http://www.faz.net/-gqe-75dvu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 29.12.2012, 13:59 Uhr

Schuco Von der Tanzmaus zum Modellauto

Der Modelhersteller Schuco ist 100 Jahre alt und bringt Sammleraugen nach wie vor zum Funkeln. Der schweigsame Partner der Automobilindustrie kann auf eine starke Karriere zurückblicken.

von
© ddp images/dapd/Lennart Preiss Ein Renner: das Schuco-Modell eines Silberpfeils von Mercedes-Benz

Spielzeugfreund, Autobegeisterter und Geheimniskrämer - wer als Konstrukteur beim Modellhersteller Schuco arbeitet, trägt mindestens diese drei Eigenschaften in sich. Dass Begeisterung am Spiel und am Auto nötig sind, wenn das Entwerfen und Fertigen von Miniaturfahrzeugen in den Maßstäben 1:8, 1:43 oder 1:87 zum Beruf gehören, liegt nahe. Verschwiegenheit steht im Kontrast zur Euphorie, mit der Tausende Väter und Großväter über die Spielzeugmarke schwärmen, die in diesem Jahr seit 100 Jahren besteht.

Timo Kotowski Folgen:

Für die Heimlichtuerei sind andere Autobegeisterte verantwortlich. Es sind die Produzenten der großen Vorbilder von Mercedes, Porsche und Volkswagen. Sie wollen das Aussehen ihrer künftigen Modelle möglichst lange verbergen, Neuwagenkäufern aber schon am ersten Abholungstag eine Miniatur als Beigabe bieten. Für die kleinen Abbilder ist Schuco der schweigsame Partner.

Einst bekam der Blechspielwarenhersteller Planzeichnungen der Konzerne geschickt, heute werden CAD-Dateien nach Fürth gegeben. Welche Formen für Kotflügel oder Heckklappe eingezeichnet sind, unterliegt Geheimhaltungsvorschriften. Erst recht gibt das Unternehmen nicht preis, an welchen Miniaturen die Schuco-Kontrukteure demnächst tüfteln. Das Geschäft mit den kleinen Wagen im Auftrag großer Konzerne ist zur Säule des Unternehmens geworden. Nach Blütejahren in der Nachkriegszeit hatte Schuco eine düstere Epoche durchlitten. Seit gut zehn Jahren ist der Hersteller als Teil der Simba-Dickie-Gruppe in die sichere Spur zurückgelangt.

Mehr Sammler- als Spielzeugmarke

Für eine Generation des VW Passat baut Schuco heutzutage schon mal 200.000 Modelle in verschiedenen Lackierungen, Eigenentwicklungen starten hingegen meist mit einer Auflage von 3.000 und werden in Serien mit 1.000 Exemplaren nachproduziert. „Ein neues Modell zu entwickeln kostet viel Geld“, berichtet Heinrich Sieber. Von 1999 bis 2004 leitete er die Geschicke der Traditionsmarke und ist Liebhaber der kleinen Blechwagen geblieben.

Im fränkischen Cadolzburg hat er im Ruhestand ein Privatmuseum eingerichtet - und dafür Werte aus einem Jahrhundert Schuco zusammengetragen. Teuer ist beim Bau der kleinen Wagen nicht das 0,3 Millimeter dicke Blech, sondern die Arbeit an den Werkzeugen, die die kleinen Wagen in Form bringen. „Nur für den Fachhandel lohnt das kaum noch“, räumt Sieber ein.

Ohne die Großaufträge aus der Industrie wären nur wenige Erweiterungen des Sortiments möglich. Denn 100 Jahre nach der Gründung ist Schuco mehr Sammler- als Spielzeugmarke. Die Mini-Autos seien „Weihnachtsgeschenke, die Kinder ihren Eltern machen können“, sagt Sieber. An seltene Exponate dürfte er dabei nicht gedacht haben. Eine Sonderserie mit zwei Mercedes-Modellen in einer Holzschatulle, von der der Bayerische Rundfunk einst 150 Stück bestellte, wird auf Sammlerbörsen für 17.000 Euro gehandelt.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Volkswagen Dieselgate hin oder her - Winterkorn kassiert 7,3 Millionen

Der aktuelle Vorstandschef muss sich bei der Jahrespressekonferenz für den Abgasskandal entschuldigen. Der ehemalige Vorstandschef füllt sich ungerührt weiter sein Konto mit Zahlungen aus Wolfsburg. Mehr

28.04.2016, 10:45 Uhr | Wirtschaft
Abgasskandal Deutsche Hersteller rufen hunderttausende Autos zurück

Wegen Abgas-Unregelmäßigkeiten rufen deutsche Hersteller hunderttausende Autos zurück. Das ist die Konsequenz aus der im Zuge des VW-Skandals gestarteten Nachprüfungen bei Dieselfahrzeugen, wie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bei der Vorstellung des Abschlussberichts sagte. Betroffen sind in Europa rund 630.000 Autos von Audi, Mercedes, Opel, Porsche und Volkswagen. Mehr

22.04.2016, 19:20 Uhr | Wirtschaft
Formel 1 Angriff auf Mercedes

Die neuen Konstruktionsregeln der Formel 1 sollen die Dominanz der Silberpfeile brechen. Statt der Deutschen aber ist eher ein anderer in der Gefahr, überholt zu werden. Mehr Von Anno Hecker und Christoph Becker, Sotschi

29.04.2016, 19:56 Uhr | Sport
Fahrbericht Infiniti Q30

Infiniti? Nie gehört. Obwohl der Nissan-Ableger schon 27 Jahre alt ist, kennen zu wenige die Marke. Das sollte sich ändern. Der von uns gefahrene Q30 ist ein feines Auto mit Mercedes-Genen. Mehr

26.04.2016, 10:29 Uhr | Technik-Motor
Auto China 2016 Der Kunde ist ein größerer König

In China werden gut 20 Millionen Neuwagen im Jahr verkauft. Auf dem größten und wichtigsten Markt der Welt geben sich alle Hersteller besondere Mühe. Sind die Autos zu klein, werden sie eben verlängert. Mehr Von Boris Schmidt

02.05.2016, 10:10 Uhr | Technik-Motor

Was Trillerpfeifen übertönen

Von Dietrich Creutzburg, Berlin

Wem gehört der Produktivitätsfortschritt? Verdi und IG Metall lassen für Rentner nichts übrig. Mehr 12 26


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Ungleichheit Norwegens Staatsfonds geht gegen überhöhte Managergehälter vor

Der weltgrößte Staatsfonds will bald Prinzipien zu einer angemessenen Bezahlung für Top-Manager vorstellen. Die Institution ist an mehr als 9000 Unternehmen beteiligt. Mehr 44

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“