http://www.faz.net/-gqe-8mb46

Galaxy Note 7 : Samsungs Gewinn schrumpft um Milliarden wegen Handy-Katastrophe

  • Aktualisiert am

Samsung macht wohl umgerechnet 2 Milliarden Euro weniger Gewinn wegen der Handy-Katastrophe. Bild: dpa

Der Handy-Weltmarktführer nimmt sein Flaggschiff-Modell vom Markt. Und teilt nun auch mit, wie viel ihn die Katastrophe wohl kosten wird.

          Die Katastrophe mit seinem Smartphone-Flaggschiff Galaxy Note 7 verhagelt dem südkoreanischen Hersteller Samsung das dritte Geschäftsquartal. Wie der Konzern an diesem Mittwoch mitteilte, rechnet er nun mit umgerechnet beinahe 2,1 Milliarden Euro weniger Gewinn in der Zeit von Juli bis September.

          Damit dürfte das Ergebnis des Smartphone-Weltmarktführers gegenüber dem Vorjahr um fast ein Drittel geringer ausfallen. Samsung geht zudem von weniger Umsatz aus.

          Am Dienstag hatte der Apple-Erzrivale sein Galaxy Note 7, das eigentlich dem neuen iPhone Paroli bieten sollte, nach mehreren Bränden wegen mutmaßlich defekter Akkus aus dem Markt genommen. Der Verkauf der rund 800 Euro teuren Geräte werde dauerhaft gestoppt, erklärten die Asiaten. Der Versuch, defekte Geräte auszutauschen, war zuvor gescheitert, nachdem auch ein Ersatzhandy Feuer gefangen hatte.

          Südkoreas Regierung bangt

          Große Mobilfunk-Anbieter weigerten sich daraufhin, ihren Kunden das Gerät zu verkaufen. Zudem bekräftigten mehrere Fluggesellschaften, das Smartphone dürfe an Bord einer Maschine weder betrieben noch aufgeladen werden. Analysten zufolge könnte der Rückzug Samsung schlussendlich sogar bis zu 17 Milliarden Dollar Umsatz kosten.

          Samsung rechnet für das Sommerquartal jetzt noch mit einem Betriebsergebnis von 4,2 Milliarden Euro (5,2 Billionen Won). Der Umsatz dürfte sich nach neuer Schätzung auf 37 Milliarden Euro summieren.

          Der Samsung-Aktienkurs war am Mittwoch mit einem Minus von knapp einem Prozent aus dem Handel gegangen, seit Wochenbeginn haben die Anteile rund zehn Prozent ihres Wertes an der Börse verloren.

          Allerdings kam die Gewinnwarnung erst nach Börsenschluss in Seoul. Die südkoreanische Regierung sorgt sich bereits um mögliche Exporteinbußen durch die Probleme beim Vorzeige-Konzern des Landes.

          Investoren fordern unterdessen das Unternehmen auf, schnell die Hintergründe der Feuer aufzuklären. Die Kunden brauchten Gewissheit, dass die nächste Handy-Generation nicht von den Bränden betroffen sein wird, sagte etwa Kim Hyun Su, Fondsmanager von IBK Asset Management. Bislang schweigt Samsung zu den technischen Ursachen.

          Experten zeigen sich insbesondere verwundert darüber, dass auch die Austauschmodelle betroffen sind. Aus Kreisen der koreanischen Behörde für Technik und Sicherheit verlautete, möglicherweise handele es sich um zwei getrennte Probleme.

          Unter Fondsmanagern herrscht Einigkeit, dass der Weltmarktführer nun so schnell wie möglich die neuste Version seiner Smartphone-Premiumreihe S auf den Markt bringen dürfte. „Ich gehe davon aus, dass Samsung schnell die Galaxy S8 bereitstellen wird“, so Kim. Der Konzern verfüge über die dafür notwendigen Kapazitäten. Üblicherweise stellt Samsung ein neues Galaxy-S-Modell im ersten Quartal zur Fachmesse Mobile World Congress vor.

          Allerdings könnten andere Hersteller wie LG Electronics oder Google, die ebenfalls das Betriebssystem Android verwenden, die Pannenserie der Südkoreaner für den Versuch nutzen, sich Marktanteile zu sichern. Beide Konzerne haben gerade neue Produkte auf den Markt gebracht.

          Und auch Apple könnte profitieren. Branchenkenner Jan Dawson von Jackdaw Research verweist jedoch darauf, dass Kunden zögern, das Betriebssystem zu wechseln. Bislang habe Samsung das obere Preissegment mit Android für sich gebucht. Für andere Hersteller mit der Linux-Variante seien die Galaxy-Note-7-Brände daher eine Chance. Die Forschungsgruppe Trend Force geht davon aus, dass „ein großer Teil der Nachfrage jetzt auf drei große chinesische Marken entfallen wird - Huawei, Vivo und OPPO“.

          Weitere Themen

          Trump verschont Apple

          Keine Zölle in China : Trump verschont Apple

          Es muss ein diplomatischer Balanceakt für Tim Cook gewesen sein: Dem Apple-Chef ist es offenbar gelungen, Trump eine wichtige Ausnahme von Zöllen auf seine in China gefertigten Smartphones abzuringen.

          Das Leid des Amateurfußballs Video-Seite öffnen

          Trotz Heim-WM im Abseits : Das Leid des Amateurfußballs

          Russlands Fußball-WM kostet Milliarden - der Sport und die kleinen Vereine profitieren davon kaum. Ihre Stadien sind häufig baufällig, ihre Plätze veraltet. Sie hatten gehofft, etwas vom WM-Kuchen abzubekommen - Fehlanzeige.

          Topmeldungen

          Türkei-Wahl : Angst vor Manipulationen

          Die türkischen Parteien brüsten sich mit ihren Maßnahmen gegen Wahlbetrug. Das beruhigt längst nicht alle. Andere fürchten die Zeit nach der Wahl viel mehr.

          Fußball-WM im Liveticker : 1:1 – Xhaka gleicht aus

          Beide Mannschaften machen nach dem Wechsel da weiter, wo sie aufgehört haben. Viele Chancen und Zweikämpfe dominieren die Partie. Mit einem satten Distanzschuss trifft Xhaka zum Ausgleich. Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.