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SAP-Chef Apotheker : „Mehr Arbeitsplätze als in traditionellen Industrien“

  • Aktualisiert am

Léo Apotheker Bild: ddp

In dieser Woche startet der vierte deutsche IT-Gipfel der Bundesregierung. Der SAP-Vorstandschef Léo Apotheker geht davon aus, dass die Informations-Industrie nach der Krise Fahrt aufnimmt. „Auf uns kommt eine Welle neuer Technologien zu.“

          In dieser Woche startet der vierte deutsche IT-Gipfel der Bundesregierung. Der SAP-Vorstandschef Léo Apotheker geht davon aus, dass die Informations-Industrie nach der Krise deutlich Fahrt aufnimmt. „Auf uns kommt eine Welle neuer Technologien zu.“

          Herr Apotheker, was erwartet ein global tätiger Konzern wie SAP von einem deutschen IT-Gipfel?

          Deutschland ist als Standort für uns sehr wichtig, und gemeinsam mit der Politik können wir einiges erreichen. IT gewinnt als Wachstumsmotor und Schlüsseltechnologie für Deutschland immer stärker an Bedeutung, gerade für den nächsten Aufschwung. Nur wenn wir IT richtig und gezielt einsetzen, ermöglichen wir nachhaltiges Wachstum.

          SAP hat mit Verweis auf die schwierige Lage der Kunden gerade eine Preiserhöhung ausgesetzt, außerdem ist das Lizenzgeschäft rückläufig. Das spricht nicht für Ihre Wachstumsthese.

          Die IT-Industrie nimmt gerade Fahrt auf. Auf uns kommt eine Welle neuer Technologien zu, die die Industrie massiv verändern wird. Die aktuelle Krise wird irgendwann vorbei sein, und dann wird IT wichtiger sein denn je. Als Querschnittstechnologie macht sie eine umfassende Modernisierung der Gesellschaft erst möglich.

          Ein Drittel rückläufiger Lizenzerlöse spricht eine andere Sprache.

          Auch das Geschäft mit Software wird wieder wachsen. Momentan vollzieht sich ein Wandel im Geschäftsmodell, und SAP treibt diese Veränderung aktiv voran. Die Anzahl der Vertragsabschlüsse wird wichtiger als große einzelne Lizenzverträge. Das Gewicht von Dienstleistungen nimmt zu, Software als Service gewinnt an Bedeutung, dazu kommen ganz neue Wachstumsbereiche wie Emissionsmanagement.

          Brauchen Sie bald neue Leute?

          Die IT-Branche wird in Deutschland mehr Arbeitsplätze schaffen als traditionelle Industrien. Experten gehen davon aus, dass allein im Bereich Software und IT-Dienstleistungen in den nächsten zwanzig Jahren 450 000 neue Jobs entstehen.

          Fehlt es in Deutschland an Talenten?

          Es fehlen Ingenieure. Bis 2020 müssen wir 220.000 Stellen in der IT besetzen. Alle jagen den paar deutschen Ingenieuren nach, und dann kommen noch die Banken aus London und locken auch diese Talente. Wenn das so bleibt, bekommen wir hier ein Problem. In Indien und China dagegen verlassen jedes Jahr circa 700.000 Ingenieure die Universitäten. Wir müssen dafür sorgen, dass sich junge Menschen, vor allem auch Frauen, für das Ingenieursstudium begeistern. Talente zu finden wird nach der Wirtschaftskrise die größte Herausforderung.

          Die Realität sieht anders aus. Zurzeit herrscht Einstellungsstopp bei SAP.

          Den gibt es auch in Indien. Aber das wird nicht ewig dauern, und wichtige freiwerdende Positionen besetzen wir auch nach. Von rund 48.000 Mitarbeitern arbeiten 15.000 in Deutschland, es ist nach wie vor unser wichtigster Standort.

          Was sind die neuen Wachstumsfelder?

          Zum Beispiel Smart Energy, also hochintelligente vollautomatische Stromnetze, um Strom zu sparen und Überkapazitäten zu vermeiden. Dazu kommt Elektromobilität, das Internet der Dinge und der Dienste, sowie die Konvergenz der Netze – mit den richtigen Rahmenbedingungen und der entsprechenden Software können wir hier viel erreichen. Vor allem bei Lösungen für nachhaltiges Wirtschaften besteht großes Wachstumspotential.

          Was sind „richtige“ Rahmenbedingungen?

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