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Schulte ist neuer Chef Fraport vollzieht Wachwechsel

20.03.2009 ·  Auch unter der Führung des neuen Fraport-Chefs Stefan Schulte forciert der Frankfurter Flughafenbetreiber seine Expansion und stemmt sich gegen die Folgen der Wirtschaftskrise: Zuerst kommt die Modernisierung und dann vielleicht eine Einkaufstour in China.

Von Ulrich Friese
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Von Amtsmüdigkeit ist bei Wilhelm Bender nichts zu spüren. Der scheidende Vorstandsvorsitzende des Flughafenbetreibers Fraport, der das Zepter Anfang September an seinen Stellvertreter Stefan Schulte übergibt, präsentierte sich vor wenigen Tagen noch kämpferisch und voller Tatendrang. „Wir sondieren den Einsteig bei zwei Flüghäfen in China und prüfen die Objekte, die beim britischen Konkurrenten BAA zum Verkauf stehen“, kündigte er bei Bilanzvorlage Anfang März an. Neben der zügigen Expansion ins Ausland will das Management die Position des größten Flughafen-Betreibers in Deutschland gegenüber den europäischen Wettbewerbern sichern.

„Wir investieren zwischen 2007 und 2015 insgesamt 7 Milliarden Euro in die Modernisierung des Frankfurter Flughafens“, sagte Bender. Wobei mit dem prestigeträchtigen Vorhaben beizeiten sein - seit April 2007 amtierender - Stellvertreter Schulte betraut wurde. „Frankfurt und Rhein-Main müssen ein ökonomisches Kraftzentrum im Wettbewerb der europäischen Regionen bleiben“, lautete dabei das Credo des designierten Fraport-Chefs.

Ausbau trotz rückläufigen Passagier- und Frachtvolumens

Gemessen am Passagiervolumen, rangiert der Frankfurter Groß-Flughafen mit jährlich 52 Millionen Fluggästen an dritter Position in Europa. Die vorderen Plätze besetzen seit Jahren London-Heathrow mit fast 70 Millionen und Paris mit rund 58 Millionen Passagieren pro Jahr. Die Flughafenbetreiber in beiden Ländern drückten in jüngster Zeit bei der Expansion aufs Tempo, um ihre Engpässe bei den Kapazitäten zu beseitigen

Die Führung von Fraport geriet so in Zugzwang und legte vor wenigen Wochen ebenfalls ihr Fundament für künftiges Passagierwachstum. Fast zeitgleich mit der Ankündigung der britischen Regierung, dem Hauptstadt-Flughafen Heathrow endlich eine dritte Start- und Landebahn zu genehmigen, verkündete auch der Betreiber aus Frankfurt, in eine neue Flughafenpiste zu investieren, die ab 2011 startbereit sein soll.

Mit dem Bau der „Landebahn Nordwest“ soll sich die Zahl der Flüge am Flughafen in Frankfurt von bisher 83 auf 126 je Stunde erhöhen. Das Projekt ist bei Anwohnern und Umweltschützern wegen der befürchteten Lärmbelästigung oder Klimaschäden höchst umstritten, wenngleich der lokale Widerstand längst nicht die Ausmaße des vor Jahren stark bekämpften Baus der „Startbahn West“ erreicht.

Den Gegnern des Ausbaus spielt dabei in die Hände, dass Fraport die Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise spürt und für die nächsten Monaten mit weiterem Passagierschwund sowie rückläufigem Frachtvolumen rechnet. Frühestens im Frühjahr 2010 dürfte sich das Geschäftsklima verbessern und die Luftfahrt an die gewohnten Zuwächse der vergangenen Jahre anknüpfen, teilte Bender seinen Aktionären mit.

Bender hat Fraport mit harter Hand geführt

Für seinen Nachfolger ist die vorübergehende Konjunkturschwäche kein Anlass, den Ausbau des Frankfurter Flughafens zu verzögern oder gar Abstriche an den ursprünglichen Plänen vorzunehmen: „Der Bedarf für den Ausbau ist eindeutig gegeben“, stellte Schulte vor seiner gestrigen Beförderung klar. Für den frisch nominierten Chef geht es mit dem Ausbau von Fraport in erster Linie darum, die „Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Luftfahrtstandortes Deutschland zu sichern“.

Schließlich dürfte der Groß-Flughafen Frankfurt, der seit Jahren die Heimatbasis der Lufthansa ist, mit seinen 7.3000 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern in Deutschland gehören. Dabei nimmt in der Wirtschaftsregion Rhein-Main der Betreiber Fraport mit seinen mehr als 19000 Mitarbeitern vor Ort die Position der fünftgrößten Arbeitsstätte ein - hinter seinem Großkunden Lufthansa, Bahn, Deutsche Post und dem Handelskonzern Rewe.

Fraports solide Basis im nationalen wie europäischen Vergleich hatte der langjährige Konzernlenker Bender geschaffen. Er übernahm Anfang 1993 die Führung das damaligen Staatsunternehmens, das im Jahr zuvor einen Verlust von damals 28 Millionen D-Mark ausweisen musste.

Mit harter Hand merzte Bender die chronischen Verlustbringer im Konzern aus, setzte auf wachstumsträchtige Geschäftsfelder wie Immobilienvermietung und Bodenverkehrsdienste und baute das Kerngeschäft durch lukrative Beteiligungen an ausländischen Flughäfen aus. Zu den erfolgreichen Engagements des börsennotierten Betreibers gehören die Flughäfen im peruanischen Lima oder im türkischen Antalya, die stattliche Gewinne abwerfen oder hohe Zuwachsraten beim Passagier- und Frachtvolumen erreichen.

China und Großbritannien als nächste Stationen

Als peinlicher Missgriff erwies sich indessen Benders Entscheidung, Fraport bei einem Flughafenprojekt in Manila zu beteiligen. Der geplante Bau und Betrieb eines Terminals an dem internationalen Groß-Flughafen geriet zum teuren Fiasko, nachdem die dortige Regierung wegen strittiger Verträge die nötige Betriebserlaubnis verweigerte und das Terminal beschlagnahmte.

Die finanziellen Folgen dieses Engagements sind heute weitgehend verkraftet. Stattdessen forciert Bender die Expansion im Ausland und kann sich dabei auf die Geschäftserfolge der Konzernbereiche Handel und Immobilien stützen. Obwohl beide Sparten im vergangenen Geschäftsjahr nur knapp ein Viertel der Konzernerlöse beitrugen, steuerten sie mehr als die Hälfte zum operativen Gewinn des Mutterkonzerns bei.

Mit eigenen Mitteln oder durch frisches Kapital von der Börse scheint Fraport gut gerüstet, falls sich günstige Einkaufsmöglichkeiten im Ausland ergeben. Rechtzeitig vor dem gestern vollzogenen Wachwechsel bei Fraport deutete Bender China und Großbritannien als die nächsten Stationen für Fraports Einkaufstour an.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft.

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