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Schon erste leere Regale Milch-Engpässe in Deutschland

03.06.2008 ·  Rund eine Woche nach dem Beginn des Milch-Lieferboykotts ist es in einigen Läden des Discounters Plus und einigen Real-Märkten zu ersten Engpässen gekommen. Die Milchindustrie warnt: Ab Mittwoch werde dem Handel die Milch ausgehen.

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Rund eine Woche nach dem Beginn des Milch- Lieferboykotts ist es in einigen Läden zu ersten Engpässen gekommen. Betroffen waren am Dienstag unter anderem einige Real-Märkte, wie eine Sprecherin der zur Metro-Gruppe gehörenden Kette erklärte. Es handele sich aber um Schwierigkeiten in einzelnen Regionen und Märkten, nicht um großflächige Probleme.

Betroffen waren auch Geschäfte des drittgrößten deutschen Discounters Plus. In einzelnen der rund 2900 deutschen Filialen des Discounters sei es zu „punktuellen Ausfällen“ bei einzelnen Milchprodukten gekommen, sagte eine Sprecherin der Tengelmann-Tochter am Dienstag in Mülheim/Ruhr. „Wenn der Lieferboykott ausgeweitet wird, kann es zu schrumpfenden Beständen kommen“, so die Sprecherin. Dies sei jedoch auch vom Verhalten der Verbraucher abhängig.

Am Mittwoch „Schicht“

Zuvor hatte die Milchindustrie schon gewarnt, dem deutschen Handel werde in den nächsten Tagen die Milch ausgehen. Spätestens am Mittwoch sei „Schicht“, sagte der Geschäftsführer des Milchindustrieverbandes, Eckhard Heuser, der „Financial Times Deutschland“. Die Lieferengpässe bei frischer Milch und H-Milch nähmen stündlich zu. Die Branche erwarte, dass die Milchbauern nach ihren bisherigen Protestaktionen bei Molkereien in den kommenden Tagen auch die Großlager des Handels blockierten, hieß es in dem Bericht. Der Milchindustrieverband vertritt Milchverarbeiter wie etwa Nordmilch oder Humana, die von den Lieferungen der Milchbauern abhängig sind.

„Wenn es mit der Blockade so weitergeht bei den Molkereien, dann könnte es schon eng werden“, sagte auch der Geschäftsführer des Milchindustrieverbandes, Matthias Brandl, am Dienstag im ZDF. Er räumte ein, dass der vom Bundesverband der Milchviehhalter (BDM) geforderte Mindestpreis von 43 Cent pro Liter je nach Hof mehr oder weniger gerechtfertigt sei.

„Jetzt muss einzeln verhandelt werden“

Ein erstes Treffen zwischen Spitzenvertretern der Bauern und des Lebensmittelhandels zu den Boykottaktionen der Milchbauern war am Montagabend in Köln kommentarlos zuende gegangen. Es werde keine Stellungnahme von den Beteiligten geben, sagte Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, im Anschluss.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) geht davon aus, dass Molkereien und Einzelhandel
unverzüglich mit Preis-Nachverhandlungen beginnen werden. „Jetzt muss einzeln verhandelt werden“, sagte der DBV-Sprecher Michael Lohse am Montagabend nach dem Gespräch in Köln. „Die Situation ist klar. Die Molkereien müssen jetzt auf die einzelnen Handelsunternehmen zugehen.“

Einzelhandel signalisierte Gesprächsbereitschaft

Der Einzelhandel hatte angesichts des sich weiter verschärfenden Boykotts der Milchbauern zuvor schon Gesprächsbereitschaft signalisiert. So zeigt sich Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe für Verhandlungen offen. Noch hätten die Lieferanten das Gespräch aber nicht gesucht, sagte ein Sprecher am Montag.

Der Kampf der Milchbauern für höhere Preise hatte sich zuvor weiter zugespitzt: Am Montag blockierten wütende Landwirte zahlreiche Großmolkereien und verhinderten so die Anlieferung der Rohmilch und die Auslieferung von Frischmilch, Käse und Quark. Polizisten räumten Straßensperren. Eine blockierte Molkerei in Mecklenburg erstattete Anzeige gegen Milchbauern. Sie wirft den Bauern Nötigung und schwere Eingriffe in den Straßenverkehr vor, wie die Staatsanwaltschaft Schwerin bestätigte. Ärger droht den Milchbauern auch vom Bundeskartellamt. Es prüft, ob der Boykottaufruf rechtswidrig ist.

Die protestierenden Bauern haben die Blockaden von Molkereien am Dienstag zum Teil wieder aufgelöst. Andere Betriebe wurden aber weiter von der Milchlieferung abgeschnitten, etwa Europas größte Molkerei Sachsenmilch in Leppersdorf bei Dresden. Einige Betriebe mussten die Produktion einstellen, darunter die rheinland-pfälzischen Großmolkereien Hochwald und Milch-Union Hocheifel (MUH).

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