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Schönefeld vor dem Richtfest Ein Flughafen, damit Berlin mal rauskommt

Der neue Berliner Flughafen in Schönefeld feiert Richtfest. Beliebt ist er nicht. Zu weit draußen, schlecht erreichbar, zu teuer - so lauten die Vorwürfe. Doch er ist besser als sein Ruf.

© dpa Vergrößern Blick auf die Baustelle des künftigen Hauptstadt-Flughafens in Schönefeld

Jetzt sorgt Schönefeld auch noch für Streit unter den Taxifahrern. Fast hätten sich die Berliner Fahrer und die aus dem Umland geprügelt. Am alten Flughafen dürfen sich die Taxis aus der Region gleich im vorderen Bereich der Schlange einordnen, die Berliner erst dahinter. Sie warten manchmal mehr als eine Stunde auf neue Gäste. Schreiend ungerecht finden sie das.

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Es ist eine weitere, bizarre Episode im schier endlosen Streit um den Flughafen Schönefeld. Meist entzündet sich der Ärger aber am neuen Airport, der gerade drei Kilometer südlich vom alten gebaut wird und kommende Woche Richtfest feiert. Berlin Brandenburg International (BBI) wird er derzeit genannt, später soll er den Namen des ehemaligen Bürgermeisters und Bundeskanzlers Willy Brandt tragen. Im Oktober nächsten Jahres geht der Großflughafen in Betrieb. Und wird dann den derzeit größten Flugplatz der Hauptstadt in Tegel sowie das alte Terminal in Schönefeld ersetzen.

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Die Baustelle ist derzeit eines der größten Infrastrukturprojekte Europas. Mehr als drei Milliarden Euro werden am Ende dort verbaut sein. Die Kosten halten sich im vorgegebenen Rahmen - selten für ein öffentlich gebautes Großprojekt. Zwei Drittel der Aufträge gehen an lokale Baufirmen, Schönefeld hat dadurch die größten Steigerungen bei der Gewerbesteuer in ganz Deutschland. 40 000 zusätzliche Arbeitsplätze werden dauerhaft geschaffen.

Infografik / Karte / Flughafen Berlin Brandenburg 1 © F.A.Z. Vergrößern

Geliebt wird der neue Großflughafen trotzdem nicht. Auch die Berufung auf den ewig populären Willy Brandt hat nicht verhindert, dass der Bau zum Hassobjekt der Bürger geworden ist. Die West-Berliner haben Tegel in ihr Herz geschlossen. In den Zeiten der Teilung war der Flughafen das Tor zur freien Welt. Vom westlichen Zentrum rund um den Kurfürstendamm liegt er unschlagbar nahe zehn Kilometer entfernt, Schönefeld hingegen 25.

Mehr als 100.000 Menschen wohnen in oder nahe den Einflugschneisen

Der zweite Flughafen im Westen, Tempelhof, ist das Symbol für das Überleben während der russischen Blockade nach dem Krieg. Hier landeten die legendären "Rosinenbomber", die Lebensmittel in die hungernde Stadt brachten. Und was ist Schönefeld? Irgendwie immer noch der Regierungsflughafen der verhassten DDR-Kommunisten irgendwo weit draußen in Brandenburg. Und so ein Provinzflugplatz soll nun zum Flughafen für alle werden? Undenkbar für einen echten Wessi. Tegel hätte doch auch gereicht in der Zukunft, denkt der West-Berliner.

Die Brandenburger im Süden der Stadt sind auch nicht glücklich. Sie wehren sich sogar vehement gegen den Flughafen vor ihrer Haustür und haben dazu etliche Bürgerinitiativen gegründet. Mehr als 100.000 Menschen werden künftig vom Lärm der Flugzeuge genervt. Sie wohnen in oder nahe den Einflugschneisen der beiden Start- und Landebahnen. Der Wert ihrer Häuser ist schon gefallen, den Lärm bekommen sie künftig noch obendrauf.

Für 335 andere Menschen sind das Banalitäten. Sie haben ihr Zuhause ganz verloren. Denn sie wohnten im Dorf Diepensee, das sich mitten auf dem Gelände des künftigen Flughafens befand. Sie wurden wenige Kilometer umgesiedelt und bekamen neue Häuser. Nur der Dorfteich ist heute noch auf der Baustelle zu erkennen.

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