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SachsenLB Der Minister und sein Sparkassenonkel

24.08.2007 ·  Die Vorsitzenden von Verwaltungsrat und Vorstand der SachsenLB, Horst Metz und Herbert Süß, stehen mit dem Rücken zur Wand. Die Bank steckt in der schwersten Krise ihrer Geschichte. Doch die beiden müssen eigentlich nichts befürchten. Denn ihr Alter schützt sie.

Von Christian Geinitz
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Herbert Süß, der am Tag der Deutschen Einheit 68 Jahre alt wird, hatte sich seinen Lebensabend sicher anders vorgestellt. Die Sächsische Landesbank, dessen Vorstandsvorsitzender er ist, steckt in der schwersten Krise ihrer kurzen, aber an Krisen nicht gerade armen Geschichte. Nur eine Kreditlinie der verschwisterten Sparkassengruppe über 17,3 Milliarden Euro hat verhindern können, dass die Bank, die sich im Ausland verspekuliert hatte, zusammenbrach.

17,3 Milliarden Euro: Das ist fast ein Viertel der Bilanzsumme der kleinsten deutschen Landesbank und übertrifft sogar den Gesamthaushalt des Freistaats Sachsen. Noch ist unklar, welche Verluste entstehen werden und ob weitere, womöglich noch größere Risiken bestehen. Schon fürchten die Anteilseigner um ihre Ausschüttungen. Unterdessen musste der für das Kapitalmarktgeschäft zuständige Vorstand Stefan Leusder seinen Hut nehmen. Die Opposition fordert weitere Köpfe in Vorstand und Verwaltungsrat, während sich Sachsens Koalition aus CDU und SPD vor einer Zerreißprobe sieht.

Loyaler Herbert Süß kann nur schwer nein sagen

Süß steht vor einem Scherbenhaufen - gerade als er glaubte, das unordentliche Haus nach den Skandalen der Vergangenheit wieder aufgeräumt zu haben. Dabei wäre es für den ruhigen, untersetzten Herrn, der nie viel Aufhebens um seine Person macht, ein Leichtes gewesen, rechtzeitig die Segel zu streichen. Vor zwei Jahren hätte er sich bequem in den Ruhestand verabschieden können, gefeiert als Vorstandsvorsitzender der Ostsächsischen Sparkasse in Dresden, die er mit Fusionen und einer klugen Ausrichtung zur größten Sparkasse in den neuen Ländern ausgebaut hatte.

Doch Süß hat den Großteil seines Lebens in gewerkschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Banken gearbeitet und dort eine große Loyalität entwickelt, die ihn schwer nein sagen lässt, wenn er gebraucht wird. Als Krisenmanager der SachsenLB wurde er 2005 offenbar dringend gebraucht: Das Institut hatte zu dieser Zeit einen Vorstand nach dem anderen wegen Missmanagements und unappetitlicher Verquickung privater und beruflicher Interessen geschasst. Die gerichtliche Auseinandersetzung mit einem Miteigentümer um die Leasingtochtergesellschaft MDL ließ sich nur über einen kostspieligen Vergleich erreichen.

Prügel einstecken und den Sturm vorbeiziehen lassen

Flankiert wurde sie von juristischen, politischen und persönlichen Schlammschlachten, die in einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss mündeten, der bis heute besteht. Gleichzeitig konnte die einzige ostdeutsche Landesbank im Markt nur bestehen, weil das Land seine Kapitalbeteiligung erhöhte. Dadurch schaffte sie mit Mühe eine ausreichende Bonität für die Zeit nach dem Ende der staatlichen Ausfallgarantien - jetzt, nach dem neuen Skandal, wurde sie wieder heruntergestuft.

Für die Anteilseigner der SachsenLB, das Land, die Sparkassen und Kommunen, war Süß eine bequeme Lösung und ist es noch. Deshalb zweifeln viele, dass auch er abgelöst wird. Denn Süß hat seines Alters wegen nichts zu verlieren. Der Schleudersitz, den jeder potentielle Nachfolger meiden wird, solange das Desaster nicht ausgestanden ist, kann ihn nicht mehr schrecken: Er steckt die Prügel ein, lässt den Sturm vorüberziehen und wird sich dann - endlich - in den Ruhestand verabschieden.

Schuhe für den „Sparkassen-Onkel“ wohl zu groß

Freilich sind Zweifel an seiner Arbeit angebracht. Dass hochrentierliche Kapitalmarktgeschäfte mit großen Risiken verbunden sind, gehört zum kleinen Einmaleins. Man kann sich nicht dadurch rechtfertigen, dass die Papiere als besonders verlässlich eingestuft gewesen seien. In der Branche wird deshalb gesagt, die Schuhe in einem international operierenden Finanzhaus seien für den „Sparkassen-Onkel“ offenbar doch etwas zu groß gewesen.

Nur seine Lehre und erste Tätigkeit übte Süß zwischen 1955 und 1962 in einer klassischen privaten Geschäftsbank aus, der Dresdner Bank in Mannheim. Danach wurde er Niederlassungsleiter der gewerkschaftseigenen Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) in Sindelfingen und führte die BfG-Niederlassung in Hongkong. Nach weiteren vier Jahren in der BfG und nach der Wiedervereinigung wechselte er als Vorstandsvorsitzender zur Stadtsparkasse Dresden. Seit 2000 sitzt er zudem im Vorstand der Sachsen Finanzgruppe (SFG), einer Holding der sächsischen Sparkassen und der SachsenLB.

Metz hat nicht immer die beste Figur gemacht

Der wichtigste Anteilseigner ist über seine direkten und indirekten Beteiligungen der Freistaat Sachsen, vertreten durch den Verwaltungsratsvorsitzenden und Finanzminister Horst Metz (CDU). In vielen Dingen Süß ähnlich, verfügt der 62 Jahre alte gebürtige Mecklenburger nicht gerade über große Ausstrahlung, ist aber ein loyaler Arbeiter. Loyal ist er in erster Linie seinem Vorgänger im Amt und heutigen Ministerpräsidenten Georg Milbradt (CDU) gegenüber. Dieser setzte 1992 als Finanzminister die Gründung der SachsenLB gemeinsam mit Landesvater Kurt Biedenkopf (CDU) durch - gegen viele Zweifler, die sich heute bestätigt fühlen.

In der langen Reihe der Merkwürdigkeiten bei der SachsenLB hat Metz nicht immer eine gute Figur gemacht. Dass der gelernte Wasserbaufacharbeiter und Bauingenieur die Krisen überlebte, verdankt er der schützenden Hand Milbradts, welcher Standfestigkeit und Treue zu schätzen weiß, aber auch dem Rückhalt in der Partei der CDU, deren Mitglied Metz schon in der DDR war.

Landeshaushalt ausgleichen, Schuldenbremse treten

Kaum weniger wichtig dürfte sein, dass er als Finanzminister gute Arbeit abliefert. Früher als geplant konnte er den Landeshaushalt ausgleichen und auf die Schuldenbremse treten. Nach Bayern weist Sachsen die geringste Pro-Kopf-Verschuldung auf und ist das einzige Ost-Land, das seit Jahren die Solidarpaktmittel gesetzeskonform für Investitionen und nicht für Personalausgaben ausgibt. Wie Süß schützt auch Metz das Alter vor größeren Beschädigungen aus der unendlichen Krisen-Geschichte der SachsenLB.

Wenn er jetzt durchhält, kann er 2008, wenn die nächste Kabinettsumbildung ansteht, mehr oder minder erhobenen Hauptes in Pension gehen. Aber nur dann, wenn in dem imposanten Leipziger Hochhaus SachsenLB nicht noch mehr Leichen im Keller gefunden werden - und wenn er das gescheiterte Abenteuer einer selbständigen ostdeutschen Landesbank möglichst schnell durch einen Verkauf beendet.

Quelle: F.A.Z., 25.08.2007, Nr. 197 / Seite 16
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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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