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Streik in Deutschland : Ryanair-Chef hält Gewerkschafts-Forderungen für „aberwitzig“

Harter Verhandler: Ryanair-Chef Michael O’Leary Bild: AFP

Der Chef der Billigflug-Gesellschaft Ryanair gibt sich stur. Obwohl am Mittwoch mindestens 150 Flüge ausfielen, will er mit Blick auf die Gehaltsforderungen der Arbeitnehmer „nicht nachgeben“. Nicht mal über die Sprache in einer Schlichtung ist man sich einig.

          Mindestens 150 Flüge der Gesellschaft Ryanair sind wegen des ersten gemeinsamen Streiks deutscher Piloten und Flugbegleiter am Mittwoch ausgefallen. Weit mehr als 10.000 Passagiere dürften daher mit dem irischen Billigflieger nicht wie ursprünglich geplant an ihr Ziel gelangt sein. Begleitet wurde der Streiktag von weiteren wortreichen Scharmützeln zwischen Fluggesellschaft und Arbeitnehmervertretern. Unternehmenschef Michael O’Leary bezeichnete Forderungen der deutschen Gewerkschaften VC für die Piloten und Verdi für die Flugbegleiter als „aberwitzig“. Ryanair habe schon Entgegenkommen gezeigt. In Bezug auf Gehaltsforderungen sagte er aber: „Wir werden nicht nachgeben.“

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ryanair vergütet nach eigener Darstellung Piloten besser als mancher Wettbewerber. Als Beispiel wählt die irische Gesellschaft gern einen Vergleich mit der Lufthansa-Billigmarke Eurowings.

          Verärgert reagierten die Gewerkschaften auf Ankündigungen von Ryanair, dass Streiks zu Einschnitten bei Stationen und Personal in Deutschland führen könnten. „Es ist ein absoluter Skandal, wenn Mitarbeiter bedroht werden, die ihren Grundrechten nachgehen“, sagte VC-Vizepräsident Markus Wahl. Verdi-Tarifsekretärin Katharina Wesenick sagte: „Die Zeit der absoluten Einschüchterung ist vorbei.“

          O’Leary gab sich davon unbeeindruckt. Einerseits sagte er, dass es wegen eines Streiktags nicht zu Kürzungen kommen werde. Andererseits bekräftigte er, dass weitere Streiktage Folgen haben könnten.

          Gewerkschaften lehnen irischen Moderator ab

          Ryanair fliegt 19 deutsche Flughäfen an und hat an elf Basen hierzulande Flugzeuge stationiert. Die größte Basis ist mit zehn Flugzeugen Frankfurt.

          Ryanair forderte die Gewerkschaften auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Dort dürfte es um weit mehr als die Gehälter gehen. Wie aus einem Informations-Rundschreiben der VC an Piloten hervorgeht, steht vor Gesprächen über Inhalte von Tarifverträgen ein Disput über das angeregte Schlichtungsverfahren. Die Gewerkschaft fordert „eine Gesamtlösung zu Manteltarifvertrag, Vergütungstarifvertrag und Tarifvertrag Personalvertretung“. Darin sollen Regelungen zu Arbeits- und Urlaubszeiten sowie Stationierungen getroffen werden.

          Ryanair habe hingegen angedeutet, dass das Unternehmen eine Vereinbarung zu Einzelthemen in die Schlichtung einbringen möchte, wie es im Konflikt mit den irischen Piloten gewesen sei. „Damit wären die allermeisten Themen so wie in Irland weiter ungelöst“, heißt es in dem VC-Schreiben. Auch über die Schlichtungssprache gibt es Dissens. Die Pilotengewerkschaft will Tarifverträge nach deutschem Recht und in deutscher Sprache und lehnt deshalb den von Ryanair vorgeschlagenen irischen Mediator ab.

          Andere Unternehmen versuchten derweil, die Ausfälle von Ryanair-Flügen werbewirksam für sich zu nutzen. So bot das Fernbusunternehmen Flixbus Reisenden, die nicht wie erhofft starten konnten, eine kostenlose Fahrkarte für den Streiktag an. Für den Donnerstag rechnet Ryanair mit keinen streikbedingten Beeinträchtigungen. Die Gewerkschaften VC und Verdi hatten angekündigt, ihren Ausstand zunächst um 3 Uhr in der Nacht zum Donnerstag zu beenden.

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