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Schokoladensortiment : Die Schokolade wird öko, bitter und gesund

„Der Hype ist da. Er geht auch wieder zurück, wenn auch nie ganz“, glaubt Ritter-Sport-Manager Thomas Seeger. Limitiert werden die Hersteller durch die Anbauflächen. Rund fünf Prozent der Kakaoernte eignet sich für die gute Schokolade. Neue Anbaugebiete wachsen nur langsam nach. Eine Kakaopflanze braucht fünf Jahre, bis sie zum ersten Mal geerntet werden kann. Dann könnte der Premiumtrend schon wieder vorbei sein. Denn unterdessen macht sich schon eine neue Entwicklung breit: die gesunde Schokolade. Vorreiter ist hier der Produzent Barry Callebaut. Dessen Chief Innovation Officer Hans Vriens zieht zur Zeit durch die Länder, um die Idee einer Schokolade zu propagieren, die gut schmeckt und auch noch gesund ist.

Seit einiger Zeit testet Barry Callebaut Acticoa-Schokolade. Die Tafeln enthalten mehr Polyphenole als das normale Produkt. Polyphenole gelten als wahre Wundermittel: Sie wirken entzündungshemmend und krebsvorbeugend, einige schützen Körperzellen vor freien Radikalen und verlangsamen die Zell-Oxydation. Sie vermindern die Fettablagerungen in den Blutgefäßen und beugen damit der Arteriosklerose vor. Polyphenole sind jene Stoffe, die Rotwein den Ruf verleihen, gesund zu sein. Die Acticoa-Schokolade gehört in die Kategorie functional food. Das sind Lebensmittel mit gesundheitsfördernden Zusätzen. Vriens glaubt fest dran: „Funktionale Nahrung nimmt im Moment zwei Prozent auf den Supermarktregalen ein. In zehn Jahren werden das 20 Prozent sein.“

Bald zuckerfreie Schokolade?

„Zurück zur Kakaobohne“ heißt das unter Marketing-Gesichtspunkten extrem pfiffige Programm, das Barry Callebaut gestartet hat. Die Polyphenole werden nicht extra ergänzt, sondern in einem schonenden Herstellungsprozeß bewahrt. Das Gute der Bohne soll erhalten bleiben. Vriens glaubt auch an die glorreiche Zukunft von fett- und zuckerreduzierter Schokolade, was angesichts von global 1,6 Milliarden Fettleibigen nicht mehr abwegig erscheint. Mit neuen Produktionstechniken könne es gelingen, eine Diätschokolade herzustellen, die nicht nach Diätschokolade schmeckt.

Der erste Schritt ist bereits erreicht: Eine um 30 Prozent Zucker reduzierte Schokolade läßt sich nicht vom Klassiker unterscheiden, wie der ehemalige Marketing-Manager von Red Bull hartnäckig zu beweisen trachtet: Er zieht mit kleinen Plastikdöschen voller Schokostückchen von Gesprächpartner zu Gesprächspartner und läßt sie testen. Die einen Schokostücke sind normal, die anderen zuckerreduziert. Der Unterschied ist tatsächlich kaum wahrnehmbar. Technisch möglich ist bald eine Reduzierung um 60 Prozent, behauptet Vriens. Die 100 Prozent zuckerfreie Tafel ist gar nicht das Ziel. Aber Zweifel bleiben. Wollen die Kunden das überhaupt? Gesunde kalorienreduzierte Schokolade? Nachdem die Diät-Sorten global gerade 1,6 Prozent Marktanteil auf sich vereinigen?

Ja, glaubt Vriens. „Das Beispiel Kaugummi zeigt: Gesunde Schokolade kann man verkaufen, wenn man es richtig macht.“ Vor wenigen Jahren noch waren Kaugummis ohne Zucker die Ausnahme. Als Diätsüßwaren ließen sie sich nicht vermarkten. Heute sind vier von fünf Kaugummis zuckerfrei. Vermarktet wurden die Produkte nicht als Diätsüßigkeiten, sondern als zahnfreundliche Kaugummis. Das fressen die Kunden. Der Markt ist riesig, glaubt Barry Callebaut. Doch nichts im Vergleich zu den Chancen in China. Der Schweizer nimmt jährlich zehn Kilogramm Schokolade zu sich, der Chinese nur 50 Gramm. Das muß nicht so bleiben.

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