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Veröffentlicht: 11.09.2016, 10:48 Uhr

Rüstungswettlauf Waffenhersteller kämpfen um Milliardenaufträge in Asien

Die Hersteller DCNS aus Frankreich und TKMS aus Deutschland liefern sich im globalen Rüstungsgeschäft einen Schlagabtausch, der einem packenden Wirtschaftskrimi ähnelt.

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© dpa Ein U-Boot des französischen Herstellers DCNS.

Die Hersteller DCNS aus Frankreich und TKMS aus Deutschland liefern sich im globalen Rüstungsgeschäft einen Schlagabtausch, der einem packenden Wirtschaftskrimi ähnelt. Dabei bleiben allerdings die Rollen für Opfer und Schurken sowie die genaue Zahl der Akteure, die hinter den Kulissen die Fäden ziehen, noch im Dunkeln.

Ulrich Friese Folgen:

Der aktuelle Tatort liegt in Indien und Australien. In diesen Ländern haben sich beide Hersteller mit ihren Jagd-U-Booten als beste Lieferanten qualifiziert. Während sich die Franzosen im Weltmarkt mit atomgetriebenen U-Booten profilierten, hat der deutsche Rivale ähnliche Spitzenprodukte mit konventionellen Antrieben zu bieten.

Zwei Mal konnte der Staatskonzern DCNS das Rennen für sich entscheiden. Wohl auch deshalb, weil es an tatkräftiger Unterstützung der französischen Regierung nicht gefehlt hat. Die gute Stimmung in Paris trübt jetzt ein Datenskandal in Indien, der den Marineausrüster als unsicheren Kantonisten erscheinen lässt und den Rivalen aus Deutschland als schlechten Verlierer in Verruf zu bringen droht.

Datenskandal in Indien lässt beide Konkurrenten schlecht dastehen

Unter mysteriösen Umständen gelangten Details zum indischen Rüstungsgeschäft an die Öffentlichkeit. Dabei wurden militärisch sensible Details zu U-Booten des Typs „Scorpène“ enthüllt, die DCNS mit seinem spanischen Partner Navantia herstellt. Diese haben zwar wenig gemeinsam mit jenen Booten der „Barracuda“-Klasse von DCNS, für die sich kürzlich die australische Marine entschieden hat. Hier war angeblich von Vorteil, dass der französische Hersteller in der Lage ist, auch atomgetriebene Boote zu liefern, heißt es. Beide Seiten führen seitdem jedenfalls über den Großauftrag von rund 34 Milliarden Euro exklusive Verhandlungen.

Mitten in diese heikle Phase platzte der Datenskandal in Indien. Politiker und Militärs in Canberra sind nach den spektakulären Enthüllungen alarmiert: Sie befürchten ähnliche Lecks bei ihrem Projekt – was große Zweifel an der Zuverlässigkeit und dem Geschäftsgebahren von DCNS schürt. Sie fordern auch, dass die Ursachen lückenlos aufgeklärt und die Sicherheitsstandards für das geplante U-Boot-Geschäft in Australien verschärft werden. Zwangsläufig geriet damit auch die Thyssen-Krupp-Tochtergesellschaft TKMS ins Zwielicht: In ihrem Umfeld wurden die Drahtzieher für den Datenskandal vermutet. Ein Vorwurf, den die deutsche Seite vehement bestreitet.

Viele asiatische Staaten stocken ihre Rüstungsetats auf

Der Vorfall zeigt, mit welch harten Bandagen um die lukrativen Staatsaufträge in Asien gekämpft wird. Schließlich dürften dort die militärischen Großprojekte auf absehbare Zeit durchweg zweistellige Milliardenbeträge erreichen. Neben arabischen Wüstenstaaten zählen Militärs in Indien, Japan oder Korea zu den größten Waffenkäufern, geht aus aktuellen Studien der schwedischen Friedensforscher Sipri hervor. Aufgeschreckt durch die schnelle Aufrüstung Chinas, stocken viele ihre Rüstungsetats auf.

In diesem Umfeld werden die Exporterfolge der französischen Waffenverkäufer von Rüstungskonzernen aus dem Westen mit Argusaugen verfolgt. Vor allem Ausrüster aus den Vereinigten Staaten spüren den größten Druck, mit Staatskunden aus dem Fernen Osten ins Geschäft zu kommen. Für die Militärstrategen in Washington ist das Interesse an einer starken Präsenz ihrer Industrie ohnehin groß, seitdem sich das Reich der Mitte anschickt, zur dominanten Kraft im Südchinesischen Meer zu werden. Was für amerikanische Rüstungsriesen wie Lockheed-Martin, Northrop Grumman & Co. den Drang zur Expansion erhöht: In ihrer Heimat schrumpfen die Militärausgaben seit Ende des Irak-Krieges drastisch, auch wenn der Etat mit rund 600 Milliarden Dollar im internationalen Vergleich immer noch Rekordhöhe erreicht. Für Ausgleich muss das Neugeschäft im Nahen und Fernen Osten sorgen.

Frankreich konkurriert mit Russland und den Vereinigten Staaten

Frankreich rückte in jüngster Zeit neben den Vereinigten Staaten und Russland zu den wichtigsten Waffenlieferanten in Asien auf. Als wichtiger Ausrüster der indischen Militärs liefern französische Unternehmen nicht nur U-Boote, sondern auch Kampfjets des Typs Rafale an die Luftwaffe. Diesen Milliardenauftrag hatte Dassault Aviation nach heftigem Bietergefecht mit dem Eurofighter-Konsortium und dank des Rückenwinds seiner Spitzenpolitiker an Land gezogen.

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Der schwelende Datenskandal könnte auf weitere Rüstungsgeschäfte der Franzosen in der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens abstrahlen, sagen Kenner der Branche. Nutznießer einer solchen Entwicklung wären ehemalige Bieterrivalen oder amerikanische Ausrüster, die in wichtigen Ländern ohnehin verstärkt Flagge zeigen. Beispielsweise kündigte Lockheed-Martin unlängst an, eine Montage für seine F-16-Flugzeuge in Indien zu errichten. Käme es tatsächlich zur Stornierung des Rafale-Auftrags, stände dann mit dem amerikanischen Kampfjet eine Alternative vor Ort parat.

Auch über eine zweite Chance für den Marineausrüster von Thyssen-Krupp wird spekuliert. Anders als in Frankreich könnten die Manager bei einem Comeback in der Region allerdings wohl kaum mit dem Rückenwind der zuständigen Minister aus Berlin rechnen.

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Von Henning Peitsmeier, München

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