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SAP Die neue Walldorf-Schule

SAP hat sich zu einer der wertvollsten Firmen Deutschlands entwickelt. Jetzt will die IT-Firma zum Weltstar werden. Mit superschnellen Datenbanken mischt sie bei „Big Data“ mit. Geht die Wette nicht auf, könnte SAP zum Übernahmekandidaten werden.

© Getty Images Vergrößern Big Data, über alles und jeden gibt es Daten. Und nicht nur SAP will damit Geschäfte machen

New York schläft nie? Da müssen schon deutsche Programmierer kommen, um aufzuräumen mit diesem Mythos. Auf drei Uhr nachts haben die Leute des Walldorfer Softwarehauses SAP ihre Computersimulation für die Insel Manhattan eingestellt. Jeden Block, jedes Haus haben sie auf den Bildschirm gezaubert, den Energieverbrauch von 700.000 Haushalten eingetippt, fünfminütig aktualisiert. Milliarden Daten, der Höhe nach in Farben sortiert: Gelb steht für wenig Stromverbrauch, Rot für viel. Und nachts, da kann Sinatra singen, was er will, ist New York gelb.

Die Lichter sind aus, die Discos dicht. Alles schläft, einer rechnet: der SAP-Computer. Um sieben Uhr lässt er in der Simulation die Upper Westside erröten. Föhn und Frühstücksfernsehen laufen. 9 Uhr: Rot am Rockefeller Center. In den Büros gehen die Lichter wieder an. Eine Stadt erwacht.

Die Datenbank, die ihren Pulsschlag aufzeichnet, heißt Hana, schnellste Analysesoftware der Welt und letzter Schrei im Produktregal von SAP. Die Softwaretechnik kommt ohne Festplatte aus und reißt nüchterne Entwickler zu Liebesschwüren hin: Ist die „schöne Lady“ doch imstande, einer Weltmetropole in „Echtzeit“ vor Augen zu führen, in welchem Stadtteil und zu welcher Stunde sie den Bürgern die Energiezufuhr drosseln darf - ein Fünftel an Strom und Gas ließe sich so sparen, jubelt der Däne Jim Hagemann Snabe, neben dem Amerikaner Bill McDermott Co-Chef von SAP: „Hana löst Probleme, die früher unlösbar waren.“

Tausendmal gehört, nie kapiert

Wirtschaftskrisen etwa: In Banken berechnet die Technik aus Deutschland die Risiken von Milliardenorders nicht mehr in Tagen, sondern Sekunden: „Hana kann dazu beitragen, die nächste Finanzkrise zu verhindern.“

Oho! Walldorf rettet die Wall Street, so klingt der neue Sound im 15.000-Einwohner-Nest, gelegen im schönen Rhein-Neckar-Kreis, genauso bieder wie die letzten 40 Jahre SAP: R/1, R/2, R/3 hießen deren Verkaufsschlager in der Vergangenheit, keinesfalls so „sexy“, wie es nun in Walldorf über die „neue SAP“ tönt. Google, Facebook, Apple - das ist jetzt die neue Liga. Und Hana, von SAP-Gründer und Milliardär Hasso Plattner in dessen Potsdamer Forschungsinstitut mit Studenten ausgetüftelter Datenturbo, soll die Welt verführen, mit Rasanz eine Schneise schlagen durch jene Berge an digitaler Information, die unser Leben verändern sollen, Thema selbst auf Dinnerpartys unter dem Stichwort „Big Data“.

Tausendmal gehört, nie kapiert - Big Data, das Schlagwort vom großen Datenhaufen, Ergebnis der digitalen Vermessung von allem und jedem auf der Welt, ist als Begriff so wirr wie seine Natur. Jede Adressabfrage im Internet fällt unter das Modewort, genauso wie jeder Eintrag bei Facebook. Bürger erhoffen sich von im Netz abrufbaren Daten über Bauvorhaben und Müllabfuhr mehr Transparenz, Regierungen von den Daten ihrer Untertanen mehr Kontrolle, Unternehmen von Bergen an Kundendaten das große Geschäft. Das „Öl des 21. Jahrhunderts“ sei der Datenhaufen, hofft die Wirtschaft: Je mehr bekannt ist über Konsum und Bonität von Kunden, desto höher der Umsatz.

Ob durch Big Data wirklich das Wachstum der Weltwirtschaft steigt, weiß indes keiner. Bei einem großen Schuhhersteller ergab die große Big-Data-Analyse der Kunden jüngst folgende Erkenntnis: Im Sommer kaufen die Leute Sandalen, im Winter Stiefel.

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