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Schuco Von der Tanzmaus zum Modellauto

Der Modelhersteller Schuco ist 100 Jahre alt und bringt Sammleraugen nach wie vor zum Funkeln. Der schweigsame Partner der Automobilindustrie kann auf eine starke Karriere zurückblicken.

© ddp images/dapd/Lennart Preiss Vergrößern Ein Renner: das Schuco-Modell eines Silberpfeils von Mercedes-Benz

Spielzeugfreund, Autobegeisterter und Geheimniskrämer - wer als Konstrukteur beim Modellhersteller Schuco arbeitet, trägt mindestens diese drei Eigenschaften in sich. Dass Begeisterung am Spiel und am Auto nötig sind, wenn das Entwerfen und Fertigen von Miniaturfahrzeugen in den Maßstäben 1:8, 1:43 oder 1:87 zum Beruf gehören, liegt nahe. Verschwiegenheit steht im Kontrast zur Euphorie, mit der Tausende Väter und Großväter über die Spielzeugmarke schwärmen, die in diesem Jahr seit 100 Jahren besteht.

Für die Heimlichtuerei sind andere Autobegeisterte verantwortlich. Es sind die Produzenten der großen Vorbilder von Mercedes, Porsche und Volkswagen. Sie wollen das Aussehen ihrer künftigen Modelle möglichst lange verbergen, Neuwagenkäufern aber schon am ersten Abholungstag eine Miniatur als Beigabe bieten. Für die kleinen Abbilder ist Schuco der schweigsame Partner.

Einst bekam der Blechspielwarenhersteller Planzeichnungen der Konzerne geschickt, heute werden CAD-Dateien nach Fürth gegeben. Welche Formen für Kotflügel oder Heckklappe eingezeichnet sind, unterliegt Geheimhaltungsvorschriften. Erst recht gibt das Unternehmen nicht preis, an welchen Miniaturen die Schuco-Kontrukteure demnächst tüfteln. Das Geschäft mit den kleinen Wagen im Auftrag großer Konzerne ist zur Säule des Unternehmens geworden. Nach Blütejahren in der Nachkriegszeit hatte Schuco eine düstere Epoche durchlitten. Seit gut zehn Jahren ist der Hersteller als Teil der Simba-Dickie-Gruppe in die sichere Spur zurückgelangt.

Mehr Sammler- als Spielzeugmarke

Für eine Generation des VW Passat baut Schuco heutzutage schon mal 200.000 Modelle in verschiedenen Lackierungen, Eigenentwicklungen starten hingegen meist mit einer Auflage von 3.000 und werden in Serien mit 1.000 Exemplaren nachproduziert. „Ein neues Modell zu entwickeln kostet viel Geld“, berichtet Heinrich Sieber. Von 1999 bis 2004 leitete er die Geschicke der Traditionsmarke und ist Liebhaber der kleinen Blechwagen geblieben.

Im fränkischen Cadolzburg hat er im Ruhestand ein Privatmuseum eingerichtet - und dafür Werte aus einem Jahrhundert Schuco zusammengetragen. Teuer ist beim Bau der kleinen Wagen nicht das 0,3 Millimeter dicke Blech, sondern die Arbeit an den Werkzeugen, die die kleinen Wagen in Form bringen. „Nur für den Fachhandel lohnt das kaum noch“, räumt Sieber ein.

Ohne die Großaufträge aus der Industrie wären nur wenige Erweiterungen des Sortiments möglich. Denn 100 Jahre nach der Gründung ist Schuco mehr Sammler- als Spielzeugmarke. Die Mini-Autos seien „Weihnachtsgeschenke, die Kinder ihren Eltern machen können“, sagt Sieber. An seltene Exponate dürfte er dabei nicht gedacht haben. Eine Sonderserie mit zwei Mercedes-Modellen in einer Holzschatulle, von der der Bayerische Rundfunk einst 150 Stück bestellte, wird auf Sammlerbörsen für 17.000 Euro gehandelt.

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