11.07.2009 · Die Verluste bei Sal. Oppenheim sind groß, die Finanzaufsicht ist besorgt und erste Kunden verlassen bereits die Privatbank. Trotzdem will Oppenheim-Chef Matthias von Krockow den Staat nicht zu Hilfe rufen.
Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheim, über die derzeitigen Finanznöte seines Instituts.
Graf Krockow, müssen wir uns um Ihr Bankhaus Sorgen machen?
Nein. Keinesfalls. Das Rating von Sal. Oppenheim wurde von „A“ auf „A-“ herabgestuft. Damit befinden wir uns aber immer noch unter den Top Ten der Banken in Deutschland. In dem aktuellen Marktumfeld halten wir die Herabstufung um nur einen Punkt für absolut akzeptabel.
In Berlin gab es vergangene Woche Spekulationen, die Bank brauche Hilfe vom Staat. Ist da etwas dran?
Nein. Die Privatbank Sal. Oppenheim steuert aus eigener Kraft durch die Finanzkrise und hat nicht die Absicht, staatliche Hilfen oder Garantien in Anspruch zu nehmen.
Bislang haben die Gesellschafter der Bank mit Kapital ausgeholfen. Können sie das weiterhin?
Ja. Die Gesellschafter stehen voll hinter der Bank und haben entschieden, dem Bankhaus den uneingeschränkten Rückhalt zu geben, damit es jederzeit handlungsfähig ist. Wenn die Situation es verlangt, stehen sie auch für eine weitere Kapitalerhöhung zur Verfügung. Das ist im Augenblick aber noch nicht notwendig.
Jetzt, im Augenblick noch nicht, aber im Laufe des Jahres?
Wir wissen auch, dass Regulierungsmaßnahmen und weitere Kapitalanforderungen auf die Bankenwelt zukommen. Wann, wissen wir nicht genau. Klar ist aber: Wir passen unsere Bank an die Marktverhältnisse an. Sowohl auf der Kapital- als auch auf der Risikoseite.
Besonders teuer wurden für das Bankhaus zuletzt die großen Beteiligungen, unter anderem an Arcandor. War es falsch, als Privatbank da so groß einzusteigen?
Als Sal. Oppenheim im Herbst 2008 die Beteiligung an Arcandor einging, haben die Bank und die Gesellschafter deutlich mehr Chancen als Risiken gesehen. Aber die Finanz- und Wirtschaftskrise hat unsere Beteiligungen stärker getroffen als gedacht. Das ändert jedoch nichts an unserer langfristigen Strategie.
Wie viel Geld haben Sie mit Arcandor verloren?
Für die Bank ist ein überschaubarer Marktwertverlust entstanden. Dazu kommt ein Kredit über 20 Millionen Euro, den Arcandor von uns in Anspruch genommen hatte.
Werden Sie weitere Stellen in der Bank streichen?
Zu Beginn des Jahres haben wir uns eine Kostensenkung in Höhe von 100 Millionen Euro zum Ziel gesetzt. Dabei ist ein Abbau von Arbeitsplätzen auf der Grundlage von freiwilligen Betriebsvereinbarungen unvermeidlich. Wenn dieses Ziel im Herbst nicht erreicht ist, müssen wir eine neue Sparrunde einleiten.
Im Investmentbanking musste das Bankhaus herbe Einbußen hinnehmen. Ändern Sie die strategische Ausrichtung?
Unser Investmentbanking schreibt schwarze Zahlen. Seit der Krise gibt es allerdings in der Finanzwelt eine neue Normalität, an die müssen wir uns anpassen. An unserem Geschäftsmodell wird sich aber grundsätzlich nicht viel ändern. Wir bleiben eine integrierte Vermögensverwaltungs- und Investmentbank. Lediglich Geschäfte, die sich als besonders problematisch erwiesen haben, werden wir in Zukunft vermeiden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.374,23 | −1,43% |
| Dow Jones | 12.456,90 | −0,98% |
| EUR/USD | 1,2419 | −0,55% |
| Rohöl Brent Crude | 103,94 $ | −2,72% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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