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Reisemesse CMT Das Geld sitzt wieder lockerer

18.01.2011 ·  Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs hellt sich die Geschäftslage in der Touristik zunehmend auf. Das ist auch der Tenor der Reisemesse CMT in Stuttgart: Am Urlaub sparen die Deutschen am wenigsten.

Von Oliver Schmale
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Zur Reisemesse CMT (Caravan, Motor, Touristik) in Stuttgart, dem ersten großen Branchentreff in diesem Jahr, strömen die Besucher schon am Eröffnungswochenende zu Zehntausenden. Die Wirtschaftskrise ist vorbei. Das Geld sitzt wieder lockerer. Die Reisebranche präsentiert sich optimistisch. An den zahlreichen Ständen drängen sich die Massen und sammeln Informationsmaterial ein. Von einem Stand ist Folkloremusik zu hören. Am Stand von Tunesien in Halle 6 bleiben allerdings nur vereinzelt Leute stehen und nehmen Prospekte mit. Die Unruhen in dem Land zeigen ihre Wirkung.

Michael Jevic aus dem bayerischen Dillingen kann sich zurzeit nicht vorstellen, in dem nordafrikanischen Land Urlaub zu machen. „Ich würde nicht hinfahren. Sie sehen ja, was da los ist.“ Bruno Schrör aus dem südbadischen Oberkirch geht es ähnlich, ihm sei es dort außerdem auch zu warm, ergänzt er. Aktuelle Reisen für Tunesien hat Sami Krandel, der Sprecher des tunesischen Fremdenverkehrsamts in Deutschland, nicht im Angebot. Dort sei es zu gefährlich. „Man muss warten, bis sich die politische Lage stabilisiert.“ Krandel hofft, dass in Tunesien bald wieder Ruhe einkehrt. Das Land benötige die Einnahmen aus dem Tourismus. „Im Sommer wird die Situation wieder besser sein“, macht er sich Mut, während diskret ein privater Sicherheitsdienst einen ständigen Blick auf den Stand wirft. Am Stand gegenüber ist die Konkurrenz aus Griechenland zu finden, die mit der Ausgabe von Informationsmaterial viel zu tun hat. Wenige Meter entfernt wirbt Ägypten in der Halle um Touristen.

2011 sitzt das Geld noch lockerer

Mittendrin ist auch die Evangelische Landeskirche Württemberg mit einem Stand vertreten. Dort wirbt eine Ordensfrau in Tracht unter anderem für den „Oberschwäbischen Pilgerweg“.

Die 18 Jahre alte Christina Hümmer aus Mönchengladbach will dieses Jahr nach New York. Sie habe sich schon vorab im Internet informiert. Die junge Frau erhofft sich von der Messe mit mehr als 1900 Ausstellern aus 95 Ländern noch mehr Eindrücke über das Reiseziel, damit sie ihr Reiseprogramm genauer zusammenstellen kann.

Am Urlaub sparen die Deutschen am wenigsten. Mit 59,4 Milliarden Euro haben sie auch 2010 weltweit am meisten für Auslandsreisen ausgegeben, wie aus einer aktuellen Studie der Commerzbank hervorgeht. Und 2011 sitzt das Geld noch etwas lockerer, wenn es um das Thema Urlaub geht. Wenn man einer auf der Messe vorgestellten repräsentativen Umfrage von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) glauben darf, wollen 23 Prozent der rund 2000 Befragten in diesem Jahr mehr Urlaub machen als im vergangenen Jahr, nur 17 Prozent planen weniger Reisen ein. In den Vorjahren hielten sich die Werte den Angaben zufolge in der Waage. Wegen Ebbe im Geldbeutel wollen 2011 noch 23 Prozent der Befragten ganz auf Ferien verzichten. Im Jahr 2010 seien es noch 27 Prozent gewesen, sagt Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft.

Kenia rührt Werbetrommel

Der Wissenschaftler sieht unter anderem einen Trend zu Fernreisen. Neben Island ist dieses Jahr auch Kenia Partnerland der CMT. Eine Premiere in Stuttgart: „Afrika spielt für die Deutschen beim Urlaub eher eine untergeordnete Rolle“, sagt Lohmann. Er ist skeptisch, ob der Schwarze Kontinent vom Werbeeffekt der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft profitieren kann. Somit auch nicht Kenia. Wenn es deutsche Urlauber nach Afrika zog, standen Länder wie Ägypten, Marokko oder Südafrika hoch im Kurs.

Kenias Tourismusminister Najib Balala rührt daher kräftig die Werbetrommel. Die Reisebranche ist ein wichtiger Devisenbringer für sein Land. Rund 150.000 Menschen seien direkt in der Branche beschäftigt, die rund zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert.

Erschwingliche Kreuzfahrt-Touren

In der Beliebtheitsskala weiterhin ganz oben rangieren Urlaubsziele in Deutschland, sagt Lohmann. Überdurchschnittlich hohe Zuwachsraten verzeichnet unter den ausländischen Zielen die Türkei, weil deren Destinationen im direkten Vergleich zum langjährigen Urlaubs-Favoriten Spanien über das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis verfügen.

Gleichzeitig gehen immer mehr Urlauber in Deutschland dazu über, die klassische Pauschalreise für die ganze Familie durch eine Kreuzfahrt-Tour zu ersetzen. „Früher wurde dieser Traum wegen der hohen Kosten nie verwirklicht“, sagt Lohmann. Doch in jüngster Zeit sind die Fahrten mit den Vergnügungsdampfern der Kreuzfahrt-Reedereien Aida oder Tui Cruises sehr erschwinglich geworden. Fachleute sagen dem Kreuzfahrtsektor daher auch auf mittlere Sicht zweistellige Zuwachsraten im Jahr voraus.

Wirtschaftskrise gut verkraftet

„Das neue Touristikjahr ist vielversprechend angelaufen“, sagt Jürgen Büchy, der frisch gekürte Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV). Und die Vorzeichen für eine weitere positive Entwicklung des deutschen Reisemarkts seien erfreulich gut. Für Unsicherheit sorgt die neue Flugsteuer der Bundesregierung, die seit Jahresbeginn Abgaben zwischen 8 und 45 Euro pro Flug vorsieht. Laut Büchy sei abzuwarten, wie sich diese Sonderlast auf die Buchungen auswirke.

Die Folgen der Wirtschaftskrise hat die Touristik längst verkraftet. Nach einem Verlust von rund 800 Millionen Euro Umsatz vor zwei Jahren kehrte die Branche im Geschäftsjahr 2009/2010 (31. Oktober) wieder auf den Wachstumspfad zurück. Das Branchenmagazin „fvw“ ermittelte auf Basis der Daten von 64 Reiseveranstaltern, die rund 80 Prozent des deutschen Touristikmarktes repräsentieren, einen Gesamtumsatz von 16,6 Milliarden Euro. Das ist eine Steigerung von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Europas Touristikkonzerne Tui Travel und Thomas Cook sowie deutsche Veranstalter wie FTI, Alltours oder Schauinsland verkauften im vergangenen Geschäftsjahr über 30 Millionen Reisen – fünf Prozent mehr als während der Krisensaison 2008/2009. Entsprechend groß ist die Erwartung für die internationale Tourismusmesse ITB, die Anfang März ihre Tore öffnet.

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