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Sanifair-Toiletten Reibach an der Raststätte

 ·  An deutschen Autobahnen wird viel Geld umgesetzt. Wohl auch dank der Sanifair-Toiletten. Aber darüber spricht niemand gerne - transparente Strukturen sehen anders aus.

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Wer heutzutage auf der Autobahn unterwegs ist und dringend mal rausmuss, landet an einem Ort, der immer gleich aussieht: grün oder blau gekachelt, sehr reinlich, nur die Werbung über den Klosetts stört die Idylle. „Sanifair“ heißen die Anlagen, was wohl frisch und anständig klingen soll. Doch für viele Kunden sind die Toiletten ein Ärgernis, denn kostenlos kommen da nur kleine Kinder hinein. Alle anderen müssen Geld in einen Automaten werfen. Früher waren das 50 Cent, und mit dem Bon, den man dafür erhielt, konnte man im gleichen Wert an der Tankstelle Waren kaufen. Heute liegt die Gebühr bei 70 Cent, einlösen lassen sich aber weiterhin nur 50 Cent. Da stellt sich die Frage, wer eigentlich mit den Toiletten Geld verdient.

Eine einfache Frage, denkt man. Aber wer in der Sache nachhakt, stochert im Nebel eines Marktes, in dem jeder seine Pfründen zu schützen scheint, in dem es um eine Monopolstellung an deutschen Autobahnen geht, in dem kaum Zahlen veröffentlicht werden, aber dafür von horrenden Schulden die Rede ist, und in dem die Eigner in britischen Steueroasen registriert sind. Wer nach konkreten Zahlen fragt, erhält immer die gleiche Antwort: Leider könne man da nicht weiterhelfen.

Früher ein staatliches Unternehmen

Die Toilettenkette Sanifair ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Tank & Rast GmbH. Das war früher ein staatliches Unternehmen und wurde 1998 privatisiert. Doch im Anschluss daran diversifizierte sich der Markt keineswegs - heute gehören mehr als 90 Prozent aller Anlagen an deutschen Autobahnen der Tank & Rast. Das sind 350 Tankstellen und 380 Raststätten. Die werden wiederum von 130 Pächtern betrieben, welche einen Teil ihrer Einnahmen an Tank & Rast abgeben müssen.

Das Unternehmen selbst gehört mehrheitlich zwei Eignern: einerseits der Monterey Capital IV Sarl, einer Firma mit Sitz in Luxemburg, welche wiederum dem britischen Unternehmen Terra Firma gehört. Das ist einer der größten europäischen Private-Equity-Investoren und dessen Fonds für Tank & Rast hat seinen Sitz auf Guernsey, einer britischen Insel im Ärmelkanal. Der andere Anteil gehört RREEF Pan European Infrastructure Two Lux Sarl, dabei handelt es sich wiederum um eine luxemburgische Gesellschaft. Diese ist beteiligt mit dem Kapital eines Fonds, der letztlich der Deutschen Bank gehört. Der Fonds wird von einem Unternehmen mit Sitz auf Jersey geleitet - wiederum eine britische Steueroase.

Transparente Strukturen sehen anders aus, und Tank & Rast bietet auch keine detaillierten Geschäftsberichte. Zum Jahr 2011 gebe es noch keine Zahlen, sagt der Sprecher, und für 2010 wurden nur wenige Ergebnisse herausgegeben: Damals erwirtschaftete Tank & Rast einen Umsatz von 279 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen betrug 196 Millionen Euro. Das ist üppig. Zum Gewinn nach Steuern werden auch auf Nachfrage keine Angaben gemacht. Nur so viel: „Wir sind mit unserer wirtschaftlichen Entwicklung zufrieden“ - sagt der Sprecher.

Doch auf dem Unternehmen lasten hohe Schulden, angeblich 2,2 Milliarden Euro, die nicht zuletzt von einer Sonderdividende stammen, die sich der britische Eigner Terra Firma 2006 genehmigte. Die Zahl von 2,2 Milliarden Euro Schulden will das Unternehmen nicht bestätigen. Auf Nachfrage nach der aktuellen Schuldenlast heißt es von Tank & Rast: „Wir äußern uns nicht öffentlich zu unserer Finanzierungsstruktur.“

Was sagen die Pächter?

Zu Tank & Rast gehört seit 2003 die Toilettenkette Sanifair mit mittlerweile 370 Anlagen. Der Umsatz mit Sanifair ist vermutlich beträchtlich. Denn für die 50 Cent des Sanifair-Bons gibt es fast keine Produkte an den Tankstellen. Daher kaufen die Kunden andere Sachen und lassen damit mehr Geld an der Tankstelle, oder sie kaufen gar nichts, dann kostet der Toilettengang 70 Cent. Wie man es auch dreht, die Rechnung geht nicht gut aus für die Kunden. Deutlich besser geht sie wohl für die Betreiber aus, aber wie viel da erwirtschaftet wird und wer welchen Anteil bekommt, Pächter oder Eigner, das bleibt offen.

„Die Pächter erhalten den größeren Teil des Nutzungsentgelts“, meint zwar Andreas Rehm, Leiter der Pressestelle von Tank & Rast. Auf Nachfrage nach einer Zahl bittet er dann um Verständnis, „dass wir Ihnen weitere Details zu internen betriebswirtschaftlichen Verrechnungsaspekten nicht mitteilen können“. Und was sagen die Pächter? „Von den 70 Cent geht ein nicht unerheblicher Anteil an die Tank & Rast“, erklärt Martin Stadie. Er ist Vorstandsreferent von Unipas (Union der Pächter von Autobahn-Service-Betrieben e.V.). Doch konkrete Angaben zum Bezahlmodell von Sanifair mag auch Stadie nicht machen. Er stellt dafür aber eine Gegenfrage: „In welchem Rahmen forschen Sie jetzt nach diesen Daten?“

Unter den deutschen Pächtern von Autobahnraststätten hat es in den vergangenen Jahren eine Konzentration gegeben. Von ehemals 450 Pächtern sind nach Angaben von Unipas heute noch 130 übrig. Immer wieder ist zu lesen, dass die Pächter unter Tank & Rast litten, da der Eigner unter den hohen Schulden ächze. Viele Pächter stünden kurz von der Insolvenz, heißt es in manchen Berichten. „Das ist ein Stöhnen auf hohem Niveau“, meint dazu einer, der es wissen muss, aber nicht genannt werden will. Die meisten Pächter verdienten auch weiterhin ordentlich.

Martin Stadie vom Pächterverband sagt, dass Tank & Rast kooperativ sei und etwa die Pachtbeträge reduziere, wenn es mal nicht so laufe. „Man sucht da auch den Konsens“, sagt er. Seiner Meinung nach sind viele Anlagen lukrativ, „die lohnen sich“. Ronald Graetz, der Vorsitzende des Pächterverbands und selbst Geschäftsführer einer Raststätte, will nur schriftlich Auskunft geben. Wie viel Umsatz in dem Geschäftsfeld gemacht werde, „das hängt vom Standort und vom Konzept ab“, schreibt er dann knapp. Zum Umsatz will auch Stadie keine Zahlen nennen. „Das geht schon an die Millionen ran“, sagt er nur.

Billiger wird es wohl nicht werden

Sanifair sieht er als Erfolgskonzept, schließlich komme das bei den Kunden gut an, und schließlich könnten die Pächter einen Teil der Einnahmen behalten. „Gerade gibt es Verhandlungen, wie dieses Gebührenmodell neu gestrickt wird“, sagt er. Wer welches Stück vom Kuchen abbekommt, sozusagen. Aber: „Das sind Interna, die nicht an die Öffentlichkeit kommuniziert werden dürfen.“ Billiger wird es für die Kunden wohl nicht werden.

Die Toilettengebühr wird regelmäßig auch vom ADAC kritisiert: „Wir finden es nach wie vor nicht gut, dass die Kunden für die Toilette zahlen müssen“, meint Simone Saalmann, Testleiterin beim ADAC. „Wir möchten, dass man zumindest die kompletten 70 Cent wieder als Bon zurückbekommt.“ Der diesjährige Raststättentest habe zudem gezeigt, dass es im Ausland auch anders funktioniere. Mit kostenlosen Toiletten, die trotzdem vergleichbar sauber seien. Nur das große Geschäft, das lässt sich damit dann wohl nicht machen.

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