14.02.2007 · Daimler-Chrysler streicht bei seiner angeschlagenen amerikanischen Tochtergesellschaft Chrysler in den Vereinigten Staaten 13.000 Stellen. Ein Werk in Amerika soll geschlossen werden. Eine vollständige Trennung von Chrysler ist damit aber noch nicht vom Tisch.
Mit harten Einschnitten will Daimler-Chrysler sein Geschäft in den Vereinigten Staaten aus den roten Zahlen steuern und schließt sogar einen Verkauf der amerikanischen Tochter Chrysler nicht mehr aus. Bis zum Jahr 2009 sollen bei Chrysler 13.000 Stellen wegfallen, teilte der Autobauer am Mittwoch in Auburn Hills und Stuttgart mit. Das wäre jeder sechste Job in Nordamerika.
Danach hätte Chrysler nur noch halb so viele Beschäftigte wie bei der Übernahme durch Daimler vor neun Jahren. Die Sanierung von Chrysler sorgte in den Vereinigten Staaten für Schlagzeilen: In Anspielung auf einen Massenmord in Chicagos Bandenmillieu der 20er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts sprachen Medien bereits von einem „Massaker am Valentinstag“.
Zwei Werke sollen geschlossen werden
Neben den Stellenstreichungen sollen bei Chrysler zwei Werke geschlossen werden, anderswo Schichten wegfallen. Insgesamt sollen etwa 400.000 Autos pro Jahr weniger vom Band rollen. Mit Sprit sparenden Modellen will Chrysler die Kunden zurückgewinnen, die den Pick-Up-Trucks und Geländewagen zuletzt immer häufiger den Rücken gekehrt haben und zu den sparsameren asiatischen Autobauern abgewandert sind. Chrysler will noch in diesem Jahr acht neue Fahrzeuge und fünf weiterentwickelte Modelle auf den Markt bringen. Dabei stünden Sprit sparende Fahrzeuge im Zentrum, sagte Chrysler-Chef Tom LaSorda. 2009 soll Chrysler dann wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren.
Indirekt ging Zetsche auch auf Gerüchte ein, Daimler-Chrysler wolle seine verlustreiche amerikanische Tochter loswerden. Um das Sanierungsprogramm zu unterstützen und zu beschleunigen, würden „weitere strategische Optionen geprüft“, sagte er. „Dabei schließen wir keine Option aus. „ Details wollte er jedoch nicht verraten. Als er vor gut einem Jahr gesagt habe, eine Trennung von der amerikanische Tochter komme nicht in Frage, „wollten wir nur die Spekulationen im Keim ersticken“, sagte Zetsche.
Gute Nachrichten für deutsche Belegschaft
Den Angaben zufolge konnte der deutsch-amerikanische Autokonzern nur dank der guten Ergebnisse bei Mercedes, im Lkw-Geschäft und bei den Finanzdienstleistungen unter dem Strich 3,2 Milliarden Euro einfahren. Das waren gut 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Während Mercedes die Trendwende schaffte, fuhr Chrysler einen Betriebsverlust von mehr als einer Milliarde Euro ein. Der Konzern verkaufte, vor allem wegen des Einbruchs bei Chrysler, mit 4,7 Fahrzeugen rund zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Dennoch kletterte der Umsatz um ein Prozent auf 151,6 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen wie im Vorjahr eine Dividende von 1,50 Euro pro Aktie erhalten.
Im Gegensatz zu den Beschäftigten in Nordamerika hatte der Konzern für die Angestellten im Stammland Deutschland eine gute Nachricht parat: Die insgesamt gute Geschäftsentwicklung würdigte Daimler-Chrysler durch eine Verdoppelung der Gewinnbeteiligung. Mit dem Aprilgehalt sollen 132.000 Mitarbeiter in Deutschland eine Einmalzahlung von 2000 Euro erhalten, teilte das Unternehmen in Stuttgart mit. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Erich Klemm, würdigte dies als Anerkennung der Leistungen in der Belegschaft „ungeachtet aller Schwierigkeiten und Konflikte“.
An der Börse interessierten die Zahlen nur am Rande. Die Hoffnungen auf eine mögliche Abspaltung von Chrysler gaben der Daimler-Chrysler-Aktie einen kräftigen Schub. Das Papier schnellte an der Frankfurter Börse um gut 5,8 Prozent nach oben auf 52,08 Euro.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,85 | 0,00% |
| Dow Jones | 12.419,90 | −1,28% |
| EUR/USD | 1,2404 | +0,28% |
| Rohöl Brent Crude | 102,94 $ | −0,30% |
| Gold | 1.540,00 $ | 0,00% |
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