Das Beratungs- und Investmenthaus Droege International Group hat nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein schriftliches Gebot für die insolvente Schlecker-Gruppe abgegeben. Eine entsprechende Nachfrage in der Düsseldorfer Droege-Zentrale wurde bestätigt, ohne dass weitere Einzelheiten genannt wurden. Es sollen bereits intensive Gespräche mit dem Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz geführt worden sein.
Die Düsseldorfer Interessenten sind fest davon überzeugt, dass Schlecker einen interessanten, ausbaufähigen Kern besitzt, heißt es. Allerdings habe die Drogeriemarktkette bisher über eine viel zu große Zahl an Filialen verfügt, die sich zum Teil sogar untereinander Konkurrenz gemacht hätten. Mit einem deutlich geschrumpften Netz habe Schlecker Chancen für eine erfolgreiche Neuausrichtung, und zwar auch dort, wo die kleineren Filialen auf dem Land der Nahversorger für die Bevölkerung seien.
„Im Moment ist die Höhe des Kaufpreises entscheidend“
Ein Sprecher des Insolvenzverwalters erklärte am Freitag, dass derzeit mit fünf Interessenten gesprochen werde. Dabei handele es sich um Finanzinvestoren und um Unternehmen mit Erfahrungen im Handelssektor. Die Namen der anderen Bieter sind bislang noch unbekannt.
Den Zuschlag für Schlecker soll nach derzeitigem Stand der Investor mit dem höchsten Angebot erhalten. „Im Moment ist die Höhe des Kaufpreises entscheidend“, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters. Es komme auf das beste Angebot an, das gleichwohl die Interessen der Gläubiger wahrt und die Sicherung der Arbeitsplätze im Fokus hat. Zu hören ist ferner, dass der Käufer für die frühere Nummer eins der Drogeriemarktbranche bis Pfingsten gefunden sein soll. Dieser muss dann allerdings noch die Zustimmung der Gläubiger finden.
Drohende Kündigungsschutzklagen kein großes Problem
Der Insolvenzverwalter hat inzwischen schon das früher rund 5400 Läden umfassende Netz auf etwas mehr als 3000 Filialen geschrumpft. Rund 11200 Mitarbeiter haben nach dem Scheitern einer Transfergesellschafts-Lösung die Kündigung erhalten. Dass nun Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter drohen, wird bei Droge offenbar nicht als allzu großes Problem empfunden, da im Einzelhandel derzeit insbesondere in den Ballungszentren eine Fülle von offenen Stellen zu besetzen und die geschlossenen Filialen breit über die Republik verstreut sind.
Zum erforderlichen Finanzierungsvolumen ist noch nichts Konkretes bekannt. Angesichts der Größe des Unternehmens dürfte es um einen dreistelligen Millionenbetrag gehen. Unter Umständen ist Droege auch offen dafür, die Kinder des Firmengründers, Meike und Lars Schlecker, mit ins Boot zu nehmen. Diese hatten Überlegungen angestellt, mit Unterstützung eines Investors das Unternehmen zurückzukaufen. Die Düsseldorfer haben bei verschiedenen Unternehmensbeteiligungen noch Altgesellschafter an Bord und damit offenbar gute Erfahrungen gemacht.
Der Ansatz: ein langfristig orientiertes Engagement
Schlecker wäre nicht das größte Investment im breit gestreuten Beteiligungsportfolio von Droege International. Im vergangenen Jahr hatte die Gruppe beispielsweise den größten Personaldienstleister Österreichs, die Trenkwalder International AG, mit rund 70.000 Mitarbeitern übernommen. Zur Gruppe gehört zudem eine Mehrheitsbeteiligung an der schweizerischen Also-Actebis, dem drittgrößten Handels- und Logistikunternehmen für IT, Telekommunikation und Konsumelektronik in Europa.
Die Beratungs- und Investment-Gruppe wurde 1988 von Walter Droege als Unternehmensberatung mit dem Anspruch „Umsetzung von Strategien“ gegründet. Sie gehört noch immer zu hundert Prozent dem auf der Liste der hundert wohlhabendsten Deutschen stehenden Gründer und seiner Frau. Die Investmentgesellschaft der Gruppe investiert stark in mittelständische Unternehmen und entwickelt sich eigenen Angaben zufolge zu einer Industrie-Holding für Strategie und Finanzen. Bei den Engagements wird ein langfristig orientierter Ansatz verfolgt. Gekauft werden Unternehmen, die in besonderen Situationen wie Konzernabspaltungen oder Nachfolgeregelungen stecken, oder mittelständische Unternehmen mit Entwicklungspotential.
Für die Zukaufspläne stehen dreistellige Millionenbeträge an Eigenkapital je Transaktion zur Verfügung. Da die Holding ausschließlich mit Eigenkapital finanziert ist, sind nach eigener Darstellung auch größere Transaktionen kurzfristig umsetzbar. Das bilanzielle Eigenkapital erreichte im vergangenen Jahr rund 750 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote wird mit rund 98 Prozent angegeben. Bei einem Konzernumsatz von rund 7,3 Milliarden Euro wurde zuletzt ein operatives Ergebnis von rund 290 Millionen Euro erwirtschaftet.
Gute Ansätze
Uwe Holz (uwe.holz)
- 06.04.2012, 09:43 Uhr
Ein geschrumpfter Schlecker
Gerhart Hase (LetzterHase)
- 05.04.2012, 09:12 Uhr
Interessant
Stefan Derrick (stefan.derrick)
- 04.04.2012, 22:47 Uhr
