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Rekordverlust Anglo Irish Bank wird zum Fass ohne Boden

02.04.2010 ·  Irland droht an die Grenze seiner finanziellen Leistungsfähigkeit zu kommen: Denn die drittgrößte Bank im Land hat für die 15 Monate bis zum Jahresende 2009 den höchsten Unternehmensverlust in der irischen Wirtschaftsgeschichte gemacht. Einen weiteren Bedarf an Staatshilfe schließt sie nicht aus.

Von Marcus Theurer, London
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Der verstaatlichte drittgrößte irische Finanzkonzern Anglo Irish Bank droht für die irischen Regierung endgültig zum Fass ohne Boden zu werden. Die drittgrößte Bank im Land weist für die 15 Monate bis zum Jahresende 2009 einen Fehlbetrag von 12,7 Milliarden Euro aus – den höchsten Unternehmensverlust in der irischen Wirtschaftsgeschichte. Zugleich schließt die Anglo Irish Bank nicht aus, dass sie noch mehr Rettungshilfen vom Staat benötigt als bisher angekündigt. „Niemand kann das heute mit Sicherheit sagen“, warnte der designierte Verwaltungsratschef Alan Dukes.

Noch am Dienstag hatte dagegen der irische Finanzminister Brian Lenihan im Parlament gesagt, mit den jüngsten Finanzspritzen sei das Bankenproblem „ein für alle mal“ bereinigt (Irische Regierung rettet abermals Banken). Der Rekordverlust von Anglo Irish hat sich bereits vergangene Woche abgezeichnet (Anglo Irish Bank macht einen Rekordverlust). Hauptgrund dafür sind Abschreibungen vor allem auf Immobilienkredite von insgesamt 15,1 Milliarden Euro. Der Konzern ist der mit Abstand größte Krisenherd im schwer gebeutelten irischen Bankensektor.

Grenze der finanziellen Leistungsfähigkeit könnte bald erreicht sein

Der Kapitalbedarf von Anglo Irish und anderer Geldhäuser droht das kleine Land an die Grenze seiner finanziellen Leistungsfähigkeit zu bringen. Nach bisherigem Stand muss die Regierung allein für Anglo Irish mindestens 22,3 Milliarden Euro an frischem Kapital bereitstellen, um den Konzern vor dem Kollaps zu bewahren.

Diese Summe entspricht rund 13 Prozent der irischen Wirtschaftsleistung und ist höher als die gesamte geplante Neuverschuldung im Regierungshaushalt. Die EU-Wettbewerbskommission hat die bisherige Staatshilfe auf vorläufiger Basis bereits genehmigt.

Insgesamt brauchen die größten irischen Finanzdienstleister nach Angaben von Finanzminister Lenihan derzeit rund 32 Milliarden Euro frisches Kapital. Dieses ist notwendig, weil Banken Verluste aus dem Verkauf von faulen Krediten an die staatliche „Bad Bank“ Nama realisieren. Zwar soll ein Teil des Kapitalbedarfs aus Verkaufserlösen und von privaten Geldgebern kommen, doch den Löwenanteil müssen die Steuerzahler aufbringen.

Das Debakel beschäftigt auch die Staatsanwaltschaft

Die Anfang 2009 vollständig verstaatlichte Anglo Irish hat vergangenes Jahr zunächst 4 Milliarden Euro erhalten. Am Dienstag gab Lenihan eine weitere Kapitalspritze von 8,3 Milliarden Euro bekannt und kündigte zusätzliche Hilfen von 10 Milliarden Euro an. Anglo Irish braucht damit weit höhere Beträge als die beiden teilverstaatlichten größeren Konkurrenten Bank of Ireland und Allied Irish Banks.

Das finanzielle Debakel der Anglo Irish Bank beschäftigt schon seit Monaten auch die irische Staatsanwaltschaft. Im vergangenen Monat wurde unter anderem der frühere Verwaltungsratschef Sean Fitz-Patrick von den Strafverfolgern verhört. Er gilt neben dem inzwischen ausgeschiedenen Vorstandschef David Drumm als Hauptverantwortlicher für eine überzogene Expansion durch die leichtfertige Vergabe von Immobilienkrediten in den Zeiten des irischen Wirtschaftswunders vor Ausbruch der Finanzkrise. Die Bilanzsumme der Anglo Irish Bank ist in den zehn Jahren bis 2007 im Schnitt jährlich um mehr als ein Drittel gewachsen.

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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