11.06.2009 · Der Bundesarbeitsminister und Arcandor-Betriebsräte wollen gemeinsam die Arbeitsplätze schützen. Das Unternehmen stellt Pläne für eine Fusion von Kaufhof und Karstadt infrage. Unterdessen veröffentlicht Großaktionärin Schickedanz eine persönliche Erklärung an die Mitarbeiter.
Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz hat sich über die Insolvenz des Konzerns bestürzt gezeigt. „Bis zur letzten Sekunde habe ich gehofft und gebangt, um dieses Schicksal abzuwenden“, teilte sie am Mittwoch in Fürth in einer persönlichen Erklärung mit. „Ich habe mich mit meinem gesamten Vermögen engagiert und damit nach landläufiger Auffassung weit über jedes vertretbare Maß ins Risiko begeben“, erklärte die Quelle-Erbin. „Ich habe stets zum Unternehmen gestanden und auch in schwierigsten Zeiten die Treue gehalten.“
Ihre Gedanken seien bei den Mitarbeitern und ihren Angehörigen, hieß es weiter. „Ich wünsche, dass sie ihre Arbeit behalten können und hoffe mit ihnen und ihren Angehörigen auf eine bessere Zukunft.“
Schickedanz verwies auf ihr finanzielles Engagement für den Arcandor-Konzern in den vergangenen Jahren. „Als im November 2004 das Unternehmen nur durch eine Kapitalerhöhung zu retten war, habe ich diesen Schritt selbstverständlich vollzogen. Andere haben dies damals nicht gemacht“, erklärte sie. Auch diesmal habe sie keinen Moment gezögert, zu ihrem Engagement zu stehen, „wohlwissend, dass eine Insolvenz mit weit reichenden Konsequenzen verbunden ist“, sagte Schickedanz.
„Task-Force“ für Arcandor
Arbeitnehmervertreter und Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) haben die Einrichtung einer Arbeitsgruppe beschlossen. Das Ministerium und die Bundesagentur für Arbeit (BA) wollten nach Kräften dabei helfen, die Arbeitsplätze zu sichern. Dazu wolle man in engem Kontakt bleiben. „Das war ein sehr gutes Gespräch, sehr pragmatisch, auch mit sehr verbindlichen Themen“, sagte die bei der Versandhaustochter Quelle für Nürnberg/Fürth zuständige Betriebsratsvorsitzende Beate Ulonska nach dem Treffen in Berlin. Die Koordination laufe über die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Hinzu komme die Unterstützung von zwei Staatssekretären sowie die Zusage für Hilfen wie Transfermaßnahmen und Qualifizierungsmaßnahmen, berichtete Ulonska. „Scholz hat uns auch persönlich fachliche Unterstützung zugesichert.“ Wichtig sei bei der Größe des Konzerns auch die bundesweit zentrale Anweisung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter (Konkursrecht: Insolvenz in Eigenverwaltung).
Gespräche mit Metro liegen auf Eis
Unterdessen stellt der Touristik- und Handelskonzern die Pläne für eine Fusion der Warenhausketten Kaufhof und Karstadt grundsätzlich infrage. „Die Gespräch mit der Metro sind erst einmal auf Eis gelegt“, sagte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski am Mittwoch. Metro-Chef Eckhard Cordes stellte Arcandor unterdessen einen „fairen Kaufpreis“ in Aussicht. „Die Karten sind gestern komplett neu gemischt worden“, sagte der Arcandor-Sprecher. Der Konzern stehe nicht mehr unter dem Druck, innerhalb weniger Tage eine Lösung zu finden. Der Insolvenzverwalter werde nun unter Berücksichtigung der Gläubiger- und der Arbeitnehmerinteressen alle Optionen neu überprüfen.
„Sollte es am Ende zu einem Verkauf oder einer Partnerschaft kommen, ist Metro möglicherweise einer von mehreren Gesprächspartner“, erklärte der Sprecher. Auf keinen Fall würden die Gespräche jedoch wieder an dem Punkt aufgenommen, wo sie vor der Insolvenz beendet worden seien.
Cordes will „starken deutschen Kaufhauskonzern“
Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick hatte bereits am Dienstag Spekulationen über eine Zerschlagung des Konzerns eine überraschend deutliche Absage erteilt: „Mir geht es um den Erhalt des Konzerns als Ganzes, mit seinen drei Geschäftsfeldern“, sagte er nach der Bekanntgabe der Insolvenz.
Deutschlands größter Handelskonzern Metro hält dagegen auch nach der Insolvenz von Arcandor an seinen Plänen zur Übernahme von Karstadt fest. „Wir wollen einen starken deutschen Kaufhauskonzern bauen“, sagte Konzernchef Eckhard Cordes am Dienstagabend im ZDF. Ziel sei es, einen lebensfähigen und langfristig erfolgreichen deutschen Kaufhauskonzern mit rund 160 Warenhäusern zu schaffen. Rund 60 der 91 Karstadt-Warenhäuser könnten so weitergeführt werden. Damit würden mehr als 20.000 Arbeitsplätze gerettet, sagte der Manager. Cordes beteuerte, die Metro wolle kein Schnäppchen machen, sondern werde „einen fairen Kaufpreis“ zahlen. Der Manager zeigte sich „ziemlich zuversichtlich“, dass ein Zusammenschluss der Kaufhausketten auch vom Bundeskartellamt genehmigt würde. Es habe bereits erste Vorgespräche mit den Wettbewerbshütern gegeben. Nach der Integration der Karstadt-Warenhäuser sei dann ein Börsengang des neuen Warenhausriesen denkbar, fügte er hinzu.
Arcandor-Führung berät Vorgehen
Bei Arcandor wurden unterdessen die ersten Weichen für die Neuorientierung des Unternehmens gestellt. Am Mittwochnachmittag kamen die Führungskräfte der betroffenen Unternehmensbereiche zusammen, um sich über das weitere Vorgehen informieren zu lassen. Die Insolvenz sei für alle Neuland, da bestehe ein großer Gesprächsbedarf, sagte Konzern-Sprecher Koslowski. Arcandor hatte am Dienstag Insolvenz anmelden müssen, nachdem die Bundesregierung Staatshilfen für den maroden Konzern abgelehnt hatte. Vorstandschef Eick hofft nun auf eine Sanierung mit den Mitteln des Insolvenzrechts.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Streit in der großen Koalition über die staatliche Arcandor-Hilfe zu dämpfen versucht. „Ich kann nur raten, dass man so an die Sache herangeht, dass jeder in der Bundesregierung der Meinung ist, dass wir das Beste tun“, sagte Merkel am Mittwoch in Berlin. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hatten zuvor vor allem die Rolle von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) im Kabinett kritisiert. Merkel sagte dazu, die gesamte Bundesregierung arbeite daran, Arbeitsplätze zu sichern. Es verstehe sich von selbst, dass es manchmal Diskussionen über unterschiedliche Wege gebe. „Aber ich glaube, dass der eingeschlagene Weg für Arcandor sehr, sehr viele Chancen auch für die Beschäftigten beinhaltet.“ Für die betroffenen Menschen sei eine langfristige und tragfähige Grundlage wichtig.
Betriebsrente
Reiner Luecker (Reinerluecker)
- 10.06.2009, 17:57 Uhr
Insolvenzverwalter Bundesregierung
Johann Roth (JohannRoth)
- 10.06.2009, 18:14 Uhr
Die Sache mit dem Vermieter
Peter Kronenberger (Peter-Kronenberger)
- 10.06.2009, 18:37 Uhr
Die Bundesregierung hat mal ein Exempel statuiert....
Walther Schmidt (silitoe)
- 10.06.2009, 19:10 Uhr
Recht ordentliche Strategie von Middelhoff und Eick,
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 10.06.2009, 19:27 Uhr
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