http://www.faz.net/-gqe-7721t
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 19.02.2013, 18:49 Uhr

Schweiz Novartis-Chef verzichtet auf 59 Millionen Euro

Nach öffentlichen Proteststürmen verzichtet der scheidende Verwaltungsratschef des Schweizer Pharmakonzerns Novartis, Daniel Vasella, auf den goldenen Handschlag.

von , Zürich
© AP Daniel Vasella

Novartis-Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella verzichtet auf die 72 Millionen Franken (59 Millionen Euro) für ein sechsjähriges Konkurrenzverbot, die er mit dem Verwaltungsrat des Pharmakonzerns ausgehandelt hatte. Der 59 Jahre alte Vasella sollte das Geld in jährlichen Tranchen nach seinem Ausscheiden bei Novartis auf der Generalversammlung am kommenden Freitag erhalten.

Jürgen  Dunsch Folgen:

Die Bekanntgabe der Summe durch den Spitzenmanager in der vergangenen Woche hatte zu einem Sturm der Entrüstung in der Öffentlichkeit geführt. Es half auch nichts, dass Vasella sagte, er werde den Betrag nach Steuern und weiteren Kosten spenden (F.A.Z. vom 18. Februar). Am Dienstag schrieb er nun in einer Mitteilung des Unternehmens: „Ich habe verstanden, dass in der Schweiz viele den Betrag für die Einhaltung des Konkurrenzverbotes als unverhältnismäßig hoch empfinden.“ Vasella hat nach eigenen Angaben dem Verwaltungsrat den Verzicht empfohlen.

Vasella soll Ehrenpräsident von Novartis werden

Die Mitteilung zitiert des Weiteren Ulrich Lehner, den Vizepräsidenten des Verwaltungsrats, mit den Worten, die Beteiligten hielten das Konkurrenzverbot weiterhin für sinnvoll, da Vasella das Unternehmen bestens kenne, eine starke Forschung und Entwicklung aufgebaut und die meisten der Spitzenkräfte persönlich eingestellt habe. Die Aufkündigung der Vereinbarung trage aber den Vorbehalten der Aktionäre und anderer Beteiligter Rechnung.

Dessen ungeachtet soll Vasella Ehrenpräsident von Novartis werden. Ein Unternehmenssprecher wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern, ob außerdem ein Beratervertrag möglich erscheint. Bekannt ist, dass der ehemalige Henkel-Chef Lehner bis Ende Juli das Präsidentenamt bekleiden soll, ehe Jörg Reinhardt von Bayer den Posten übernimmt. Weiterer Deutscher im Verwaltungsrat ist der frühere Porsche-Lenker Wendelin Wiedeking.

Überschattet von der Volksabstimmung am 3. März über die „Abzocker-Initiative“ des Kleinunternehmers Thomas Minder, stieß die Verzichtserklärung in der Schweiz auf wenig Beifall. Minder sagte, man könne nicht auf etwas verzichten, das einem nicht zustehe. Er verneige sich vor der „Empörung im Volk“. Der Wirtschaftsdachverband „Economiesuisse“ begrüßt die Entscheidung. Ein sofortiger Verzicht wäre aber von Vorteil gewesen, sagte dessen Direktor Pascal Gentinetta.

Unter den Politikern fand FDP-Präsident Philipp Müller, auch der Verzicht sei ein Beleg für das Versagen der bestehenden Strukturen und für einen „dringenden Handlungsbedarf“. Hingegen nannte Christoph Darbellay, Parteipräsident der christlich orientierten CVP, die Entscheidung von Vasella „ein Zeichen der Größe“. Die SVP als wählerstärkste Partei des Landes äußerte sich nicht. Der Anwalt Hans-Jacob Heitz hält nach eigenen Worten ungeachtet der Verzichtserklärung an seiner Strafanzeige gegen Novartis und Vasella fest. (Siehe Kommentar Seite 16.)

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mainz 05 Widerstandsfähigkeit für Europa

In der kommenden Saison bestreitet Mainz 05 erstmals Gruppenspiele in der Europa League. Die Testspielniederlage gegen Vorjahressieger FC Sevilla ist Auftakt der Vorbereitung auf unbekannte Herausforderungen. Mehr Von Daniel Meuren, Mainz

29.07.2016, 15:56 Uhr | Sport
Brexit trotz EU-Förderung Das merkwürdige Seebad Blackpool

Blackpool an der Nordwestküste Großbritanniens - rund zwei Drittel haben hier für den EU-Austritt gestimmt, obwohl die Stadt seit Jahren EU-Finanzmittel in beträchtlicher Höhe bezieht. Mehr

30.07.2016, 01:22 Uhr | Wirtschaft
Olympische Spiele Tennis-Star Roger Federer fällt für Rio aus

Das olympische Tennisturnier in Rio des Janeiro muss ohne einen seiner größten Stars auskommen. Der Schweizer Roger Federer muss wegen gesundheitlichen Problemen passen. Dabei ist seine Beziehung zu den Spielen eine ganz besondere. Mehr

26.07.2016, 21:15 Uhr | Sport
Berlin Gabriel will gegen Gerichtsentscheid zu Supermarktfusion vorgehen

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat sich gegen gerichtliche Kritik an seinem Vorgehen beim Fusionsvorhaben der Supermarkt-Ketten Edeka und Kaiser’s Tengelmann verteidigt und rechtliche Schritte gegen den Gerichtsentscheid angekündigt. Mehr

29.07.2016, 23:00 Uhr | Wirtschaft
BBC-Serie Sein Name ist Poldark, Ross Poldark

Ein altmodischer Held macht sich frei: Die BBC-Serie Poldark erzählt vom Schicksal eines Kriegsheimkehrers vor zweihundert Jahren. Aidan Turner gibt dabei eine so gute Figur ab, dass er als neuer James Bond gehandelt wird. Mehr Von Ursula Scheer

26.07.2016, 16:49 Uhr | Aktuell

Credit Suisse im Sturzflug

Von Johannes Ritter, Zürich

Das Misstrauen der Investoren ist groß. Der kleine Gewinn vermag sie nicht zu beruhigen. Auch die Strategien des neuen Spitzenmanns Tidjane Thiam bleiben umstritten. Mehr 1 5

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden