14.04.2010 · Die UBS zieht weiter wütende Proteste ihrer Aktionäre auf sich. 40 Prozent der Aktienstimmen lehnten auf der Generalversammlung den Vergütungsbericht ab. Die Bank hatte für 2009 trotz eines Milliarden-Verlustes drei Milliarden Franken Boni ausgeschüttet.
Von Jürgen Dunsch, BaselDie unvermindert heftige Kritik an der Schweizer Großbank UBS hat sich am Mittwoch auf der Generalversammlung in Basel in einem starken Votum der 4700 Aktionäre niedergeschlagen. Zunächst stimmte in einer Konsultativabstimmung eine Minderheit von nahezu 40 Prozent gegen den Vergütungsbericht für das vergangene Geschäftsjahr. Die Gegner wurden angeführt von der Ethos-Stiftung, die schon 2008 für einen Antrag auf Sonderprüfung 44 Prozent der Stimmen hinter sich gebracht hatte. Die Zustimmungsquote betrug in Basel 55 Prozent, der Rest entfiel auf Enthaltungen.
Danach lehnte eine Mehrheit der Aktionäre die Entlastung von Vorstand und Verwaltungsrat für das Jahr 2007 ab. Auf der Generalversammlung stimmte eine deutliche Mehrheit gegen den Antrag des Verwaltungsrates. Die Entlastung für die Jahre 2008 und 2009 wurde erteilt. Aktionäre können Ansprüche gegen die Konzernleitung für dieses Jahr weiter erheben.
Am heikelsten galt der Entlastungsantrag für die damalige Konzernführung um Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel und den Vorstandsvorsitzenden Peter Wuffli für 2007, am wenigsten umstritten war derjenige für das Geschäftsjahr 2009. Damals traten im Februar Konzernlenker Oswald Grübel und im darauffolgenden Monat Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger, ein ehemaliger Finanzminister der Schweiz, ihre Ämter an.
Trotz eines Verlustes von 2,7 Milliarden Franken hatte die UBS für 2009 ihre erfolgsabhängigen Vergütungen gegenüber dem Horrorjahr 2008 von rund zwei auf drei Milliarden Franken gesteigert. Im Schlussquartal 2009 erzielte die Bank, die im Oktober 2008 mit sechs Milliarden Franken vom Staat gestützt werden musste, erstmals seit langem wieder einen Gewinn, und für das erste Quartal dieses Jahres erwartet sie ein Ergebnis vor Steuern von mindestens 2,5 Milliarden Franken. Der tiefe Fall der UBS und die Boni-Frage beherrschten die Debatten bis in den Nachmittag hinein; Redner, welche die Rücktritte von Grübel und Villiger forderten, ernteten allerdings Buhrufe. Villiger räumte ein, dass die Bank angesichts ihres großen Vertrauensverlustes sogar eine Änderung ihres Namens erwogen habe. Allerdings sei die Marke zum Beispiel in Asien immer noch so stark, dass die Entscheidung dagegen gefallen sei.
Villiger und Grübel verteidigen ihre Gehaltspolitik
Villiger und Grübel verteidigten die Gehaltspolitik der UBS in erster Linie mit Verweis auf die internationale Konkurrenz. "Wir sind in einem real existierenden Markt", sagte der Verwaltungsratspräsident in einem seiner Kommentare zu nahezu jedem Redebeitrag der Aktionäre. Zuvor hatte Grübel in seiner Einleitungsrede gesagt: "Wir können diesen Markt nicht bestimmen, aber wir können sicherstellen, dass der größte Teil der Vergütung an den zukünftigen Erfolg unseres Unternehmens geknüpft ist." Des weiteren erinnerte Villiger daran, sich die UBS vor einigen Monaten verschärfte Ethik-Standards verordnet habe und fügte an: "Wir verlieren Arbeitnehmer, weil sie sich woanders ethisch freier fühlen." Den umstrittenen neuen Aktienbezugsplan "Incentive Performance Plan" (IPP) für rund 1000 Führungskräfte, der keinen Malus, das heißt keine Kürzung einer Mindestzahl zugesagter Anteilsscheine vorsieht, verteidigte Villiger mit den Worten, bei unethischem Verhalten könne ein Berechtigter seinen Anspruch durchaus verlieren. Daneben hänge die Zahl der letztlich zuzuteilenden Aktien von der Kursentwicklung ab. Eine Verdoppelung der Aktienzahl erfordere einen Mindestkurs der UBS-Aktie in fünf Jahren von 28 Franken, eine Verdreifachung 44 Franken. Das bedeute einen jährlichen Kursanstieg von einem Viertel gegenüber dem aktuellen Niveau von 18 Franken.
Für die Ethos-Stiftung hatte deren Direktor Dominique Biedermann die Ablehnung des Vergütungsberichts unter anderem mit dem IPP begründet. Hier seien die Grundsätze der UBS-Vergütungspolitik gegenüber den vor einem Jahr verabschiedeten Regeln geändert worden, meinte er. Zum Vorwurf der "gierigen Banker" in den Redebeiträgen verwies Villiger darauf, dass er auf ihm zustehende Gehaltsteile und Grübel für 2009 auf einen Bonus verzichtet haben. Der aus dem Ruhestand als Nothelfer zur UBS geholte Vorstandsvorsitzende seinerseits rief den Aktionären zu: "Bin ich gekommen, weil ich hier am meisten Geld verdiene? Bestimmt nicht." Zur Geschäftslage hatte Grübel in seiner Rede gesagt, "Ihre Bank ist wieder zurück im Geschäft". Jetzt gehe es vor allem darum, den Abfluss an Kundengeldern von zuletzt 18 Milliarden Franken im Quartal nach 56 Milliarden im Vorquartal ganz zu stoppen.
Schlechter Ruf: UBS wollte sich umbenennen
Wegen ihres angeschlagenen Rufes sollte die Großbank UBS umbenannt werden. Das sagte Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger vor den Aktionären der Generalversammlung. Zeitweise habe die in der Finanzkrise mit Milliardenverlusten kämpfende UBS so unter einem schlechten Image gelitten, dass ihre Führung über eine Namensänderung nachdachte. „Wir haben uns aber dagegen entschieden“, sagte Villiger.
Besonders in Asien und auch anderswo auf der Welt sei der Name der UBS keineswegs so beschädigt gewesen wie in der Schweiz. Weltweit einen neuen Namen zu etablieren, wäre nach Angaben Villigers viel teurer geworden, als das Image langsam wieder aufzupolieren.
Der Name UBS entstand 1998, als die damalige Schweizerische Bankgesellschaft (SBG auf englisch: Union Bank of Switzerland) mit Sitz in Zürich mit dem in Basel verwurzelten Schweizerischen Bankverein (SBV) fusionierte. Offiziell ist UBS keine Abkürzung, sondern ein eigener Markenname. (dpa)
Gutes Zeichen fuer Aktionaersdemokratie
urs aeschlimann (swissmade)
- 14.04.2010, 20:59 Uhr
@B. Meister Wurden Schweizer Banken gezwungen
Beate Naumann (hhnconsult)
- 15.04.2010, 20:47 Uhr
Das Schweizer Bankgeheimnis
gisbert heimes (gisbert4)
- 15.04.2010, 21:10 Uhr
@K. Wege
Bea Meister (wipkingen)
- 15.04.2010, 22:48 Uhr
@Beate Naumann
Bea Meister (wipkingen)
- 15.04.2010, 23:11 Uhr
Jürgen Dunsch Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
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