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Safi Airways Nonstop ins Krisengebiet am Hindukusch

Die afghanische Fluggesellschaft Safi Airways bietet die einzige Direktflugverbindung von Frankfurt nach Kabul. Ein Neustart in einem heiklen Markt.

© Vergrößern Liegt als einzige (afghanische) Fluglinie Frankfurt-Kabul direkt: Safi Airways

Ein schwarzer Sarg verlässt an diesem Tag als Erstes den Frachtraum der Boeing 767, die gerade auf dem Flughafen von Kabul gelandet ist. Im Gegensatz zu den zuletzt bei Kundus getöteten Bundeswehrsoldaten, deren Särge von hier aus nach Deutschland transportiert wurden, ist die darin liegende Person eines natürlichen Todes gestorben.

Die Zeit drängt, Muslime müssen doch innerhalb von 24 Stunden ihre Toten bestatten. Der neu eingerichtete Direktflug der Safi Airways von Frankfurt aus in die Hauptstadt von Afghanistan ist zwar die mit Abstand schnellste Verbindung in das geschundene Land am Hindukusch, er dauert aber trotzdem noch rund siebeneinhalb Stunden. Der Lademeister gibt schroff Anweisungen und treibt seine Helfer an, bis der Tote aus Frankfurt schließlich übers Vorfeld transportiert und hinter einem Tor gleich neben dem noblen neuen Terminal II verschwunden ist.

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2006 von reicher Familie gegründet

Der schmucke Neubau ist ein Geschenk Japans an Afghanistan. Obwohl längst betriebsbereit, ist er bis vor kurzem nicht benutzt worden, weil niemand so recht wusste, wie. Erst als die von der gleichermaßen vermögenden wie einflussreichen afghanischen Familie Safi 2006 gegründete Fluggesellschaft nun den Direktflugverkehr zwischen Frankfurt und Kabul aufnahm, änderte sich das. Nicht von selbst allerdings. Tilmann Gabriel, deutscher Chef von Safi Airways, musste in diesem Fall wie in unzähligen anderen Fällen den Einfluss seiner mächtigen Brötchengeber nutzen, um etwas zu bewegen. Die Familie, die unter anderem im Erdöl- und im Hotelgeschäft engagiert ist, hat Safi Airways vorerst mit 100 Millionen Dollar Eigenkapital ausgestattet, wovon 20 Millionen tatsächlich eingelegt sind. Der Rest sei unmittelbar abzurufen, heißt es.

kabul airport neu © Vergrößern Geschenk Japans an Afghanistan: das neue Terminal in Kabul

Gabriel war 20 Jahre bei der Lufthansa als Pilot und in der Verwaltung tätig und hat später in Abu Dhabi und Dubai Fluggesellschaften mit aufgebaut. Er wusste also in etwa, worauf er sich einließ, als er bei Safi Airways anheuerte, um daraus eine Fluggesellschaft zu machen, die internationalen Sicherheits- und Qualitätsstandards genügt. Das erste Ziel hat er erreicht: Die Airline verbindet nun dreimal in der Woche die drei Millionen Einwohner zählende Stadt Kabul mit Frankfurt. Ein Schritt mit erheblichem finanziellem Risiko in einer Zeit, in der keine Fluglinie Geld verdient und die Verbindungen eher weniger als mehr werden.

Unterstützt wird Gabriel in seinem Bemühen nicht nur vom deutschen Botschafter in Kabul, Werner Hans Lauk, sondern auch vom afghanischen Präsidenten. Hamid Karzai, der sich im August zur Wiederwahl stellt, schätzt die Sicherheit und den Komfort der Airline bei seinen Dienstreisen, wie es heißt.

EU-Sicherheitsstandards erfüllt

Tatsächlich erfüllt Safi Airways als einzige afghanische Airline die Sicherheitsstandards der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO und verfügt über die entsprechende Zertifizierung. Die für die Direktverbindung zwischen Kabul und Frankfurt benutzte Boeing 767 ist gut 20 Jahre alt und wurde früher von Air China eingesetzt. Inzwischen ist sie in Frankfurt stationiert und wird von der Lufthansa Technik gewartet. Angesichts mancher auf dem Flughafen Kabuls zu beobachtenden Reparaturarbeiten an Flugzeugen anderer Airlines ein überzeugendes Marketing-Argument.

Auf dem Flug von Frankfurt finden sich dieses Mal vor allem mehrere große Familien afghanischer Herkunft. Westliche Designerkleidung, Schmuck, Uhren, Handys und der Apple-i-Pod an den Jeans der Kinder weisen sie als privilegiert aus. Ein Alleinreisender in Anzug und Krawatte verrät, dass er aus Amsterdam komme und seine alte Heimat nur kurz besuche. Er sei Geschäftsmann, sagt er, will aber nicht konkreter werden. Andere Passagiere schließen sich der vagen Auskunft an, sind freundlich, mögen aber nicht über Persönliches Auskunft geben. Am Flughafen in Kabul mischen sie sich rasch unter Passagiere der nationalen Flüge. Dort überwiegen Turbane, Wollmützen, wallende Gewänder und Bärte bei den Männern und die Burka, der Ganzkörperschleier, bei den Frauen.

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