http://www.faz.net/-gqe-93n3c

Cum-Ex-Geschäfte : Razzia im Commerzbank-Hauptquartier

Razzia bei der Commerzbank in Frankfurt (Archivbild) Bild: dpa

Ermittler durchsuchen die Büros der Commerzbank in Frankfurt und Wohnungen beschuldigter Personen. Es geht um dubiose Dividenden-Steuer-Geschäfte, die sich hinter dem Kürzel Cum-Ex verbergen.

          Martin Zielke will sich auf die Zukunft der Commerzbank konzentrieren. Auf nachhaltiges und profitables Wachstum komme es an, sagte der Konzernchef am Donnerstag anlässlich der jüngsten Quartalszahlen. Dabei wurde das Bankhaus keine 48 Stunden zuvor von einem dunklen Kapitel seiner Unternehmensgeschichte eingeholt – der Verstrickung der Commerzbank sowie der früheren Dresdner Bank in die umstrittenen Cum-Ex-Geschäfte.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am vergangenen Dienstag durchsuchten Steuerfahnder und Staatsanwälte die Zentrale der Commerzbank am Frankfurter Kaiserplatz, sowie die Wohnungen von drei beschuldigten Personen in Frankfurt und Hanau. Der Vorwurf lautet auf schwere Steuerhinterziehung im Kontext von Aktiengeschäften rund um den Dividendenstichtag, ein möglicher Steuerschaden beträgt 40 Millionen Euro.

          Coba und Dresdner Bank

          Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, die neben Strafverfolgern in Köln und München federführend gegen Personen und Banken ermittelt, welche im großen Stil im großen Stil zu Cum-Ex-Geschäfte beraten haben sollen, bestätigte die Razzia und Höhe des Schadens gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf Nachfrage. Allerdings nannte die Behörde weder die Namen der betroffenen Institute noch der durchsuchten Bank.

          Konkret richten sich die Ermittlungen bislang gegen fünf, teils ehemalige Verantwortliche des Kreditinstituts sowie einen weiteren unbekannten Personenkreis. Sie sollen für die Jahre 2006 bis 2010 bei Umsetzung der Geschäfte mit einem Investitionsvolumen von mehreren Milliarden Euro geholfen haben, tatsächlich weder einbehaltenen noch abgeführten Kapitalertragsteuern und Solidaritätszuschläge bescheinigt zu haben. Diese Körperschafts-Steuererklärungen wurden von den Finanzbehörden akzeptiert und die Erstattungen ausbezahlt.

          Gegenstand der Ermittlungen seien weiterhin Cum-Ex-Geschäfte, die im Jahr 2008 von bislang unbekannten Personen „für ein weiteres ehemaliges Frankfurter Kreditinstitut“ getätigt worden sein sollen, das laut Generalstaatsanwaltschaft von dem erstgenannten Frankfurter Kreditinstitut übernommen wurde. Hier betrage das Investitionsvolumen für das Jahr 2008 mehr als zehn Milliarden Euro, der mutmaßlich entstandene Steuerschaden soll weitere 75 Millionen Euro betragen. Dabei soll es sich nach Informationen des Verlages „Juve“ um Vorgänge innerhalb der Dresdner Bank handeln.

          Angesprochen auf die Razzia und die Ermittlungen , äußerte sich ein Sprecherin der Commerzbank zurückhaltend: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zu potentiellen oder laufenden Ermittlungen nicht äußern.“ Der bekannte Münchner Strafverteidiger Christoph Knauer, den die Commerzbank schon vor einiger Zeit im Rahmen der Cum-Ex-Aufklärung mandatiert hat, reagierte nicht auf eine Anfrage dieser Zeitung.

          Die Sprecherin teilte allerdings mit, dass es in der Vergangenheit bei der Dresdner Bank Cum-Ex-Geschäfte gegeben habe, die nach der Übernahme durch die Commerzbank eingestellt wurden. Im Zuge der öffentlichen Debatte zu diesem Thema habe die Commerzbank Ende des Jahres 2015 eine konzernweite, freiwillige Überprüfung aller zwischen den Jahren 2003 und 2011 getätigten Geschäfte im Aktienhandel angestoßen. „Dabei wurde deutlich, dass es auch Cum-Ex-Geschäfte bei der Commerzbank gab“, sagte die Sprecherin. Die Zwischenergebnisse habe man den Behörden proaktiv zur Verfügung gestellt und kooperiere seither vollumfänglich.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Spaniens gestohlene Babys Video-Seite öffnen

          Kinder gegen Geld : Spaniens gestohlene Babys

          Hinter dem systematischen Babyraub steckt ein perfides Netzwerk aus Ämtern, Ärzten und der Kirche. Was politisch motiviert in der Zeit der Franco-Diktatur begann, entwickelte sich zu einem lukrativen Geschäft. Bis in die 1990er Jahre verschwanden knapp 300.000 Babys und wurden an kinderlose Eltern verkauft. Die spanische Regierung schweigt.

          Topmeldungen

          Kein Recht auf Neuwahlen : Letztlich entscheidet der Präsident

          Der Abbruch der Sondierungsgespräche hat verfassungsrechtlich erst einmal nichts geändert. Ein Recht auf Neuwahlen, gar nach Gutdünken, sieht das Grundgesetz nicht vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.