23.08.2009 · 220 Jahre lang war die Privatbank Sal. Oppenheim selbständig. Jetzt sind die vermögenden Kunden vergrätzt, die Bank verliert ihre Unabhängigkeit. Und Namen wie Thomas Middelhoff, Josef Esch und Matthias Graf von Krockow sind eine Last.
Von Brigitte KochEine renommierte Unternehmerfamilie hat schon Konsequenzen gezogen. Sie unternimmt seit geraumer Zeit Schritte, ihr Engagement so weit wie möglich zurückzuführen. Diese tief im Christentum verwurzelte Familie hat strenge ethische Unternehmensleitlinien. Es sind die Deichmanns aus Essen. Sie haben bis 2003 in verschiedene Immobilienfonds investiert, die das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim gemeinsam mit dem Immobilien-Entwickler Josef Esch aus Troisdorf aufgelegt hat. Es sollte damals Kapital für die im Erbfall fällige Steuer gesammelt werden. Dann erfuhren die Deichmanns über die Medien mehr und mehr über angeblich fragwürdige Geschäftspraktiken, die hinter einigen dieser Beteiligungsmodelle stecken sollten. Und das hat sie irritiert: "Wir können diesen Komplex bisher nicht abschließend beurteilen, legen aber Wert auf die Feststellung, dass für Deichmann korrektes und transparentes Wirtschaften Fundament des unternehmerischen Handelns ist." Vorverurteilen will man nicht, lässt sich aus dieser Stellungnahme schließen. Doch die 220 Jahre alte Privatbank, die gerade dabei ist, ihre Eigenständigkeit zu verlieren, erschüttert so etwas ins Mark. Galt sie doch immer als die Bank, der die Reichsten der Republik gern Vermögen anvertrauten.
Andere waren nicht so konsequent. Thomas und Cornelie Middelhoff haben ebenfalls geschlossene Fonds von Oppenheim-Esch gezeichnet. Es sind vor allem die, die fünf Handelsimmobilien an Karstadt vermieten. Das Engagement stammt aus alten Vor-Arcandor-Zeiten Middelhoffs. Der Ex-Bertelsmann-Manager hatte Geld aus hohen Prämien und Abfindungen anzulegen. Die Empfehlung, sich mit der Betreuung seines wohl nicht unbeachtlichen Vermögens doch an den auch in Steuerfragen versierten Immobilienfachmann und Vermögensverwalter Esch zu wenden, soll angeblich aus dem Hause der Deutschen Bank gekommen sein. Als Middelhoff später von der in Vermögensfragen ebenfalls von dem Selfmademan Esch betreuten Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz gebeten wurde, zunächst den Aufsichtsrats- und wenig später den Vorstandsvorsitz des Handelskonzerns zu übernehmen, legte er das Engagement zwar offen. Gleichwohl beschäftigte das Thema später fast jede Hauptversammlung. Denn es hat unzweifelhaft einen merkwürdigen Beigeschmack, mit dem Anspruch des Sanierers anzutreten und zugleich privat von den hohen Mieten zu Lasten des Unternehmens zu profitieren. Ein Ausstieg wäre kompliziert und steuerlich äußerst unvorteilhaft gewesen, heißt es.
Auf der verzweifelten Suche nach Einnahmen für Karstadt
Es war Middelhoffs Vorvorgänger Urban, der den Immobiliendeal mit den umstrittenen Mietverträgen Anfang des Jahrtausends abgeschlossen hatte. Auf der verzweifelten Suche nach Einnahmequellen für den maroden Konzern wollte er auch das Immobilienrad drehen. "Mein Freund Josef" (O-Ton Oppenheim-Gesellschafter Matthias Graf von Krockow über Esch) oder "das Phantom von Troisdorf", bei dem so viele Fäden in dem gesamten ineinander verwobenen Oppenheim-Arcandor-Schickedanz-Debakel zusammenlaufen, stand bereit. Was Esch und Urban in welcher Form miteinander verabredet haben und ob Arcandor später unter Leitung Middelhoffs daraus millionenschwere Ansprüche hätte geltend machen können, all das ist nun die große Frage. Sie hat schon viele gutachterliche Seiten gefüllt und beschäftigt inzwischen die Staatsanwaltschaft Bochum. Esch soll Urban damals mehr als 100 Millionen Euro als Ausgleich aus anderen Immobiliengeschäften versprochen, später aber lediglich 25 Millionen überwiesen haben. Nach dem Rauswurf des glücklosen Handelsmanagers kam jedenfalls nichts mehr aus Troisdorf.
Gab es Verträge über den Esch-Urban-Deal, in den angeblich auch der frühere Aufsichtsratsvorsitzende Hans Meinhardt eingeweiht war? Hätte Arcandor-Chef Middelhoff die angeblich ausstehenden Beträge bei seinem persönlichen Vermögensverwalter Esch einklagen müssen? Hätte eine Klage Aussicht auf Erfolg gehabt? Hätte das Kapitalmarktrenommee des in Refinanzierungsgesprächen steckenden Konzerns am Ende unter der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen gegen frühere Organe der Gesellschaft gelitten? Waren Vorstand und Aufsichtsrat entsprechend informiert? Es sind viele Fragen, die im Raum stehen. Am Ende ist es Sache der Justiz, Licht in das Dunkel zu bringen. Lothar Ruschmeier, früherer Oberstadtdirektor von Köln und seit einigen Jahren Geschäftsführer der Oppenheim-Esch-Holding, erklärt, dass - entgegen der Auffassung des früheren Arcandor-Justitiars Bernd Schenk - nie rechtliche Ansprüche existiert haben. Dabei stützt man sich auf die Prüfung eigener Unterlagen und ein von Schenk erarbeitetes Papier. Um dieses Papier ranken sich Mysterien. Es liegt der Oppenheim-Esch-Holding vor, soll bei Arcandor angeblich aber nicht mehr auffindbar sein. Doch auch Middelhoffs Anwalt Sven Thomas sieht keine Basis für einen Anfangsverdacht. Es gebe keine Anspruchsgrundlage, sagt er auf Anfrage: Alles nur Absichtserklärungen, sonst nichts.
Die auf Wirtschaftssachen spezialisierte Behörde hat übernommen
Die Ermittlungen wegen Untreue gegen Middelhoff sind inzwischen von der Essener an die Bochumer Staatsanwaltschaft weitergereicht worden. Es ist die auf Wirtschaftssachen spezialisierte Behörde, die als einen der letzten spektakulären Fälle die Steuerdelikte von Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel behandelt hat. "Wir werden die Unterlagen jetzt erst einmal gründlich analysieren und uns ein genaues Bild verschaffen, in welche Richtung der Zug gehen wird", sagt Staatsanwalt Bernd Bienioßek. Man sei noch in einem sehr frühen Stadium. Er kann sich vorstellen, dass die Behörde noch mehr Unterlagen von dem Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg benötigt.
Rund 4 Milliarden Euro sind in eine Vielzahl der geschlossenen Oppenheim-Esch-Fonds geflossen. Mit den Geldern wohlhabender Anleger wurden große Immobilienprojekte verwirklicht. Speziell in Köln gehören dazu die inzwischen in Lanxess-Arena umbenannte Kölnarena nebst Mantelbebauung mit dem Technischen Rathaus, die Messehallen, das Medien-Zentrum in Köln-Ossendorf oder das DuMont-Carré. Da einige der Bauten lokalpolitische Komponenten haben - die Messe gehört der Stadt, durch die Randbebauung der Arena mit dem Rathaus soll sich am Ende alles etwas besser gerechnet haben, und auch die Stadtsparkasse Köln fehlte nicht im Reigen -, lieferten sie Medien und Boulevard immer wieder Nahrung für das berühmte Klischee des kölschen Klüngels. Von Mauscheleien und überhöhten Mieten, unter denen die Stadt nun ächzt, war immer wieder die Rede. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Köln Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts auf Korruption beim Bau der Messehallen aufgenommen hat, und zwar gegen Esch und den früheren Sparkassenchef Gustav-Adolf Schröder.
Steuerlich reizvolle Immobilieninvestments für die reichen Kunden
Das Bankhaus Oppenheim ist wegen der Kumulation aus einem allzu forschen Investmentbanking, einer desaströsen Beteiligungspolitik etwa bei Arcandor, IVG und IKB und hohen Kreditengagements bei der Großaktionärin Schickedanz in Nöte geraten. Die gemeinsamen Fondsgeschäfte mit Esch spielten im Zahlenwerk zuletzt eher eine geringere Rolle. Ihre Öffentlichkeitswirksamkeit, die Folgen für das Ansehen der Bank waren und bleiben indes groß. Der Einstieg in das gemeinsame Geschäft mit dem gelernten Maurermeister Esch sollte Anfang der neunziger Jahre für Krockow ein Türöffner sein, der reichen Kundschaft Zugang zu steuerlich reizvollen Immobilieninvestments zu verschaffen. Der bald 53 Jahre alte, kinderlose Esch, der als junger Mann mit großer Energie in recht kurzer Zeit ein Immobilien- und Dienstleistungsimperium aufgebaut hatte, war offenbar genau der richtige Partner: im Bau- und Immobiliengeschäft groß geworden und in der Projektentwicklung erfahren, mit ausgeprägtem kaufmännischem Gespür und hoher Expertise in steuerlichen Dingen ausgestattet. Er könne im Kopf schneller rechnen als andere mit dem Taschenrechner, heißt es in seinem Umfeld.
Über Krockow und dessen Schwager Georg Baron von Ullmann hat Esch seither beste Drähte in die oberste Etage der Bank und Zugang zu der Klientel der Superreichen. Seine Nähe und der erlangte Einfluss auf die Bankiers seien kaum nachvollziehbar, sagt ein Wettbewerber aus dem Kreis der Privatbankiers. Auch unabhängig von der Bank pflegen die Gesellschafter viele Geschäftsbeziehungen mit dem Troisdorfer Unternehmer. Zudem ist viel privates Geld in gemeinsamen Fonds fest gebunden. Dass Wohlstand, Poloturniere auf Sylt sowie Rennställe einerseits und Liquidität andererseits längst nicht dasselbe sind, zeigt, dass die Finanzaufsicht Bafin auf einen starken Partner gedrungen hat und die Deutsche Bank deshalb dringend erforderliches frisches Geld bei Oppenheim einschießen musste.
Um Esch ranken sich vor allem Gerüchte
Esch sagt man in Köln ein ausgeprägtes Charisma und große Überzeugungskraft nach. Wie sonst wäre zu erklären, dass er als Handwerker ohne Studium und einschlägige Ausbildung so prominente Kunden für die Vermögensbetreuung gewinnen konnte. Privates ist über den meist von Sicherheitsleuten abgeschirmten Troisdorfer nicht weiter enthüllt, und so richtig kennt ihn nur sein nahes Umfeld. Denn er persönlich sucht nicht die öffentlichen Auftritte und schon gar nicht das Gespräch mit der Presse. Um ihn rankt sich einiges an Ondits. Aber Esch ist weder der Testamentsvollstrecker der im Frühjahr verstorbenen Baronin Ullmann, noch hat er tagelang am Krankenbett der Gattin von Heinz-Horst Deichmann verweilt. Auf den wenigen veröffentlichten Fotos sieht man Esch mit dunkler Sonnenbrille, kahlem Kopf und bulliger Statur in etwas spack sitzenden Anzügen. Er hebt sich ab vom gängigen Bild der Privatbankiers.
"Wir kennen uns, und wir helfen uns", lautet ein alter, eigentlich liebenswerter Spruch in der Domstadt. Offenbar geht in manchen Fällen das Helfersyndrom recht weit. Nach Recherchen des Magazins "Der Spiegel" soll das Sich-umeinander-Kümmern in der Beziehung zwischen Esch und Middelhoff angeblich von der Zulassung eines blauen Golf Diesel für die Tochter über die von Middelhoff gecharterte Yacht im Mittelmeer bis hin zur passenden Eigentümerkonstruktion für ein Ferienhaus in Südfrankreich reichen. Die nicht zuletzt aus Haftungsgründen gewählte Eigentumsstruktur für das schon vor dem Einstieg Middelhoffs einer Gesellschaft und nicht einer Privatperson gehörende Haus sei bei so wertvollen Immobilien nicht unüblich, findet Rechtsanwalt Thomas. Dass Vielflieger Middelhoff für sein permanentes Hin und Her Jets der ebenfalls zu Esch-Unternehmenskreisen gehörenden Challenge Air genutzt hat, wird in seinem Umfeld damit zu begründen versucht, dass Carrier wie NetJets teurer gewesen wären. Und mit seinem eng getakteten Terminplan habe Middelhoff gerade in seiner ersten Zeit bei Arcandor ständig unterwegs sein müssen, um mit Banken und Investoren zu verhandeln. Vorbildfunktion eines Vorstandes geht anders, meinte Görg jüngst zum betriebenen Aufwand.
Vorlage für einen spannenden Film
Vielleicht bieten die gesamte Gemengelage, die Querverbindungen und Verflechtungen einmal die Vorlage für einen spannenden Film. Stoff dafür ist mehr als genug da. Die Idealbesetzung wären im Übrigen die Originale.
"Erneut rote Zahlen bei der Kölner Messe..."
Michael Adam (MACHE174)
- 23.08.2009, 19:59 Uhr
Hochmut ...
Hartmud Ose (hwarang)
- 23.08.2009, 21:25 Uhr
Schickedanz droht der Totalverlust...
Alfons Crocusé (ALCR)
- 24.08.2009, 14:32 Uhr
In Zeiten wie diesen
Alvin Vogler (AlvinderVogler)
- 24.08.2009, 18:46 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.374,48 | −1,41% |
| Dow Jones | 12.452,30 | −1,02% |
| EUR/USD | 1,2419 | −0,55% |
| Rohöl Brent Crude | 103,94 $ | −2,72% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
Anonym bewerben? Ist das gut?