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Rücktritt West-LB-Chef Heinz Hilgert schmeißt hin

18.05.2009 ·  Der Vorstandsvorsitzende der angeschlagenen Landesbank West LB, Heinz Hilgert, tritt zurück. Er setzt mit diesem Schritt die Aktionäre unter Druck. Die Sparkassen zeigten zu wenig Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung, kritisiert er.

Von Werner Sturbeck
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Am Montag Nachmittag hat Heinz Hilgert, der Vorstandsvorsitzende der West LB, in einer Pressekonferenz in Düsseldorf „aus wichtigem Grund“ seinen sofortigen Rücktritt bekanntgegeben. Seinen dramatischen Schritt erklärte er mit der fehlenden Bereitschaft maßgeblicher Aktionäre, der Bank die erforderliche wirtschaftliche Unterstützung zu gewähren.

Gemeint sind der rheinische und der westfälische Sparkassenverband, die seit Monaten eine nochmalige Unterstützung der West LB strikt ablehnen und auf die Landes- und Bundesregierung verweisen. Den Sparkassen gehören rund 50 Prozent des West LB-Kapitals, gut ein Drittel liegt bei der Landesregierung. Der Aufsichtsrat ernannte mit Dietrich Voigtländer einen von Hilgerts Stellvertretern zu dessen kommissarischem Nachfolger.

Im Vergleich zu anderen Landesbanken auf gutem Kurs

Vor der überraschenden Erklärung hatte der vor gut einem Jahr zur Rettung geholte West LB-Chef Hilgert anhand der Geschäftsentwicklung im ersten Quartal dargelegt, dass sich die West LB im Vergleich zu den anderen Landesbanken auf sehr gutem Kurs bewege. Mit einem Konzernergebnis von 250 Millionen Euro vor Steuern habe die Bank in den ersten drei Monaten das beste Ergebnis eines ersten Quartals seit der Aufspaltung 2002 in West LB und NRW-Bank erwirtschaftet. Seit April seien die Ergebnisse noch besser, bewege sich die Bank auch im ersten Geschäftshalbjahr auf Rekordkurs, hieß es.

„Dies belegt meine feste Überzeugung, dass der Vorstand ein nachhaltig tragfähiges und profitables Geschäftsmodell entwickelt hat“, sagte Hilgert. Um dies nachhaltig zu etablieren, sei es erforderlich, dass sich die Bank innerhalb von wenigen Monaten geordnet von den nicht strategiekonformen Geschäften trennt.

Brüssel verordnete Schrumpfkur

Die Wettbewerbskommission in Brüssel hatte in der vergangenen Woche die Genehmigung von 5 Milliarden Euro öffentlicher Beihilfen aus dem Frühjahr 2008 an eine Reihe von Auflagen geknüpft. Eine wesentlich davon ist die Halbierung der Bilanzsumme durch den Abbau von Positionen in Höhe von 130 Milliarden Euro. Seit Monaten wirbt Hilgert bei den Eigentümern vergeblich um Unterstützung zur Ausgliederung von Geschäften im Volumen von rund 80 Milliarden Euro. Mit diesem Projekt Omega soll die Bank durch Abgabe von Aktivitäten wie der Readybank, der (soeben an die Mittelbrandenburgische Sparkasse verkauften) Privatbank Weberbank, der Westdeutschen Immobilien-Bank oder der West LB International in Luxemburg sehr schnell auf ihr künftiges Kerngeschäft zusammengestutzt werden.

„Die Kommission hat dieses Konzept in ihrer Genehmigung sanktioniert. Eine weitere Unterstützung durch die Eigentümer, sofern dies erforderlich wäre, würde nicht mehr in einen neuen Genehmigungsprozess nach Brüssel führen“, versicherte Hilgert. Vor allem aber verwies er darauf, dass es sich bei diesen 80 Milliarden nicht um hochriskante Geschäfte handele. Denn hochriskante Papiere habe die West LB bereits im Zuge des jetzt genehmigten Beihilfeverfahrens in eine Zweckgesellschaft ausgegliedert. Die Gesellschafter stützen die dort eingelegten toxischen Papiere mit 5 Milliarden Euro. Von diesen Garantien seien erst 280 Millionen Euro gezogen worden.

Projekt Omega beinhaltet keine hochriskanten Anlagen

Dagegen beinhalte das Projekt Omega keine hochriskanten Anlagen, sondern zum Beispiel größere Beträge von Staats- und Kommunalanleihen aus EU-Mitgliedstaaten, die in den Strudel der Vertrauenskrise am Kapitalmarkt geraten, aber auf längere Sicht werthaltig seien. Trotz dieser von Hilgert immer wieder vorgebrachten Argumente lehnen die Gesellschafter einen weiteren Garantieschirm ab.

Nach den Vorgaben aus Brüssel konzentriert sich die West LB auf das Verbundgeschäft mit den Sparkassen, Mittelstand und Großkunden sowie Kapitalmarktgeschäfte. Dem Quartalsergebnis ist vor allem der Anstieg des Zinsüberschusses um 154 Millionen Euro auf 394 Millionen Euro und die Verbesserung des zuvor negativen Handelsergebnis um 253 Millionen auf 212 Millionen Ertrag zugute gekommen. Durch starken und bilanziell bereits 2008 verarbeiteten Personalabbau sank der Verwaltungsaufwand um 83 Millionen auf 280 Millionen Euro. Nur der Vorsorge für das Kreditgeschäft musste um 54 Millionen auf 174 Millionen Euro ausgeweitet werden.

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Jahrgang 1949, Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

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