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Sarah Wiener im Interview „Wir sind alle kleine Diven“

 ·  Die Zeit der Braten und kamerabegleiteten Festtagsmenüs ist jetzt fast vorüber. Eine Krisenzeit für Fernsehköche? Sarah Wiener spricht mit der F.A.Z. über das Geschäftsmodell Fernsehkoch, Machos in der Küche und Werbung für Fertigsuppen.

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Die Zeit der Braten und kamerabegleiteten Festtagsmenüs ist jetzt fast vorüber. Eine Krisenzeit für Fernsehköche? Sarah Wiener sprach mit der F.A.Z. über das Geschäftsmodell Fernsehkoch, Machos in der Küche und Werbung für Fertigsuppen.

Frau Wiener, können Sie gut kochen?

Ich würde sagen, ja. Mir hat es meistens geschmeckt. Außerdem habe ich in den ersten sieben Jahren meiner Laufbahn Tausende Leute allein bekocht. Und die waren zufrieden, mindestens.

Warum haben Sie dann keinen Stern?

Kann nur jemand gut kochen, der einen Stern hat? Einen Stern haben zu wollen bedeutet, sich Gastrokritikern und ihren Regeln zu unterwerfen.

Sind das harte Regeln?

Es sind auf jeden Fall Regeln, die auch nicht genau definiert sind. Das Ambiente und der Weinkeller spielen eine erhebliche Rolle.

Das klingt doch nicht so schlimm.

Mag sein. Aber ich will nach meinen eigenen Regeln kochen.

Sind Sie Köchin oder Unternehmerin?

Unternehmerin und Köchin. Ich habe eine Firma mit 100 Beschäftigten aufgebaut. Kochen war mein Vehikel. Ich war nie eine reinblütige Köchin, die sich einen Job sucht, in dem sie kochen darf und alles vergisst. Ich wollte mein Ding machen und nicht abhängig sein.

Als Angestellte sind Sie ungeeignet?

Absolut. Manchen Menschen ist es verwehrt, Beamter auf Lebenszeit zu sein. Ich würde mich eindeutig dazuzählen.

Seit wann wissen Sie, dass Sie Unternehmerin sind?

Ich musste vor 15, 16 Jahren mal einen Visumantrag für China ausfüllen. Auf die Frage nach dem Beruf fiel mir die Antwort schwer. Gelernte Köchin bin ich nicht. Ich habe Unternehmerin geschrieben. Und das hat mir gefallen.

Wie viel Geld verdienen Sie mit Ihren Restaurants und Ihrem Partyservice?

So viel, dass ich die Firma nicht aufgeben muss. Aber es ist auch hart.

Wieso? Allein wegen Ihrer Bekanntheit müssten die Lokale ausgebucht sein.

Damit implizieren Sie, dass meine Restaurants früher nicht funktionierten, als ich noch nicht bekannt war als Medienköchin. Das ist falsch. Aber natürlich kommen jetzt auch Gäste zum Sarah-Wiener-Seeing.

Medienkoch? Was ist das?

Ein Koch, der in den Medien herumtanzt. Ich schätze 50 bis 60 sind es im deutschsprachigen Raum.

Ich kenne höchstens zehn.

Es ist wie beim Fußball. Es gibt die Kollegen in der Champions League, die am Tabellenende und die zweite Liga - und die in der Kreisliga: eventuell großartige Talente, aber im falschen Club.

Die Champions League kocht in der Johannes-B.-Kerner-Show.

Zum Kerner-Pool gehören 15 bis 20 Köche, zur Topliga gehören davon eine gute Handvoll.

Können Sie Namen nennen?

Johann Lafer, Alfons Schuhbeck, Tim Mälzer, Ralf Zacherl zum Beispiel. Jetzt habe ich bestimmt jemanden vergessen, der mir das übelnimmt.

Sie haben Sarah Wiener vergessen.

Das haben jetzt Sie gesagt.

Was müssen Medienköche können?

Das Publikum muss sie wiedererkennen. Dafür sollten sie Charisma haben und gut reden können. Die Medienköche der zweiten Liga verstehen ihr Handwerk und sind smart, aber man erinnert sich schwer: Sie bleiben blasser. Manche wollen aber gar nicht so präsent sein. Die Erfolgreichsten dagegen sind alle kleine Diven, die Jungs. Manchmal mehr als ich.

Auf gutes Kochen kommt es nicht an?

Doch, natürlich! Aber es reicht nicht. Und bestimmt gibt es Köche da draußen, die das Handwerk besser beherrschen.

Jeder Medienkoch muss ein Kochbuch schreiben, oder?

Nein. Müssen gar nicht. Aber es ist geschäftlich angesagt. Ja. Und es befriedigt unsere Eitelkeit. Zudem hilft es zur Schärfung des Markenprofils, wenn es gut gemacht ist. Und Knete gibt es ja auch dafür.

Sind denn Medienköche Marken?

Manche. Jeder bedient sein eigenes Publikum.

Können wir die Kollegen daraufhin einmal durchdeklinieren?

Versuchen wir es.

Tim Mälzer ist der Macho, der unerschrocken die Küche erobert und entzaubert.

Ja, er spielt mit dem Thema Mann, obwohl er in Wirklichkeit weniger Machoallüren hat als so manche ältere Kollegen. Mälzer ist ein Phänomen, die Nummer eins. Ich habe höchsten Respekt vor seiner Medienleistung. Er bleibt authentisch.

Und Johann Lafer?

Der bienenfleißige Perfektionist.

Und Sarah Wiener?

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Das Gespräch führte Winand von Petersdorff.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.12.2007, Nr. 52 / Seite 37
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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)

Gähn... 
(ramarama) - 01.01.2008, 22:00 Uhr

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