11.07.2005 · Das Präsidium des Aufsichtsrates von Volkswagen entscheidet am Mittwoch über das Rücktrittsangebot von VW-Arbeitsdirektor Hartz. Konzernchef Pischetsrieder fürchtet um das Image des Unternehmens.
In der VW-Korruptionsaffäre hat sich Konzernchef Bernd Pischetsrieder am Montag in einem Brief erstmals direkt an die Mitarbeiter gewandt. „Volkswagen befindet sich in diesen Tagen in einer für uns alle schwierigen Situation“, heißt es in dem Schreiben, das der F.A.Z. vorliegt. Die Schlagzeilen über VW hätten „ein unerträgliches Ausmaß“ erreicht. Sie beschädigten das Image des Unternehmens, seiner Produkte und der Mitarbeiter.
Er nannte „drei Vorgänge“, die den Konzern beschäftigten: Zum einen ermittle die Staatsanwaltschaft zu einem Geflecht von Tarnfirmen, das der ehemalige Skoda-Vorstand Helmuth Schuster und ein Ex-Mitarbeiter der Personal-Abteilung, Klaus-Joachim G., „mutmaßlich aufgebaut haben sollen, um sich zu bereichern“. Dabei gebe es um Geschäfte in Indien und Angola und auch in der Tschechischen Republik.
Zweifelhafte Reise-Abrechnungen
Zweitens gehe es um die Vorwürfe gegen den ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert: „Er hat inzwischen bestätigt, daß er an einer dieser Firmen beteiligt war. Drittens geht es um Spesengelder, die einer der beiden erwähnten Mitarbeiter möglicherweise für Dinge eingesetzt hat, die wir nicht dulden können.“ G. habe im Personalwesen eine ganz besondere Vertrauensstellung gehabt. „Um dem Betriebsrat die notwendige und gesetzlich vorgesehene Freiheit bei seiner Arbeit zu geben, kam ihm die Aufgabe zu, auf Vertrauensbasis Veranstaltungen und Reisen des Betriebsrates zu organisieren. Bei seinen Abrechnungen gibt es zweifelhafte Positionen, insbesondere selbst ausgestellte Belege, die die Staatsanwaltschaft überprüfen wird.“ Zudem gebe es Vorwürfe, daß G. auch sachfremde Vorgänge organisiert und abgerechnet haben solle.
Das Präsidium des Aufsichtsrates von Volkswagen entscheidet am Mittwoch über das Rücktrittsangebot von VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz. An der Sitzung werde auch Pischetsrieder teilnehmen, sagte am Montag ein Sprecher der niedersächsischen Landesregierung. Hartz hatte im Zuge der Korruptionsaffäre um angebliche Tarnfirmen von VW-Mitarbeitern und überhöhte Spesenrechnungen von Betriebsratsmitgliedern am Freitag seinen Rücktritt angeboten.
Volkert ist raus
Der vor gut einer Woche im überraschend als Gesamtbetriebsratschef zurückgetretene Klaus Volkert ist der Landesregierung zufolge auch nicht mehr Mitglied des Aufsichtsrats-Präsidiums. An der Sitzung am Mittwoch nähmen der Vorsitzende des Kontrollgremiums und frühere VW-Chef Ferdinand Piech und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sowie für die Arbeitnehmerseite IG-Metall-Chef Jürgen Peters und der neue Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh teil, sagte der Sprecher. Offen ließ der Sprecher zunächst, ob bereits Weichen für eine Nachfolgeregelung für Hartz getroffen würden. Medienberichten vom Wochenende zufolge gibt es bei der IG Metall Überlegungen, Hartz zunächst zu beurlauben und ihn nicht sofort von seinen Aufgaben zu entbinden. Ministerpräsident Wulff hingegen hat in mehreren Interviews zu erkennen gegeben, er sei für ein sofortiges Ausscheiden von Hartz und damit für eine Annahme des Rücktrittsangebotes.
Aus Kreisen der IG Metall hieß es am Montag, es gebe Kräfte bei VW und auch beim Land Niedersachsen, die darüber nachdächten, im Konzernvorstand keinen eigenen Arbeitsdirektor mehr anzusiedeln, sondern die Aufgabe VW-Chef Pischetsrieder mit zu übertragen. Dies könne bedeuten, daß nur noch auf der Ebene der Markenvorstände ein Personalvorstand existiere. Damit solle versucht werden, den Einfluß der IG Metall zu schmälern. In Presseberichten hieß es, Wulff lehne ein Berufungsrecht der IG Metall für die Hartz-Nachfolge in jedem Fall entschieden ab.
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