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Rüdiger Grube : Zurücktreten, bitte!

Rüdiger Grube Bild: dpa

Grube hatte ein gutes Verhältnis zur Politik. Doch er unterschätzte die Macht des Aufsichtsrats. Jetzt richten sich die Blicke auf Ronald Pofalla. Ein Kommentar.

          Ein Bahnchef muss es allen recht machen, den Kunden, der Bundesregierung, dem Aufsichtsrat. Hartmut Mehdorn musste sich nach dem abgesagten Börsengang und einer unerfreulichen Datenaffäre nachsagen lassen, er sei an seinen Schwächen im Umgang mit der Politik gescheitert. Rüdiger Grube hatte dagegen ein gutes Verhältnis zur Politik. Sein enges Netzwerk bestärkte ihn in der Erwartung, seine Zukunft an der Spitze der Bahn werde noch drei Jahre dauern.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Doch er unterschätzte die Macht der Aufseher aus Wirtschaft und Gewerkschaften. Angefeuert von den selbstbewussten Unternehmern im Aufsichtsrat, die Grube die schwachen wirtschaftlichen Ergebnisse der jüngeren Zeit unter die Nase rieben, versagten ihm schließlich die Arbeitnehmer die Gefolgschaft. Die Vertreter des Bundes sowie der Aufsichtsratsvorsitzende Utz-Hellmuth Felcht konnten nur mit ansehen, wie Grube das Handtuch warf.

          Lutz nur Übergangslösung

          Felcht wird nun wohl der nächste sein, der zurücktritt. Seit Monaten wurde über Grubes Vertragsverlängerung diskutiert – mit Skepsis, weil der Personenverkehr schwächelt und der Güterverkehr sowieso, weil Milliarden im Netz versickern und „Stuttgart 21“ zum Desaster zu werden droht. Dennoch sagte Felcht Grube im Einvernehmen mit dem Bund vergangene Woche einen neuen Vertrag bis Ende 2020 zu, wenn auch unter Verzicht auf Gehaltserhöhung und Abfindung. Auch Felcht unterschätzte dabei die Macht und den Zorn seiner Aufsichtsratskollegen, der Arbeitgeber und der Unternehmer. Am Ende hat er wieder nur moderiert, statt zu führen.

          Nur für eine Übergangszeit wird Finanzvorstand Richard Lutz die Bahn kommissarisch führen. Das Augenmerk richtet sich nun auf Ronald Pofalla. Der ehemalige Kanzleramtsminister verantwortet seit Anfang dieses Jahres das wichtige Ressort Infrastruktur. Auf diesem Feld ackert er schon seit längerem. Er kümmerte sich um den Streit beim Bau der Betuwe-Linie zwischen Oberhausen und Emmerich als auch um neue Unstimmigkeiten bei „Stuttgart 21“. Der CDU-Politiker hat politisches Fingerspitzengefühl und traut sich unternehmerische Härte zu. Obwohl der Zeitpunkt – rechtzeitig vor der Wahl – günstig für ihn liegt, läuft das Amt an der Spitze der Bahn nicht unbedingt auf ihn zu. Der Aufsichtsrat sucht angeblich angesichts der wirtschaftlichen Lage der Bahn keinen Politiker, sondern einen Unternehmer.

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