02.03.2007 · Zuletzt verabschiedete der Bundestag die Förderung von Rußpartikelfiltern. Das hat nun den Automobilzulieferer Twin-Tec bestärkt, noch in diesem Jahr an die Börse gehen. Denn großes Potential ist ohne Frage vorhanden.
Von Henning PeitsmeierDer Automobilzulieferer Twin-Tec will noch in diesem Jahr an die Börse gehen. Das sagte der Vorstandsvorsitzende Edmund Schnürer dieser Zeitung. Der Zeitpunkt scheint gut gewählt: Twin-Tec ist eine mittelständische Gesellschaft, die emissionsreduzierende Technologien entwickelt und sich insbesondere auf die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen mit umweltfreundlichen Partikelfiltern konzentriert. Die vom Bundestag am Donnerstag verabschiedete Förderung von Diesel-Rußpartikelfiltern ist daher Wasser auf die Mühlen der Twin-Tec AG. „Rußpartikelfilter sind schon heute ein wichtiges Standbein, und sie werden künftig unser Wachstum entscheidend prägen“, sagte Schnürer.
Das Unternehmen mit Sitz in Königswinter am Rhein wird von der Investmentbank Equinet an den Kapitalmarkt begleitet. Equinet war im vorigen Jahr auch an den Börsendebüts der Umwelt- und Technologiefirmen Nanogate, Biogate, Viscom sowie Roth & Rau beteiligt. Für Twin-Tec ist eine Notierung im Entry Standard geplant.
„Charakter eines Familienunternehmens wahren“
Den Emissionserlös will Twin-Tec für die Finanzierung des erwarteten Wachstums einsetzen. Im vergangenen Geschäftsjahr hat der Autozulieferer den Umsatz bereits um 23 Prozent auf 45 Millionen Euro gesteigert. Auch sei das Unternehmen trotz hoher Entwicklungsaufwendungen seit 2004 durchgehend profitabel, sagte Schnürer. Genauere Angaben machte er mit Rücksicht auf die geplante Börsennotierung nicht.
Schnürer ist Mehrheitsaktionär der Twin-Tec AG. 67,5 Prozent der Anteile sind in seinem Besitz, den Rest halten zwei Beteiligungsgesellschaften sowie Schnürers Vorstandskollege Uwe Israel. Der Vorstandsvorsitzende wird im Zuge einer Kapitalerhöhung Anteile abgeben. „Aber Twin-Tec soll auch nach dem Börsengang den Charakter eines Familienunternehmens wahren“, sagte Schnürer.
Twin-Tec kein reiner Entwicklungsdienstleister
Das Unternehmen wurde erst 1995 von seinem Bruder Christian, einem Wirtschaftsprüfer, als Ein-Mann-Betrieb gegründet. Schnell ging es bergauf. Heute beschäftigt Twin-Tec 65 Mitarbeiter, überwiegend Ingenieure. Herzstück sind Produkte aus der Beschichtungstechnologie, die in einem Werk in Königswinter zum Teil auch selbst hergestellt werden. Deshalb wehrt sich Schnürer, der 1998 in das Unternehmen eintrat, gegen die Bezeichnung eines reinen Entwicklungsdienstleisters.
Gleichwohl hat sich Twin-Tec auf den Teil der Wertschöpfungskette konzentriert, der die Entwicklung und Applikation moderner Abgastechnologie vorsieht. Twin-Tec-Produkte wenden sich an den sogenannten „After-Sales“-Markt, also überwiegend den Autoteile-Fachhandel und Großhandel.
„Für 5 Millionen kommen unsere Produkte in Frage“
Nicht nur wegen der nun beschlossenen steuerlichen Förderung sieht Schnürer großes Potential für sein Unternehmen. Studien zufolge fahren allein in Deutschland heute 9 Millionen Dieselautos ohne Filter auf den Straßen. „Für 5 Millionen kommen unsere Produkte in Frage“, sagte Schnürer. Durchschnittlich 650 Euro kostet der Rußpartikelfilter, den Twin-Tec für mittlerweile sieben Autohersteller anbietet. Die Fördersumme von 330 Euro deckt somit in vielen Fällen schon die Hälfte der Nachrüstkosten. Twin-Tec ist aber nicht nur im Diesel-Geschäft präsent.
Auch für Benziner bietet das Unternehmen die Nachrüstung mit einem Kit an, der die Schadstoffnorm verbessert. Es sind Kaltlaufregler, die den Motor nach dem Start schneller auf die Betriebstemperatur bringen und damit den Ausstoß schädlicher Abgase reduzieren. Neben dem Ersatzteilgeschäft hat Twin-Tec-Chef Schnürer auch die jungen Märkte Osteuropas im Blick. Sie will er erschließen, sobald die Mittel aus dem Börsengang für das geplante Wachstum bereitstehen.