07.12.2009 · In dieser Woche startet der vierte deutsche IT-Gipfel der Bundesregierung. Der SAP-Vorstandschef Léo Apotheker geht davon aus, dass die Informations-Industrie nach der Krise Fahrt aufnimmt. „Auf uns kommt eine Welle neuer Technologien zu.“
In dieser Woche startet der vierte deutsche IT-Gipfel der Bundesregierung. Der SAP-Vorstandschef Léo Apotheker geht davon aus, dass die Informations-Industrie nach der Krise deutlich Fahrt aufnimmt. „Auf uns kommt eine Welle neuer Technologien zu.“
Herr Apotheker, was erwartet ein global tätiger Konzern wie SAP von einem deutschen IT-Gipfel?
Deutschland ist als Standort für uns sehr wichtig, und gemeinsam mit der Politik können wir einiges erreichen. IT gewinnt als Wachstumsmotor und Schlüsseltechnologie für Deutschland immer stärker an Bedeutung, gerade für den nächsten Aufschwung. Nur wenn wir IT richtig und gezielt einsetzen, ermöglichen wir nachhaltiges Wachstum.
SAP hat mit Verweis auf die schwierige Lage der Kunden gerade eine Preiserhöhung ausgesetzt, außerdem ist das Lizenzgeschäft rückläufig. Das spricht nicht für Ihre Wachstumsthese.
Die IT-Industrie nimmt gerade Fahrt auf. Auf uns kommt eine Welle neuer Technologien zu, die die Industrie massiv verändern wird. Die aktuelle Krise wird irgendwann vorbei sein, und dann wird IT wichtiger sein denn je. Als Querschnittstechnologie macht sie eine umfassende Modernisierung der Gesellschaft erst möglich.
Ein Drittel rückläufiger Lizenzerlöse spricht eine andere Sprache.
Auch das Geschäft mit Software wird wieder wachsen. Momentan vollzieht sich ein Wandel im Geschäftsmodell, und SAP treibt diese Veränderung aktiv voran. Die Anzahl der Vertragsabschlüsse wird wichtiger als große einzelne Lizenzverträge. Das Gewicht von Dienstleistungen nimmt zu, Software als Service gewinnt an Bedeutung, dazu kommen ganz neue Wachstumsbereiche wie Emissionsmanagement.
Brauchen Sie bald neue Leute?
Die IT-Branche wird in Deutschland mehr Arbeitsplätze schaffen als traditionelle Industrien. Experten gehen davon aus, dass allein im Bereich Software und IT-Dienstleistungen in den nächsten zwanzig Jahren 450 000 neue Jobs entstehen.
Fehlt es in Deutschland an Talenten?
Es fehlen Ingenieure. Bis 2020 müssen wir 220.000 Stellen in der IT besetzen. Alle jagen den paar deutschen Ingenieuren nach, und dann kommen noch die Banken aus London und locken auch diese Talente. Wenn das so bleibt, bekommen wir hier ein Problem. In Indien und China dagegen verlassen jedes Jahr circa 700.000 Ingenieure die Universitäten. Wir müssen dafür sorgen, dass sich junge Menschen, vor allem auch Frauen, für das Ingenieursstudium begeistern. Talente zu finden wird nach der Wirtschaftskrise die größte Herausforderung.
Die Realität sieht anders aus. Zurzeit herrscht Einstellungsstopp bei SAP.
Den gibt es auch in Indien. Aber das wird nicht ewig dauern, und wichtige freiwerdende Positionen besetzen wir auch nach. Von rund 48.000 Mitarbeitern arbeiten 15.000 in Deutschland, es ist nach wie vor unser wichtigster Standort.
Was sind die neuen Wachstumsfelder?
Zum Beispiel Smart Energy, also hochintelligente vollautomatische Stromnetze, um Strom zu sparen und Überkapazitäten zu vermeiden. Dazu kommt Elektromobilität, das Internet der Dinge und der Dienste, sowie die Konvergenz der Netze – mit den richtigen Rahmenbedingungen und der entsprechenden Software können wir hier viel erreichen. Vor allem bei Lösungen für nachhaltiges Wirtschaften besteht großes Wachstumspotential.
Was sind „richtige“ Rahmenbedingungen?
Zunächst begrüßen wir es, dass sich die neue Regierung IT als Wachstumstreiber auf die Fahnen geschrieben hat. Die Bundesregierung hat erkannt, dass wir in Zukunft anders wirtschaften müssen, und das ist gut für unser Land. Wir brauchen optimale Infrastrukturen, also mehr Breitband, bessere Ausbildungsmöglichkeiten und gezielte Investitionen in Wachstumsfelder. Und mit steuerlichen Anreizen für Forschung und Entwicklung würde man die Innovationskraft Deutschlands weiter stärken.
Ist Deutschland in diesen Punkten schlecht aufgestellt?
Die Bundesregierung hat einiges auf den Weg gebracht. Aber wir sind längst nicht führend in der Welt. Unsere Industrie geht dahin, wo wachstumsstarke Märkte sind, und vor allem, wo es Talente gibt. Daher ist Bildung für Deutschland so wichtig. Lassen Sie uns ambitioniert sein: Wir wollen zum Beispiel die besten Universitäten für Mathematik und für Naturwissenschaften!
Wie dick ist denn der Forderungskatalog, den Sie Frau Merkel in Stuttgart überreichen wollen?
Uns geht es in erster Linie darum, dass Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam an einem Strang ziehen, damit wieder mehr Gründergeist entstehen kann.
Software-Anwendungen werden künftig in Serverfarmen verwaltet. Und die stehen dort, wo Grundstücke, Strom und Hardware am billigsten sind.
Nicht unbedingt. Bei kapitalintensiven Projekten zählen vor allem die Kosten des Kapitals, und das ist in Deutschland nicht teurer als anderswo. Außerdem brauchen wir Kundennähe. Es wird also nie nur eine Serverfarm geben, auch nicht für unsere neue Mittelstandssoftware „Business By Design“. Die Kernfrage ist: Wo wird die Software entwickelt? Jedes unserer Entwicklungszentren hat seine besonderen Stärken. Die Kreativität und Entwicklungsleistung von deutschen Ingenieuren ist genauso wichtig wie die von unseren Entwicklern in anderen Ländern. Und gerade dieses globale Netzwerk macht uns langfristig wettbewerbsfähig.
Dennoch: Ist Software-Entwicklung auf Dauer nicht zu teuer in Deutschland?
Nein, das ist viel zu kurz gedacht. Sehen sie sich Japan an. Dort sind die Gehälter genauso hoch wie bei uns, und doch gibt es dort noch eine Schwerindustrie. Es geht, weil die Produktivität in diesem Bereich in Japan so hoch ist wie nirgends auf der Welt. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Ingenieure die am besten ausgebildeten der Welt sind und unsere Infrastruktur exzellent ist. Dann können wir auch die besten Gehälter für die besten Innovationen zahlen.
Überall der Beste zu sein ist eine Utopie.
Stimmt, aber herausfordernde Ziele und Visionen braucht man immer, damit man besser wird. Aus deutscher Sicht muss man konstatieren: Die anderen holen auf. Wir müssen also immer besser werden, eine Alternative dazu gibt es nicht.
Die neue IT-Welt wird auch SAP verändern. Die klassischen Anwendungen von Personal- über Lieferanten- und Kundendatenverwaltung werden verschwinden. Aber wohin geht die Reise?
Der Bedarf bleibt, nur die Anwendungen, die das organisieren, entwickeln sich weiter. Neue Technologien wie Hauptspeicherdatenbanken werden Anwendungen der nächsten Generation ermöglichen. Zugleich ändert sich das Nutzerverhalten, Mitarbeiter wollen auch von ihrem Smartphone auf Kundendaten zugreifen. Wir werden bald 100.000 Unternehmen als Kunden haben, aber wir gehen davon aus, dass direkt oder indirekt irgendwann eine Milliarde Menschen auf der Erde SAP benutzen werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.374,55 | −1,41% |
| Dow Jones | 12.447,70 | −1,06% |
| EUR/USD | 1,2426 | −0,50% |
| Rohöl Brent Crude | 104,00 $ | −2,67% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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