18.01.2010 · Etliche Milliarden Dollar hat die UBS in der Finanzmarktkrise in den Sand gesetzt. Im Jahr 2008 hatten die Mitglieder von Geschäftsleitung daher keine variablen Vergütungen erhalten. Doch nun sorgen Spekulationen über Boni-Pläne für das Jahr 2009 für heftige Reaktionen.
Von Jürgen Dunsch, ZürichSpekulationen über die Boni in der Schweizer Großbank UBS, die sie für das Jahr 2009 geplant hat, haben zum Wochenbeginn zu heftigen Reaktionen geführt. Die Sonntags-Zeitung hatte gemeldet, der Bonus-Pool solle sich auf 4 Milliarden Franken oder umgerechnet 2,7 Milliarden Euro belaufen. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma wolle indes höchstens 3 Milliarden Franken genehmigen. Die Finma bestätigte Gespräche über die Bonus-Pläne der UBS, nannte aber keine Zahlen. Die erregten Reaktionen sind damit zu erklären, dass die Bank auch im vergangenen Jahr einen Milliardenverlust geschrieben hat. Bis Ende September summierte sich der Fehlbetrag auf knapp 4 Milliarden Franken. In dieser Größenordnung wird auch der Jahresverlust erwartet.
Die UBS war eine der Banken, die sich vor der Finanzmarktkrise am stärksten verspekuliert hatten. Insgesamt hatte sie im Investmentbanking mehr als 50 Milliarden Dollar in den Sand gesetzt. Im Oktober 2008 sprang ihr der Staat mit einer Pflichtwandelanleihe über 6 Milliarden Franken bei. Diese konnte er im August vergangenen Jahres mit einem Gewinn von 1,2 Milliarden Franken an institutionelle Investoren abstoßen. Daneben durfte die UBS „toxische“ Wertpapiere über 39 Milliarden Dollar an eine „Bad Bank“ unter Kontrolle der Nationalbank (SNB) transferieren, allerdings verbunden mit der Zahlung von 3,9 Milliarden Franken Eigenkapital. Ende September 2009 betrug das Maximalrisiko aus diesen Papieren noch 24,5 Milliarden Dollar.
Selbst bürgerliche Politiker distanzieren sich
Für 2008 hatten die Mitglieder von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat der UBS keine variablen Vergütungen erhalten. Die allgemeinen Bonuszahlungen hatte die Finma auf 1,8 Milliarden Franken begrenzt. Sie war wegen der Staatsbeteiligung dazu berechtigt. 1 Milliarde betraf garantierte Bonuszusagen. Jetzt beansprucht die Finma indirekt eine Kontrolle, weil sie die ausreichende Eigenkapitalausstattung der Schweizer Banken überprüfen muss. UBS-Konzernlenker Oswald Grübel befürchtet seinerseits, dass ohne Bonuszahlungen weitere Leistungsträger das Institut verlassen könnten. Er hat schon entschieden, den in den vergangenen Jahren zurückgedrängten Fixlohnanteil in der UBS wieder zu erhöhen. Darüber hinaus hat die Finma Vergütungsrichtlinien erlassen, die aber erst seit diesem Jahr greifen. Darin verzichtet die Aufsichtsbehörde auf eine Obergrenze für Boni. Sie sollen aber langfristiger angelegt sein und nur bei einem „echten Mehrwert“ für das Unternehmen gezahlt werden. Die Finma definiert ihn als Überschuss nach Abzug aller risikogerechten Kapitalkosten.
Am Montag distanzierten sich selbst bürgerliche Politiker von den angeblichen Bonus-Plänen der UBS. FDP-Parteichef Fulvio Pelli sagte: Es ist unverständlich, wenn eine Bank trotz Verlust hohe Boni verteilen will.“ Sein Parteikollege Philipp Müller sprach von einer „Sauerei“. UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger gehört ebenfalls der FDP an.
Peter Siegenthaler, der Präsident der Eidgenössischen Finanzverwaltung, meinte, man könne das gesellschaftliche Problem nicht wegdiskutieren, dass ausgerechnet jene Branche, die die Wirtschaftskrise mit verursacht habe, weiter sehr hohe Boni ausschütte. Die Bonus-Debatte könnte die Beratungen über ein neues Aktienrecht in der Schweiz beeinflussen. Im März diskutiert die große Kammer des Parlaments über erweiterte Mitwirkungsrechte der Aktionäre. Dies geschieht unter dem Damoklesschwert der bevorstehenden Volksabstimmung über die „Abzocker-Initiative“ des mittelständischen Unternehmers Thomas Minder.
Jürgen Dunsch Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
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