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Rennstrecke Der Nürburgring bekommt neue Eigentümer

Vor einem Jahr musste die Nürburgring GmbH Insolvenz anmelden, weil die Pächter ihre Zahlungen einstellten. Seither haben die Insolvenzverwalter die Rennstrecke saniert. Als ein Kaufinteressent gilt der ADAC.

© Röth, Frank Schon immer ein Politikum: Blick auf den Nürburgring

Der Nürburgring wurde 1927 eröffnet als „Erste Deutsche Gebirgs-Renn-und-Prüfstrecke“. Seitdem ist er Spielball der Politik. In der Eifel gelegen, in einer der strukturschwächsten Gegenden des Rheinlands, sollte der Nürburgring vor einigen Jahren mal wieder zusätzliche Arbeitsplätze für die Region schaffen. Durch den Bau eines Vergnügungsparks, von Hotels, Ferienwohnungen, einer Achterbahn, einer Veranstaltungshalle sowie Gastronomie für mehrere tausend Leute wollte man die Rennstrecke zum obligatorischen Reiseziel für Touristen aus aller Welt machen. Das Prestigeprojekt hätte zu einem Denkmal für den damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) und seine glorreiche 18-jährige Amtszeit werden können.

Doch es kam anders. Der Vergnügungspark-Komplex rund um den Ring kostete den rheinland-pfälzischen Steuerzahler rund eine halbe Milliarde Euro und erwies sich mit der Zeit als überdimensioniert und mit zahllosen Baumängeln behaftet. Vor einem Jahr musste die landeseigene Nürburgring GmbH Insolvenz anmelden, weil die Pächter ihre Zahlungen einstellten. Seither haben die beiden Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt und Jens Lieser den Betrieb auf Vordermann gebracht - und damit bereit für den Verkauf gemacht.

Baumängel sind behoben

Unter anderem wurde das Eifeldorf „Grüne Hölle“, das bis zu 6000 Menschen gleichzeitig bewirtet, von einem durch Feuchtigkeit entstandenen Schimmelpilz wieder befreit. Die Kartbahn wurde von gesundheitsschädlichem Gasantrieb auf Elektrowägelchen umgestellt. Und bei der lange Zeit wegen technischer Mängel stillstehenden Achterbahn „Ringracer“ hoffen die Betreiber auf grünes Licht der Kreisverwaltungsbehörde, nachdem sie ein Evakuierungskonzept für den Fall vorgelegt haben, dass die Achterbahn mit Insassen am Scheitelpunkt feststeckt.

„Uns ist es gelungen, das Ruder herumzureißen und dem Nürburgring eine neue Perspektive zu geben“, fasste Schmidt am Donnerstag die Lage zusammen. Einer der wichtigsten Meilensteine sei die Abstimmung des Verkaufsprozesses mit der EU-Kommission in Brüssel. Dadurch erhält ein Käufer die Sicherheit, dass es später keine Rückforderungen unerlaubter Beihilfen durch die EU geben kann. „Sonst wäre nach der Insolvenz schnell wieder vor der Insolvenz“, sagt Schmidt.

„Zahlreiche Investoren“ haben offenbar Interesse bekundet

Schon im Mai ist der Verkauf des Nürburgrings offiziell durch Zeitungsanzeigen bekanntgemacht worden. Inzwischen hätten „zahlreiche Investoren“ ihr Interesse bekundet, hieß es nun. Wie viele es genau sind, wurde jedoch nicht verraten - auch nicht, welcher Art die Investoren denn sind. Es gebe jedoch keine Hinweise, dass die möglichen Käufer den Nürburgring als private Rennstrecke nutzen wollten und der Öffentlichkeit den Zugang verwehren könnten. Im weiteren Verlauf des Verkaufsprozesses erhalten die Investoren nach Abgabe einer Verschwiegenheitserklärung weitere Unterlagen zum Nürburgring und sollen bis zum Spätsommer ein erstes unverbindliches Angebot abgeben. Der Abschluss des Verkaufs - in Teilen oder als Ganzes - ist erst für das erste Quartal des kommenden Jahres geplant. Im Laufe der Zeit wurde schon über mehrere potentielle Investoren spekuliert. Mal hieß es, der jetzt wegen des Verdachts auf Bestechung angeklagte Formel-1-Chef Bernard Ecclestone könnte den Nürburgring übernehmen. Mal war von der deutschen Autoindustrie, die auf der Rennstrecke ohnehin ständig Bremssysteme, Reifen und Ähnliches testet, als Käufer die Rede.

Inzwischen jedoch verdichten sich die Spekulationen, dass der Autofahrerverband ADAC der ernsthafteste Interessent sein könnte, um das Gelände für den Motorsport zu sichern. Die Verbindungen des ADAC zum Nürburgring sind ohnehin schon eng. Noch am vergangenen Wochenende veranstaltete der Verband hier den ADAC Truck Grand Prix mit 165000 Besuchern. Ebenso wichtig ist das 24-Stunden-Rennen. Als möglichen Kaufpreis, der nahezu vollständig dem Land Rheinland-Pfalz als Hauptgläubiger zufließen würde, nennen gut informierte Fachleute auf Basis von Gutachten eine Spanne von 80 Millionen bis 150 Millionen Euro.

Das heißt, dass selbst im günstigsten Fall nur ein Bruchteil der rund eine halbe Milliarde Euro versenkter Steuergelder wieder hereingeholt wird. Nachdem der Nürburgring im Insolvenzverfahren seinen Schuldenberg losgeworden ist, kann die Anlage mutmaßlich auch profitabel betrieben werden. Jedenfalls kündigten die Sanierungsgeschäftsführer Lieser und Schmidt für dieses Jahr einen Umsatz von 55 Millionen bis 60 Millionen Euro an sowie ein nicht näher beziffertes „positives Betriebsergebnis“.

Quelle: F.A.Z.

 
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