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Rekordinvestitionen trotz Krise Volkswagen will 50 Milliarden Euro ausgeben

 ·  Der Autoabsatz in Europa steckt in der Krise. Volkswagen greift dennoch tief in die Tasche: Mit Investitionen in Rekordhöhe sollen neue Autos entwickelt und Werke gebaut werden. Gerade in Deutschland.

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Volkswagen erhöht das Investitionstempo: Der Wolfsburger Autobauer will in den kommenden drei Jahren 50,2 Milliarden Euro in den Ausbau der Werke und die Entwicklung neuer Fahrzeuge mit verbrauchsärmeren Antrieben stecken.

„Trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds investieren wir mehr als jemals zuvor, um unsere langfristigen Ziele zu erreichen“, sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn am Freitag im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung. Volkswagen plant, bis zum Jahr 2018 an Toyota und der Opel-Muttergesellschaft General Motors vorbeiziehen und den Thron der weltweiten Automobilindustrie erklimmen.

Volkswagen hat genug Geld

Finanziell kann Europas größter Autobauer die Investitionen locker stemmen: VW verfügt trotz der Übernahmen des Porsche-Sportwagengeschäfts und der Motorradmarke Ducati noch immer über ein komfortables Finanzpolster von 9,2 Milliarden Euro. Weitere rund 4,5 Milliarden Euro hatten sich die Wolfsburger jüngst durch zwei Anleihen beschafft. Erstmals umfasst die Planung auch die Marken MAN und Porsche.

Von den Sachinvestitionen von 39,2 Milliarden Euro sollen mehr als die Hälfte in Deutschland ausgegeben werden. „Wir schaffen so die Voraussetzungen, dass unsere 27 Werke bei Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich weiter ganz vorne mitspielen“, sagte Winterkorn.

Winterkorn: Wir stehen zum Standort Deutschland

„Wir bei Volkswagen stehen zum Industriestandort Deutlschand“, fügte der VW-Chef mit einem Seitenhieb auf Opel hinzu, der über Werksschließungen diskutiert. Betriebsratschef Bernd Osterloh begrüßte die Entscheidung als „klares Bekenntnis zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Beschäftigung bei Volkswagen gerade angesichts des schwierigen Umfelds in der Automobilindustrie“.

Der neuen Planung zufolge will Volkswagen von 2013 bis 2015 allein 24,7 Milliarden Euro in neue Automobile und Varianten investieren. Dazu gehöre auch eine neue Lkw-Generation von MAN . Im Bereich der Personenwagen sollen die Kosten durch die neue Baukastentechnologie um über 20 Prozent sinken. 14,5 Milliarden Euro fließen in den Ausbau der Werke - als Projekte hob der Konzern die neue Audi-Fabrik in Mexiko und die Erweiterung des Porsche-Werks in Leipzig sowie den Ausbau der Produktion von Automatikgetrieben hervor.

Drei Werke in China

Weitere 9,8 Milliarden Euro sollen in die Gemeinschaftsunternehmen in China gesteckt werden. VW zieht derzeit drei Werk in der Volksrepublik hoch, um die erwartete Nachfrage bedienen zu können.

Der Aufsichtsrat beschließt üblicherweise jedes Jahr im November die Investitionen für die kommenden fünf Jahre. Im vergangenen Jahr hatte der Kontrollrat für den Fünf-Jahres-Zeitraum von 2012 bis 2016 Gesamtausgaben von 62,4 Milliarden Euro beschlossen.

Hoffnung auf Fernost und Amerika

Der Weg an die Spitze dürfte für VW steiniger werden als bisher. Während auf dem Heimatmarkt wegen der Krise in den Schuldenstaaten Südeuropas der Absatz einbricht und sich die Nachfrage nach Meinung von Experten auch in den nächsten beiden Jahren nicht erholen wird, ist China als Motor der weltweiten Automobilindustrie ins Stottern geraten.

In den Vereinigten Staaten, wo der Pkw-Markt noch stark wächst, könnten die für den staatlichen Defizitabbau nötigen Einsparungen das Konsumklima dämpfen.

Mehr als jeder vierte Neuwagen in Europa stammt aus Wolfsburg

VW profitiert von der Schwäche der Konkurrenz und hatte seine Führung in Europa zuletzt weiter ausgebaut. Mehr als jeder vierte Neuwagen in der EU stammte im Oktober von dem Wolfsburger Imperium. Allerdings bläst auch Volkswagen wegen der Krise in Südeuropa der Wind ins Gesicht.

„Die Zeiten sind nicht leicht, aber wir haben es in der Hand, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen“, hatte Winterkorn jüngst gesagt. Dagegen dürfte sich der Überlebenskampf der Massenhersteller von Opel über Peugeot bis Ford und Fiat in Europa nach Einschätzung von Experten angesichts der Rezession in den Schuldenstaaten noch verschärfen.

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23.11.2012, 12:52 Uhr

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