18.02.2009 · Der angeschlagene amerikanische Autokonzern General Motors hat einen Sanierungsplan vorgelegt. Das Unternehmen braucht viel höhere Staatskredite als bisher angenommen. Die Zukunft der deutschen Opel-Werke ist ungewiss.
Von Roland LindnerDer krisengeschüttelte amerikanische Autokonzern General Motors (GM) braucht viel höhere Staatskredite als bisher angenommen und sieht sich zu noch tieferen Einschnitten gezwungen. Bei der Vorstellung eines Sanierungsplans kündigte der Vorstandsvorsitzende Rick Wagoner am Dienstagabend an, im schlimmsten Fall insgesamt bis zu 30 Milliarden Dollar von der amerikanischen Regierung zu benötigen, um die derzeitige Krise zu überstehen. Bislang hat General Motors Finanzhilfen von 13,4 Milliarden Dollar bekommen. Der Konzern will außerdem auf der ganzen Welt mehr als 47.000 Stellen streichen. Einen großen Teil dieses Personalabbaus hat das Unternehmen bereits angekündigt.
Zur Zukunft der deutschen Tochtergesellschaft Opel wollte sich Wagoner nicht konkret äußern. Er machte aber klar, dass auf die europäischen Niederlassungen Einschnitte zukommen. In dem Plan ist mit Blick auf Europa von „mehreren möglichen Schließungen/Abspaltungen von Werken an Standorten mit hohen Kosten“ die Rede. General Motors sei in Verhandlungen mit europäischen Arbeitnehmervertretern, um Einsparungen von 1,2 Milliarden Dollar zu erzielen.
Merkel: Opel muss Konzept vorlegen
Auf die Zukunft einzelner Standorte wollte Wagoner nicht eingehen. Er machte aber klar, dass er auf die Unterstützung der Bundesregierung zählt. Opel hat in Deutschland eine Staatsbürgschaft in Höhe von 1,8 Milliarden Euro beantragt. Opel teilte am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Betriebsrat mit, das Management sei auch bereit, „über Partnerschaften und Beteiligungen mit Dritten zu verhandeln“. Unklar ist, ob damit der Einstieg anderer Hersteller oder eine staatliche Beteiligung gemeint ist.
Nach Auffassung von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nun zunächst Opel am Zuge: „Es muss ein Konzept auf den Tisch gelegt werden, wie eine positive Prognose für Opel aussehen kann“, sagte die Regierungschefin am Mittwoch in Berlin. Im Augenblick könne die Politik nichts machen, weil die notwendigen
Konzepte von Opel noch nicht vorliegen.
Wagoner: „Auf uns ist niemand zugekommen, der Opel kaufen will“
In den vergangenen Tagen hatte es Medienberichte gegeben, wonach General Motors mehrere Opel-Werke aufgeben will. Daneben brachten die Regierungen mehrerer Bundesländer, an denen Opel Standorte hat, eine direkte Beteiligung an dem deutschen Autohersteller ins Spiel. Dies käme der amerikanischen Muttergesellschaft offenbar nicht ungelegen, wie dem Sanierungsplan zu entnehmen ist: „Eine tragfähige Strategie für die europäischen Geschäfte kann Partnerschaften mit der deutschen und/oder anderen europäischen Regierungen enthalten“, heißt es.
Wagoner gab auch kein uneingeschränktes Bekenntnis zur deutschen Automarke ab. Auf einen möglichen Verkauf von Opel angesprochen, sagte er zwar, dies sei kein realistisches Szenario. Er begründete dies aber nicht mit einer etwaigen Unverzichtbarkeit für den Mutterkonzern, sondern mit einem Mangel an Interessenten: „Auf uns ist niemand zugekommen, der Opel kaufen will.“
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sagte am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin: „Das ist eine Notsituation.“ Es gehe jetzt darum, zu „kämpfen, dass die Standorte in Europa erhalten bleiben“. Er selbst wolle sich bei einem Treffen mit Wagoner zunächst um Klarheit für die Beschäftigten in Deutschland bemühen. Opel müsse zusammen mit General Motors ein Zukunftskonzept vorlegen. Erst danach könne die Frage beantwortet werden, wie die Hilfe der Regierung aussehen könne. Rüttgers befindet sich derzeit in den Vereinigten Staaten; das Treffen mit Wagoner ist für diesen Mittwoch angesetzt.
Ursprüngliche Forderung auf 22,5 Milliarden Dollar aufgestockt
Allgemein rücken bei den Sanierungsbemühungen von General Motors die Auslandsaktivitäten stärker ins Blickfeld, nachdem bislang das Amerika-Geschäft im Zentrum der Aufmerksamkeit stand. Von den 47.000 Stellenstreichungen entfallen 26.000 Arbeitsplätze auf Niederlassungen außerhalb der Vereinigten Staaten (eine konkrete Zahl für Europa gab es nicht). Daneben rechnet General Motors nicht nur in Amerika und Deutschland mit staatlicher Unterstützung: Außerhalb Amerikas hofft das Unternehmen nach eigener Aussage auf Finanzhilfen von insgesamt 6 Milliarden Dollar. Deutliche Worte fand Wagoner mit Blick auf die schwedische Regierung, mit der General Motors um eine Stützung der zum Verkauf stehenden Konzernmarke Saab verhandelt. Sollte es zu keiner Einigung mit der Regierung kommen, drohe Saab womöglich noch im laufenden Monat die Insolvenz.
General Motors hat Anfang Dezember zunächst einen Staatskredit von 18 Milliarden Dollar gefordert und im Gegenzug tiefgreifende Restrukturierungen versprochen. Die Regierung sagte dem Unternehmen einige Wochen später 13,4 Milliarden Dollar zu. General Motors weist nun darauf hin, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen seit der ersten Bitte um Staatshilfe weltweit dramatisch weiter verschlechtert hätten. Die öffentlichen Diskussionen um die Überlebensfähigkeit des Unternehmens hätten das Geschäft zusätzlich belastet. General Motors stockt nun seine ursprüngliche Forderung auf 22,5 Milliarden Dollar auf, für den Fall, dass sich das Geschäft im Rahmen der derzeitigen Prognosen entwickelt. Sollte aber ein pessimistisches Szenario eintreten, würde sich dieser Betrag auf 30 Milliarden Dollar erhöhen.
Insgesamt 14 Werke sollen geschlossen werden
Der Autokonzern verspricht auch auf dem amerikanischen Markt tiefere Einschnitte als bisher: So sollen nun bis zum Jahr 2012 insgesamt 14 Werke und damit 5 mehr als bisher angekündigt geschlossen werden. Damit verblieben General Motors 33 Werke. Im Jahr 2000 hatte das Unternehmen noch 59 Produktionsstätten in den Vereinigten Staaten. Die Belegschaft in Amerika soll bis zum Jahr 2012 von 92.000 auf 72.000 Mitarbeiter schrumpfen. Diese Reduzierung bewegt sich im Rahmen der schon bisher angekündigten Pläne.
Auch bei der Bereinigung seines amerikanischen Markenportfolios verspricht General Motors Fortschritte. Über das Schicksal der Geländewagenmarke Hummer soll noch im laufenden Quartal eine Entscheidung getroffen werden. General Motors spreche noch mit möglichen Interessenten, aber auch eine Einstellung der Marke sei denkbar. Die Marke Saturn könnte am Ende des derzeitigen Modellzyklus im Jahr 2012 eliminiert werden. Allerdings zeigte sich General Motors offen für Angebote von Investoren oder Saturn-Händlern, die Marke zu übernehmen.
Auch Chrysler legte Sanierungsplan vor
Noch keine Einigungen hat General Motors mit der Gewerkschaft UAW und den Anleihegläubigern in mehreren Kernpunkten erzielt. Die amerikanische Regierung hat an ihren im Dezember gewährten Kredit die Bedingungen geknüpft, dass General Motors seine Schulden um zwei Drittel reduzieren kann und seine Lohn- und Gehaltsstruktur auf ein wettbewerbsfähiges Niveau bringt. Die dazu notwendigen Verhandlungen mit der UAW und den Gläubigern haben sich aber als zäh herausgestellt. General Motors stellt nun eine Lösung bis Ende März in Aussicht.
Neben General Motors hat am Dienstag auch der amerikanische Wettbewerber Chrysler einen Sanierungsplan vorgelegt. Chrysler hat im Dezember einen Staatskredit von 4 Milliarden Dollar bekommen, jetzt fordert das Unternehmen zusätzliche 5 Milliarden Dollar. Die frühere Tochtergesellschaft des deutschen Daimler-Konzerns kündigte zudem an, weitere 3000 Stellen abzubauen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.788,80 | +0,59% |
| FAZ-INDEX | 1.515,08 | +0,60% |
| TecDAX | 773,23 | −0,05% |
| MDAX | 10.356,30 | +0,39% |
| SDAX | 5.020,58 | +1,11% |
| REX | 421,13 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.522,34 | +0,37% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,31 | +0,42% |
| Dow Jones | 12.890,50 | +0,05% |
| Nasdaq 100 | 2.563,93 | +0,72% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 8.980,07 | −0,25% |
| EUR/USD | 1,3274 | −0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 118,09 $ | −0,51% |
| Gold | 1.748,00 $ | +0,11% |
| Bund Future | 137,23 € | −0,37% |