bürgerlichen Lager für Minders Vorschlag stimmen wollten. Dieser sieht sogar Haftstrafen für Manager vor, die sich etwa Prämien bei Firmenkäufen oder Abgangsentschädigungen verschaffen.

          Auf einer Informationsveranstaltung der Handelskammer im Zürcher Technopark konnte das Publikum vor kurzem eine bunte Mischung aus Gästen erleben, die alle etwas zum Abzocker-Thema zu sagen hatten: auf der Minder-Seite ein Unternehmer und ein Parlamentarier der Grünen, als Widersacher der Arbeitgeberpräsident und der Parteivorsitzende der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP). Die Kluft zieht sich quer durch die Gesellschaft. „Viele wollen jetzt ein Zeichen setzen, dabei sind Lösungen gefragt“, sagte die Handelskammerdirektorin.

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