Home
http://www.faz.net/-gqe-74jqh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Rekordinvestitionen trotz Krise Volkswagen will 50 Milliarden Euro ausgeben

Der Autoabsatz in Europa steckt in der Krise. Volkswagen greift dennoch tief in die Tasche: Mit Investitionen in Rekordhöhe sollen neue Autos entwickelt und Werke gebaut werden. Gerade in Deutschland.

© dapd Vergrößern Autos über Autos: Volkswagen will ganz an die Spitze.

Volkswagen erhöht das Investitionstempo: Der Wolfsburger Autobauer will in den kommenden drei Jahren 50,2 Milliarden Euro in den Ausbau der Werke und die Entwicklung neuer Fahrzeuge mit verbrauchsärmeren Antrieben stecken.

„Trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds investieren wir mehr als jemals zuvor, um unsere langfristigen Ziele zu erreichen“, sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn am Freitag im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung. Volkswagen plant, bis zum Jahr 2018 an Toyota und der Opel-Muttergesellschaft General Motors vorbeiziehen und den Thron der weltweiten Automobilindustrie erklimmen.

Volkswagen hat genug Geld

Finanziell kann Europas größter Autobauer die Investitionen locker stemmen: VW verfügt trotz der Übernahmen des Porsche-Sportwagengeschäfts und der Motorradmarke Ducati noch immer über ein komfortables Finanzpolster von 9,2 Milliarden Euro. Weitere rund 4,5 Milliarden Euro hatten sich die Wolfsburger jüngst durch zwei Anleihen beschafft. Erstmals umfasst die Planung auch die Marken MAN und Porsche.

Mehr zum Thema

Von den Sachinvestitionen von 39,2 Milliarden Euro sollen mehr als die Hälfte in Deutschland ausgegeben werden. „Wir schaffen so die Voraussetzungen, dass unsere 27 Werke bei Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich weiter ganz vorne mitspielen“, sagte Winterkorn.

Winterkorn: Wir stehen zum Standort Deutschland

„Wir bei Volkswagen stehen zum Industriestandort Deutlschand“, fügte der VW-Chef mit einem Seitenhieb auf Opel hinzu, der über Werksschließungen diskutiert. Betriebsratschef Bernd Osterloh begrüßte die Entscheidung als „klares Bekenntnis zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Beschäftigung bei Volkswagen gerade angesichts des schwierigen Umfelds in der Automobilindustrie“.

Der neuen Planung zufolge will Volkswagen von 2013 bis 2015 allein 24,7 Milliarden Euro in neue Automobile und Varianten investieren. Dazu gehöre auch eine neue Lkw-Generation von MAN . Im Bereich der Personenwagen sollen die Kosten durch die neue Baukastentechnologie um über 20 Prozent sinken. 14,5 Milliarden Euro fließen in den Ausbau der Werke - als Projekte hob der Konzern die neue Audi-Fabrik in Mexiko und die Erweiterung des Porsche-Werks in Leipzig sowie den Ausbau der Produktion von Automatikgetrieben hervor.

Drei Werke in China

Weitere 9,8 Milliarden Euro sollen in die Gemeinschaftsunternehmen in China gesteckt werden. VW zieht derzeit drei Werk in der Volksrepublik hoch, um die erwartete Nachfrage bedienen zu können.

Der Aufsichtsrat beschließt üblicherweise jedes Jahr im November die Investitionen für die kommenden fünf Jahre. Im vergangenen Jahr hatte der Kontrollrat für den Fünf-Jahres-Zeitraum von 2012 bis 2016 Gesamtausgaben von 62,4 Milliarden Euro beschlossen.

Hoffnung auf Fernost und Amerika

Der Weg an die Spitze dürfte für VW steiniger werden als bisher. Während auf dem Heimatmarkt wegen der Krise in den Schuldenstaaten Südeuropas der Absatz einbricht und sich die Nachfrage nach Meinung von Experten auch in den nächsten beiden Jahren nicht erholen wird, ist China als Motor der weltweiten Automobilindustrie ins Stottern geraten.

In den Vereinigten Staaten, wo der Pkw-Markt noch stark wächst, könnten die für den staatlichen Defizitabbau nötigen Einsparungen das Konsumklima dämpfen.

Mehr als jeder vierte Neuwagen in Europa stammt aus Wolfsburg

VW profitiert von der Schwäche der Konkurrenz und hatte seine Führung in Europa zuletzt weiter ausgebaut. Mehr als jeder vierte Neuwagen in der EU stammte im Oktober von dem Wolfsburger Imperium. Allerdings bläst auch Volkswagen wegen der Krise in Südeuropa der Wind ins Gesicht.

„Die Zeiten sind nicht leicht, aber wir haben es in der Hand, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen“, hatte Winterkorn jüngst gesagt. Dagegen dürfte sich der Überlebenskampf der Massenhersteller von Opel über Peugeot bis Ford und Fiat in Europa nach Einschätzung von Experten angesichts der Rezession in den Schuldenstaaten noch verschärfen.

Quelle: FAZ.NET/Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Automobilhersteller Opel gibt Russland auf

Der Rubel-Verfall trifft den Autobauer Opel hart. Die Verluste seien untragbar geworden. Das Werk in St. Petersburg schließt. Nun soll es die Marke Cadillac versuchen. Mehr Von Frank-Holger Appel, Frankfurt, Henning Peitsmeier, München

18.03.2015, 16:56 Uhr | Wirtschaft
VW-Tochter Renaissance der Luxusmarke Bentley

1998 kaufte Volkswagen den englischen Traditionshersteller und rettete den defizitären Betrieb vor dem Untergang. Mehr als eine Milliarde Euro haben die Wolfsburger in die Modernisierung des Werkes gesteckt und ihre besten Manager für die Sanierung nach Nordengland geschickt. Mehr

05.03.2015, 12:03 Uhr | Wirtschaft
Reich der Mitte VW und Chinas Kampagne gegen Korruption

Aufreibende Tage für den Wolfsburger Konzern im Reich der Mitte: im Staatsfernsehen hagelt es Kritik wegen angeblicher Abzocke. Und beim chinesischen Partner wird der Chef wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet. Mehr Von Hendrik Ankenbrand

16.03.2015, 07:32 Uhr | Wirtschaft
Europa Weihnachtsgeschenk für die EU - Juncker investiert

315 Milliarden Euro bis 2017. Pünktlich vor Weihnachten schnürt die EU-Kommission einen riesigen Geldsack für die 28 Mitgliedstaaten. Der Präsident der EU-Kommission, Jean Claude Juncker, will mit dem Geld Investitionen in ganz Europa vorantreiben. Mehr

10.12.2014, 12:03 Uhr | Wirtschaft
Keine gezielte Desinformation Porsche-Holding erzielt Sieg im Milliardenstreit mit Hedgefonds

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat am Donnerstag in einem Milliardenstreit mit Hedgefonds zugunsten der Porsche-Holding entschieden. Porsche habe die Anleger nicht vorsätzlich sittenwidrig geschädigt, urteilten die Richter. Mehr

26.03.2015, 15:27 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.11.2012, 12:52 Uhr

Heikle Geheimnisse

Von Joachim Jahn

Der Flugzeug-Absturz über Südfrankreich hat eine Debatte um die ärztliche Schweigepflicht entfacht. Eine Idee klingt bedenkenswert. Mehr


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Gründer auf dem Rückzug

Der Sprung in die Selbständigkeit übt hierzulande einen immer geringeren Reiz aus. Immer seltener gründen Deutsche einen eigenen Betrieb. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden