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Veröffentlicht: 30.10.2013, 18:39 Uhr

Schiefergas BASF will Fracking-Test in Deutschland

Der Vorstandschef der BASF will beweisen, dass der Abbau von Schiefergas in Deutschland sicher ist. Deshalb fordert er einen Test des umstrittenen Fracking. Das könne zehn Jahre Versorgungssicherheit beim Gas bringen, sagt er. Doch nicht jeder ist so optimistisch.

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© dapd Harte Arbeit: Arbeiter bohren in einen Berg in Kansas

Der Vorstandsvorsitzende des Chemiekonzerns BASF kennt sich mit Gas aus. Kurt Bock lässt es durch eine Konzerntochtergesellschaft fördern – und sein Unternehmen verbraucht auch selbst viel Energie. Zudem ist die BASF auf der ganzen Welt tätig. Insofern sind für den Konzern aus Ludwigshafen die Energiepreise auf der ganzen Welt relevant. Eine neue Ammoniak-Anlage baut das Unternehmen deshalb lieber in den Vereinigten Staaten.

Carsten Knop Folgen:

Dort sind die Gaspreise viel niedriger als hierzulande, weil sich die Amerikaner entschieden haben, die Schiefergas-Fördertechnik mit dem Namen „Fracking“ in großem Stil anzuwenden. Dadurch erlebt Amerika derzeit einen industriellen Aufschwung. Und BASF-Vorstandschef Bock findet deshalb, dass auch Deutschland seine in tiefen Gesteinsschichten lagernden Energiereserven nicht ungenutzt lassen sollte.

Er fordert einen Test des Fracking auch in Deutschland – und schließt sich damit einer Meinung an, die sein Vorstandskollege Harald Schwager schon vor einigen Monaten in der F.A.Z. vertreten hatte. Auch eine Förderung in Deutschland schließe BASF nicht aus, sagte Bock. Nur auf diesem Weg könne unter kontrollierten Bedingungen die Sicherheit und Umweltverträglichkeit der Fördermethode gezeigt werden, sagte der Chemiemanager am Dienstag auf einer Veranstaltung des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW): „Wir würden das gerne beweisen.“

Bock: Schiefergas könnte zehn Jahre lang den gesamten Gasverbrauch in Deutschland sichern

Kritiker der Technik, bei der Wasser und Chemikalien unter Tage gepresst werden, um Gas aus dem Gestein zu lösen, befürchten allerdings massive Umweltbelastungen. Bock beurteilt diese Risiken anders und verweist darauf, dass sich mit der Nutzung von Schiefergas nach ihm vorliegenden Berechnungen zehn Jahre lang der gesamte Gasverbrauch in Deutschland sichern lasse. Zudem zeigten alle bisherigen Erfahrungen mit der Förderung von Öl oder Gas, dass man immer noch sehr viel mehr finde, wenn man erst einmal angefangen habe, bestimmte Vorkommen auszubeuten. Diese Erfahrung mache BASF mit seiner eigenen Öl- und Gasförderung durch die Tochtergesellschaft Wintershall auch selbst. Derzeit stammten nur 14 Prozent des in Deutschland verbrauchten Gases aus heimischer Förderung. „Und die Gasproduktion ist mittlerweile rückläufig“, sagte Bock, da die Bergämter angesichts der politisch aufgeladenen Fracking-Diskussion derzeit zögerten, auch nur Projekte zu genehmigen, die im Rahmen jahrzehntelang erprobter Fördertechniken ablaufen sollten.

Schon in der vergangenen Woche hatte Bock zur Vorlage der jüngsten Quartalszahlen gesagt, dass BASF 500 Millionen Euro mehr Gewinn im Jahr machen könnte, würde der größte Produktionsstandort Ludwigshafen von den Schiefergas-Preisen der Vereinigten Staaten profitieren (F.A.Z. vom 26. Oktober). Tatsächlich kostet Gas in Deutschland aber fast dreimal so viel wie in den Vereinigten Staaten. Und trotz der Befreiung von der EEG-Umlage und des konzerneigenen Energielieferanten Wintershall ist dieser Unterschied nach den Worten von Bock auch in Ludwigshafen zu spüren: „Denn wir zahlen auch konzernintern Marktpreise, höchstens mit einem kleinen Mengenrabatt.“Fracking-Methoden sind eigentlich gar nichts Neues. Sie werden in Deutschland schon seit rund 50 Jahren eingesetzt – und zwar zur Förderung von Erdgas, wobei man aber genau nach der Art der dadurch erreichten Lagerstätten unterscheiden muss. Und mit der Ausbeutung von Lagerstätten für Kohleflözgas oder eben für das Schiefergas, um das es in der aktuellen Diskussion geht, gibt es in Deutschland bislang nur vereinzelt Erfahrungen.

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Fachleute argumentieren, dass sich der Einsatz von Fracking zur Gewinnung von Schiefergas auch nicht lohne, da die Umweltgefahren im dichtbesiedelten Deutschland zu groß seien. Die meisten Sorgen kreisen dabei um die Qualität des Grundwassers. Zudem seien die Fördermengen zu gering. Bock hält dieser Argumentation die Zeitspanne von zehn Jahren autonomer Versorgungssicherheit entgegen – und wiederholt seine Warnung vor einer bevorstehenden Abwanderung der energieintensiven Industrie aus Deutschland. Immerhin: Er ist zuversichtlich, dass die Politik das Problem erkannt hat, und hofft, dass von der künftigen Regierungskoalition wenigstens das Erneuerbare-Energien-Gesetz „zukunftsfähig“ gemacht wird.

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