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Reiseveranstalter Beeser verordnet Thomas Cook einen scharfen Sparkurs

 ·  In Deutschland fällt jeder zehnte Arbeitsplatz weg / Verlust von 251 Millionen Euro

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Der neue Vorstand des zweitgrößten europäischen Reiseveranstalters, Thomas Cook AG, hat dem Unternehmen einen harten Sparkurs verordnet. Für das laufende Geschäftsjahr 2003/04 (31. Oktober) rechnet der neue Vorstandsvorsitzende Wolfgang Beeser aber noch nicht mit einem Gewinn. "Wir werden einen deutlichen Verlust ausweisen", sagte er am Dienstag in Frankfurt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2002/03 hatte die Thomas Cook AG einen Verlust nach Steuern von 251 Millionen Euro hinnehmen müssen. Im Vorjahreszeitraum hatte der Konzernverlust 119,5 Millionen Euro betragen. Der Umsatz sank um 10,1 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro, die Zahl der Gäste verringerte sich um 6,4 Prozent auf 12,5 Millionen. Beeser, der bis 1999 an der Spitze der C&N Touristic, dem Vorläufer der Thomas Cook AG, stand, ist Anfang 2004 auf den Posten des Vorstandschefs zurückgekehrt und folgte damit seinem Nachfolger Stefan Pichler nach.

Als wichtigste Maßnahme zur Kostensenkung gab Beeser auf seiner ersten Pressekonferenz nach Amtsantritt eine Stellenkürzung in Deutschland von 10 Prozent bis 2005 bekannt. Die 500 Stellen setzen sich aus allen Konzernbereichen in Deutschland - Flug (Condor), Vertrieb, Reisebüroketten und Stabsfunktionen - zusammen. Auf betriebsbedingte Kündigungen soll möglichst verzichtet werden.

150 Millionen Euro Kosten senken

Um wieder wettbewerbsfähiger zu werden, müßten alle Kosten überprüft und gesenkt werden, sagte Beeser, der vor vielen Jahren schon einmal den konzerneigenen Reiseveranstalter "Neckermann-Reisen" erfolgreich saniert hatte. Bei der Fluggesellschaft Thomas Cook Airlines, deren deutscher Teil wieder stärker unter dem Namen "Condor" positioniert wird, sollen bis 2005 deutlich mehr als 100 Millionen Euro eingespart werden. Das gehe nur mit der Mitwirkung der Belegschaft und einem anderen Personalkostenniveau, sagte Beeser. Zugleich soll durch eine bessere Vermarktung der Einzelplätze die Auslastung der Maschinen verbessert und damit zusätzliches Geld verdient werden. Die Auslastung lag im vergangenen Jahr bei der Fluggesellschaft in Deutschland bei 84 Prozent, was für eine Charterfluggesellschaft wenig ist. Die Stückkosten sollen an das Niveau erfolgreicher Wettbewerber wie Air Berlin - die sowohl Pauschalurlauber als auch Billigflugreisende befördert - angepaßt und das Einzelplatzgeschäft soll ausgebaut werden. Im Nah- und Mittelstreckenbereich werden in diesem Sommer die Kapazitäten gekürzt.

Mit Gewerkschaften und Geschäftspartnern der Condor laufen Verhandlungen. Zumindest die Arbeitnehmer hatten bereits ihre Kooperation signalisiert. Eine engere Zusammenarbeit mit der Billigflieger-Beteiligung der Lufthansa, Germanwings, werde es nicht geben.

Bei den Reiseveranstaltern in Deutschland, dem Vertrieb, der Katalogproduktion und der Hauptverwaltung in Oberursel soll ein "Aktionsprogramm" bis Ende Oktober Einsparungen von 50 Millionen Euro erbringen. Hier sind es vor allem viele kleinere Maßnahmen, die insgesamt diese Summe ausmachen sollen. Der in München angesiedelte Reiseveranstalter "Thomas Cook Reisen" soll mit seinem Personal von rund 100 Mitarbeitern nach Oberursel umziehen.

Alle Veranstalter und Geschäftsbereiche werden künftig als Profit Center und enger als bisher geführt. Beeser hat als Hauptarbeitsfeld für den Sparkurs den deutschen Markt ausgemacht. Bei den Beteiligungen in Großbritannien, Frankreich und den Beneluxländern bestehe deutlich weniger Handlungsbedarf. Außerdem will sich Beeser von langfristig unrentablen Engagements trennen. Dazu zählt eine kanadische Beteiligung. Auch bei den Investitionen soll behutsam vorgegangen werden. Wichtige Erneuerungen der Informationstechnik werden fortgeführt, andere Investitionen gestreckt, so daß hier im laufenden Geschäftsjahr deutlich weniger als 200 Millionen Euro benötigt werden.

Daneben baut Beeser auf die Markterholung. Eine Belebung der Nachfrage sei spürbar, vor allem bei Mallorca, dem Rückgrat der deutschen Reisebranche. In Deutschland und Großbritannien lägen die Veranstalter der Thomas Cook AG besser als der Markt, sagte er. Eine konkrete Gewinn- oder Verlustprognose für das laufende Geschäftsjahr gab Beeser nicht. Allerdings sagte er, nach dem jetzigen Stand werde das Unternehmen wohl einen Verlust verbuchen müssen, wenn auch nicht in der Höhe des vergangenen Geschäftsjahres. Für den Markt insgesamt erwarte er ein Umsatzplus von 2 bis 4 Prozent in diesem Jahr, für sein Unternehmen gehe er von 4 bis 6 Prozent aus. Im Deutschland-Geschäft verzeichne Thomas Cook gegenwärtig ein Plus von 7,2 Prozent, konzernweit liege man bei plus 3,7 Prozent, beim Umsatz bei 1,2 Prozent. (noa.)

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