Die Ära Luschkow geht nicht mit einem Knalleffekt, sondern wohl mit dem Verkauf von Bau- und Immobilienunternehmen zu Ende. Jelena Baturina, die Frau des früheren Moskauer Bürgermeisters Jurij Luschkow, will den Baukonzern Inteko an Michail Schischchanow, den Mitinhaber der mittelgroßen Binbank und Neffen des Erdölmagnaten Michail Guzerijew, und an das staatlich kontrollierte Finanzinstitut Sberbank veräußern. Schischchanow soll 95 Prozent erhalten, die Sberbank 5 Prozent.
Baturina konnte während der 18 Jahre andauernden Regentschaft Luschkows in Moskau ein Wirtschaftsimperium aufbauen, welches immer wieder zu Beschuldigungen führte, sie habe vor allem wegen der Nähe zu den „administrativen Ressourcen“ der Stadt Moskau so viel Erfolg gehabt. Baturina gilt als die einzige Milliardärin Russlands. Gegen die Korruptionsvorwürfe hatten sich Baturina und Luschkow stets heftig, auch mit juristischen Mitteln, gewehrt. Im vergangenen Jahr hatte jedoch der russische Präsident Dmitrij Medwedjew in unwirscher Manier den Langzeitbürgermeister abgesetzt. Korruptionsanschuldigungen wurden gemacht. Schon unmittelbar nach der Absetzung Luschkows wurde darüber spekuliert, wie es mit der Unternehmensgruppe von Baturina weiter gehen werde.
Wie viel die Milliardärin für die Bauunternehmen Inteko und Patriot erhalten wird, ist noch unklar. In einer Pressemitteilung der Sberbank hieß es, der Marktwert betrage 1,2 Milliarden Dollar. Der Käufer wird jedoch auch die Schuldenlast übernehmen, was wohl zu einem geringeren Betrag für Baturina führen wird. Schischchanow ließ sich dahingehend zitieren, dass alle im Bau befindlichen Objekte fertig gestellt und alle Verbindlichkeiten fristgerecht bedient werden.
Der Banker ist schon in Immobilienprojekten involviert, mit Inteko will er sich nach eigenen Aussagen auch mit Bauaufträgen an der politisch gewollten Ausweitung der Stadt Moskau beteiligen. Baturina teilte zwar mit, dass sie weiterhin Investitionsprojekte in Russland und im Ausland verfolgen werde. Der Verkauf ist jedoch wohl als Klärung der Verhältnisse in Russland zu betrachten. Sie behält offenbar noch russische Zementfabriken, diese sollen aber auch zum Verkauf stehen. Zudem ist sie an Immobilienprojekten in Österreich, Marokko, Tschechien und Kasachstan beteiligt. Mit dem Verkauf von Inteko wird die Absetzung Luschkows auch kommerziell vollzogen. Machtwechsel sind in Russland meist mit einer Umverteilung von Vermögenswerten verbunden. Die Beteiligung der Staatsbank Sberbank lässt darauf schließen, dass die politische Führung der Transaktion zugestimmt hatte.