Home
http://www.faz.net/-gqi-749vm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Rüstungsindustrie Lockheed Martin bekommt eine Frau als Chefin

Die Welt der Rüstungsindustrie schien lange eine Männerdomäne. Doch jetzt bekommt schon beim zweiten großen amerikanischen Konzern eine Frau den Spitzenjob. Der Weg wurde frei, weil der designierte Chef von Lockheed Martin über eine Affäre stolperte.

© dpa Vergrößern Lockheed-Martin-Düsenjäger

Amerikas größter Rüstungskonzern Lockheed Martin bekommt eine Frau als Chefin. Die 58-jährige Marillyn Hewson übernimmt den Spitzenjob im Januar, nachdem der designierte Konzernchef Christopher Kubasik wegen einer Affäre im Unternehmen geschasst wurde. Der Konzern baut unter anderem Kampfjets, Drohnen, Raketen und gepanzerte Fahrzeuge und ist der größte Lieferant des amerikanischen Verteidigungsministeriums.

Frauen sind gerade auf dem Vormarsch in den lange von Männern dominierten Chefetagen der amerikanischen Rüstungsindustrie: Ebenfalls im Januar wird bei Konkurrenten General Dynamics Phebe Novakovic die Führung übernehmen.

File of Lockheed Martin's Executive Vice President of Electronic Systems Hewson at the Farnborough Airshow in southern England © Reuters Vergrößern Marillyn Hewson

Der 51-jährige Kubasik, der bisher für das Tagesgeschäft von Lockheed Martin zuständig war, habe in der Firma eine persönliche Beziehung gehabt, die gegen den Ethik-Codex verstoßen habe, erklärte Lockheed Martin am Freitag. Die betroffene Person habe das Unternehmen bereits verlassen, hieß es ohne nähere Details. Lockheed Martin habe im Oktober einen Hinweis auf eine längere Affäre des verheirateten Kubasik aus dem Unternehmen erhalten, sagte der scheidende Konzernchef Robert Stevens.

Der straffe Zeitplan bedeutet für Hewson einen Sprung ins kalte Wasser - Kubasik wurde schon seit April offiziell für den Chefposten vorbereitet. Hewson, die seit fast 30 Jahren bei Lockheed Martin ist, sollte ursprünglich im Januar Kubasiks bisherigen Posten als Chief Operating Officer übernehmen. Nun bekommt sie ihn übergangsweise schon jetzt und leitet zusätzlich weiterhin die Sparte Elektronik-Systeme. Das ist der größte Bereich von Lockheed Martin, zu dem unter anderem Raketen, Marine-Technik sowie Systemintegration gehören. Auch Kubasik hatte einst diese Sparte geführt.

Hewson, Mutter von zwei Kindern, wird den Rüstungsriesen mit mehr als 120.000 Mitarbeitern und über 45 Milliarden Dollar Umsatz durch schwierige Zeiten mit sinkenden Verteidigungsausgaben steuern müssen. Sie hatte sich bereits 2009 als Frau für harte Entscheidungen bewiesen: Damals musste Hewson fast ein Viertel der Jobs in ihrer Sparte Systemintegration streichen. Hewson hatte keine einfache Kindheit. Ihr Vater starb, als sie neun war und ihre Mutter blieb mit fünf kleinen Kindern zurück, wie Hewson einmal in einer Rede vor Studenten erzählte.

Kubasiks Abgang kam am Freitag nur wenige Stunden nachdem CIA-Chef David Petraeus wegen einer außerehelichen Affäre zurücktrat. Es ist nicht das erste Mal in der jüngsten Vergangenheit, dass Amerikas Konzernchefs eine heimliche Beziehung zum Verhängnis wird. So verlor 2005 Boeing-Chef Harry Stonecipher seinen Job wegen der Affäre mit einer Mitarbeiterin.

Mehr zum Thema

Nicht eine Affäre, sondern Vorwürfe sexueller Belästigung waren der Grund, weshalb 2010 bei Hewlett-Packard der damalige Konzernchef Mark Hurd gehen musste.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Amerikanische Rüstungsindustrie Die Hoffnung auf einen langen, profitablen Krieg

Ein perfekter Krieg: Der Feldzug gegen den Islamischen Staat beschert Amerikas Rüstungsschmieden volle Auftragsbücher und satte Gewinne. Die Zeiten sinkender Rüstungsbudgets sind vorbei. Mehr

18.10.2014, 07:14 Uhr | Politik
Amerikas Beweise

Die amerikanische Regierung wirft Russland vor, die Ukraine mit Raketen beschossen zu haben. Diese Fotos sollen das beweisen. Russland weist jede Anschuldigung zurück. Mehr

28.07.2014, 10:28 Uhr | Politik
Weitere Nachrichten Karstadt-Mitarbeiter haben Angst vor weiteren Einschnitten

Bei Thyssen-Krupp gibt es derzeit keine Gespräche über den Verkauf der Marine-Sparte, die Autobranche warnt vor Dauerstreiks und Apple will die Beats-Musik-App in iTunes aufgehen lassen. Mehr

27.10.2014, 07:09 Uhr | Wirtschaft
Baldiger Finanzmarkt-Kommissar muss nachsitzen

Der designierte EU-Finanzmarktkommissar Jonathan Hill schlägt sich bei der Anhörung im EU-Parlament gut – und dennoch muss er in eine zweite Runde. Fachfragen habe er zu allgemein beantwortet, hieß es. Mehr

02.10.2014, 14:12 Uhr | Wirtschaft
Raketenabsturz in Amerika Explosion nach sechs Sekunden

Beim Start zur internationalen Raumstation ISS verwandelt sich die Rakete in einen riesigen Feuerball. Der Raumfrachter Cygnus verglüht. Für das Weltraum-Unternehmen OSC ist der Absturz nicht der erste Rückschlag. Mehr Von Horst Radermacher, San Francisco

29.10.2014, 08:38 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.11.2012, 15:38 Uhr

Geld rettet Japan nicht

Von Carsten Germis

Die japanische Zentralbank überrascht die Märkte mit einer noch weiteren Öffnung der geldpolitischen Schleusen. Doch das rettet das Land nicht. Mehr 5 11

Umfrage

Sparen Sie angesichts der niedrigen Zinsen noch?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Womit im Umweltschutz am meisten verdient wird

Deutsche Wind- und Solarenergie sind weltweit gefragt. Das gilt auch für andere Bereiche aus dem Umweltschutz, wie unsere Grafik des Tages zeigt. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden