Der Verkaufsprozess der zusammengebrochenen Drogeriemarktkette Schlecker könnte sich länger hinziehen als geplant. Ursprünglich wollte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bis Pfingsten einen neuen Investor präsentieren. „Aufgrund der großen Anzahl an Kündigungsschutzklagen setze ich jedoch ein großes Fragezeichen dahinter“, sagte Geiwitz den „Stuttgarter Nachrichten“.
„Die Betriebsfortführung durch den Insolvenzverwalter könnte länger als geplant ohne Investor laufen, um die ersten Instanzen durchzufechten.“ Geiwitz zufolge haben alle vier Investoren, die derzeit die Büchern prüfen, inzwischen ein unverbindliches Angebot abgegeben.
Chancen für eine Mehrheitsbeteiligung von Lars und Meike Schlecker, den Kindern des Firmengründers Anton Schlecker, sieht der Insolvenzverwalter im künftigen Unternehmen nicht mehr. „Höchstens für eine Beteiligung von unter 25 Prozent“, machte er deutlich.
Geiwitz kündigte zudem eine Preisoffensive an, um die Umsätze anzukurbeln. „In den nächsten Monaten werden wir in den Filialen massiv die Preise senken“, sagte er. Derzeit lägen die Umsätze deutlich unter dem Vergleichswert des Vorjahres. „Natürlich sind wir aktuell noch im Minusbereich, da wir von einer Auslieferungsquote von 45 Prozent kommen und die Regale und Läger wie leer gefegt waren“, sagte Geiwitz.
Hintergrund sei, dass einige Lieferanten als Vorsichtsmaßnahme ihre Lieferungen, die ja nunmehr unversichert sind, begrenzt hätten. „Durch die Schließung der Läden haben die Lieferanten ihre Auslieferungsmenge jedoch nicht gekürzt, so dass wir pro Filiale jetzt mehr Waren zur Verfügung haben“, merkte er an.
Im März konnte die insolvente Drogeriekette nach einem Bericht des „Focus“ mit ihrem Ausverkauf den Umsatz kurzfristig um rund zehn Prozent steigern. Mehr als die Hälfte des gesamten Umsatzes habe Schlecker in diesem Monat mit Sonderangeboten gemacht. Normalerweise liege der Anteil zwischen 25 und 35 Prozent. Ende März haben bundesweit mehr als 2000 Schlecker-Filialen geschlossen.
