11.01.2010 · Der kleine Bremer Satellitenbauer OHB hat dem Großkonzern EADS den prestigeträchtigen Auftrag für Galileo weggeschnappt. Den Weg zu diesem Höhenflug hat eine Unternehmerfamilie bereitet.
Von Timo Kotowski„14 zu null“, fasst Marco Fuchs das Ergebnis zusammen. Die Freude über den jüngsten Erfolg ist dem Vorstandsvorsitzenden des Bremer Unternehmens OHB Technology anzumerken. Die Firma hat von der EU-Kommission den Zuschlag erhalten, 14 Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo zu bauen. Der schärfste Konkurrent, die Raumfahrtsparte Astrium des EADS-Konzerns, ging leer aus. „14 zu null“ - für die Bremer ist der Sieg im Bieterwettstreit vor der EU-Kommission ein historisches Ereignis. Mit einem Wert von 566 Millionen Euro ist es der größte Einzelauftrag, den das Unternehmen jemals ergattert hat.
Trotz der Freude, dass OHB mit 1500 Beschäftigten den europäischen Giganten Astrium mit rund zehnmal so vielen Mitarbeitern düpiert hat, ist kein hämisches Wort über den Konkurrenten zu vernehmen. „Wir haben viele Projekte, bei denen wir sehr gute Partner sind. Und das soll auch so bleiben“, sagt OHB-Chef Fuchs mit Blick auf EADS.
EADS Astrium galt vielen als Favorit
Doch wenn Fuchs davon spricht, dass OHB und EADS „Partner“ sind, dann klingt mit, dass die Bremer es innerhalb eines Vierteljahrhunderts geschafft haben, vom belächelten Herausforderer zum als gleichwertig angesehenen Wettbewerber aufzusteigen. Klein gewinnt gegen groß, Familienbetrieb sticht internationalen Konzern aus, David siegt über Goliath.
Das bekam EADS erstmals 2001 zu spüren. Die Bundeswehr war im Kosovo-Krieg begeistert von Aufklärungssatelliten der Amerikaner, die auch nachts und bei Wolken detaillierte Bilder aufnehmen, und wollte ein eigenes System anschaffen. EADS Astrium galt vielen als quasi naturgegebener Lieferant, doch überraschend ging der Auftrag für SAR-Lupe an OHB. Mittlerweile kreisen fünf Satelliten aus Bremen in 500 Kilometern Höhe um die Erde. Sie liefern der Truppe wichtige Aufklärungsbilder - unter anderem aus Afghanistan. OHB lehrt EADS das Fürchten, obwohl die Bremer erst spät in die Raumfahrtindustrie eingestiegen sind.
Ursprung: Hydraulikanlagen
1981 kaufte Christa Fuchs, die Mutter des heutigen Vorstandsvorsitzenden Marco Fuchs den Betrieb, der damals Hydraulikanlagen für Schiffe fertigte. Sein Vater Manfred Fuchs baute die Satellitenproduktion auf. Deshalb änderte die Familie Fuchs den Namen des Unternehmens, das bei ihrem Einstieg noch „Otto Hydraulik Bremen“ hieß. Zunächst wählte man „Orbital- und Hydrotechnologie Bremen“, Jahre später ließ man den Eintrag im Handelsregister abermals korrigieren. „Orbitale Hochtechnologie Bremen“ heißt das Unternehmen seitdem. Geblieben sind die Buchstaben OHB - und der starke Einfluss der Familie.
2001 ging das Unternehmen an die Börse, die Familie behielt aber zwei Drittel der Anteile. Sohn Marco kümmert sich als Vorstandsvorsitzender um das Rechtliche, Vater Manfred als Bereichsvorstand um das Technische, kontrolliert werden beide von Mutter Christa, die den Aufsichtsrat führt. Strategiegespräche sind bei OHB Familientreffen, die Büros von Eltern und Sohn liegen dicht beieinander.
Ein Frosch im Aquarium
Eng sind auch die Kontakte zu EADS. Man kennt sich, zuweilen läuft man gemeinsam auf. Wenn der Militärtransporter A400M abhebt, sind Bauteile der Bremer an Bord. OHB liefert Kohlefaserstreben für das Fahrwerk und Bodenplatten für den Laderaum. Für die Ariane-V-Raketen, die EADS federführend baut, kommen Tanks und andere Strukturelemente von dem Familienunternehmen.
Zuweilen enden die Begegnungen der beiden Firmen unentschieden. Als EADS 2007 seine Airbus-Werke in Varel, Nordenham und Augsburg an einen Zulieferer verkaufen wollte, galt OHB als Favorit. Die Mitarbeiterzahl der Bremer hätte sich mehr als vervierfachen, der Umsatz noch stärker wachsen können. Doch das Geschäft scheiterte. Aus heutiger Sicht ist der verpasste Wachstumsschub für Vorstandschef Fuchs kein Rückschlag. „Wir sind froh, dass wir Galileo gewonnen und nicht die Airbus-Werke gekauft haben.“
Seit 2005 hat sich der Umsatz des Unternehmens mehr als verdoppelt, 2009 will man erstmals die 300-Millionen-Marke überwunden haben, der Vorsteuergewinn soll einen Rekordwert von 21 Millionen Euro erreichen. Das Unternehmen punktet mit Satelliten, die kleiner und leichter sind als frühere Sonden-Generationen. Zudem bauten die Bremer für die internationale Raumstation ISS die Labore des europäischen Columbus-Moduls.
Nur einer im Unternehmen bleibt von den jüngsten Erfolgen unbeeindruckt: Manni, der südafrikanische Krallenfrosch, der 1993 als Kaulquappe an Bord eines Space-Shuttles 160 Mal die Erde umrundete. Seine zweite Lebenshälfte genießt er in einem Aquarium in der OHB-Zentrale.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.374,55 | −1,41% |
| Dow Jones | 12.447,70 | −1,06% |
| EUR/USD | 1,2426 | −0,50% |
| Rohöl Brent Crude | 104,00 $ | −2,67% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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